Der Arzneiverordnungs-Report (AVR), der dieses Jahr sein 30. Jubiläum begeht, trifft wieder auf ein geteiltes Echo. Während die Autoren des Reports erneut einen Preisanstieg registrieren und gewaltige Sparpotenziale darlegen, kritisieren Vertreter von Pharmaverbänden die Methodik der Berechnungen und Interpretation der Daten.

So zitiert eine Pressemeldung des Springer Medizin Verlages den Herausgeber Prof. Ulrich Schwabe von der Universität Heidelberg: „Eine nach wie vor überzogene Preispolitik der Arzneimittelindustrie belaste die Patienten mit überhöhten Preisen.“ Demgegenüber steht die Kritik der Industrie, der AVR sei „kein wissenschaftliches Werk, sondern politischer Kassenleitfaden“. Die ablehnende Haltung der Kritiker stützt sich auf die Analyse der Professoren Dieter Cassel (Universität Duisburg-Essen) und Volker Ulrich (Universität Bayreuth), die in den letzten Jahren immer wieder nachgerechnet hätten, „dass die vom AVR benannten Einsparpotentiale fiktiv und methodisch falsch berechnet sind.“

Selbst bei eindeutige Zahlen findet man keinen gemeinsamen Nenner. So blieb der Anteil der Arzneimittelkosten an den Gesamtkosten der GKV stabil bei 16,2%: Für die Herausgeber der Hinweis, dass „die Bedeutung der Arzneimittelausgaben für das Gesundheitswesen unverändert hoch“ ist, für die Vertreter des Bundesverbandes Pharmazeutische Industrie (BPI) dagegen ein Erfolg – schließlich sei der Anteil konstant „trotz einer älter werdenden Gesellschaft und immensem medizinischen Fortschritts“.

Eine detailliertere Bewertung des Reports ist in den nächsten Tagen zu erwarten – über den möglichen Erkenntnisgewinn trauen wir uns keine Aussage zu.

Weiterführende Links
Pressemeldung des Springer Medizin Verlags
Pressemeldung des Bundesverbandes Pharmazeutische Industrie
Spiegel Online-Artikel