Das Auge ist verklebt, tränt, ist rot und juckt oder brennt. Eine Konjunktivitis, eine sogenannte Bindehautentzündung kann sich auf unterschiedliche Weise bemerkbar machen.
Im nachfolgenden Artikel beleuchten wir, wodurch diese Erkrankung des Auges ausgelöst werden kann und wie sie behandelt wird.

Symptome und Auslöser

Die Bindehaut ist eine schützende Schleimschicht, die sich auf dem weißen Teil des Auges sowie auf den Augenlidinnenseiten befindet. Diese kann sich durch unterschiedliche Reize entzünden, was neben der typischen Rötung des Auges auch zu Schmerzen führen kann.

Überblick

Infektiöse Bindehautentzündung Nicht-Infektiöse Bindehautentzündung
  • Viren (meist sind Erwachsene betroffen) z.B.: Herpesviren und Adenoviren
  • Bakterien (meist sind Kinder betroffen) z.B.: Pneumo-, Staphylo- oder Streptokokken aber auch Chlamydien (Übertragung bei Geburt)
  • selten: Parasiten oder Pilze

Durch Adenoviren ausgelöste Bindehautentzündung ist sehr ansteckend und daher meldepflichtig! Tückisch hierbei sind vor allem die lange Inkubations- (5–12 Tage) und Ansteckungszeit (2-3 Wochen). Die Viren kann man nicht spezifisch behandeln, lediglich eine Linderung der Symptome kann medikamentös erreicht werden.

  • Allergische Bindehautentzündung: Ausgelöst durch Allergene, wie z.B. Pollen, Hausstaub, …
  • Medikamentöse Bindehautentzündung: Zu langer Gebrauch von gefäßverengenden Wirkstoffen („Weißmacher-Augentropfen“) trocknet die Augen stark aus, sodass sie sich vermehrt entzünden
  • generell „Sicca-Syndrom“, d.h. zu trockene Augen können eine Bindehautentzündung ergeben
  • Mechanische Reizungen wie:
    • Fremdkörper im Auge
    • reizende Flüssigkeiten
    • Verletzung der Bindehaut
    • Zigarettenrauch
    • Zugluft, UV-Licht
    • Chlor
    • Kontaktlinsen (zu lange im Auge oder schlecht gereinigt)
  • Fehlsichtigkeit:Auch eine fehlende Sehhilfe oder eine falsch eingestellte Brille kann zu einer Bindehautentzündung führen
  • Fehlstellungen der Augenlider
  • nach innen wachsende Wimpern
  • Überanstrengung
Hoch ansteckend und durch Schmierinfektion übertragbar! Generell nicht ansteckend. Auslösende Faktoren unbedingt meiden.

Da sich hinter einer „einfachen Bindehautreizung“ auch ernsthaftere Krankheiten verstecken können, ist es immer ratsam einen Arzt aufzusuchen! Vor allem wenn Begleiterscheinungen wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Lichtempfindlichkeit oder eine Verschlechterung der Sehkraft hinzukommen. Neben den klassischen Symptomen wie Juckreiz, Rötungen, Brennen und tränende Augen gibt es auch einige spezifische Merkmale, die Rückschluss auf die Form der Bindehautentzündung geben können:

  • Virale Bindehautentzündung:
    • meist Folge einer virusbedingten Grunderkrankung (Masern, Windpocken, etc.) ; oft begleitet von Müdigkeit und Abgeschlagenheit
    • starkes Fremdkörpergefühl im Auge
    • eher wässriges bis leicht schleimiges Sekret
    • starker Juckreiz
  • Bakterielle Bindehautentzündung:
    • häufig beide Augen betroffen, da man sich meist ungewollt selbst ansteckt
    • starker, gelblicher Ausfluss der brennt und oft (morgens) verklebt
  • Allergische Bindehautentzündung:
    • leichtes Fremdkörpergefühl im Auge und stark juckende Augen
    • plötzlicher Tränenfluss
    • weitere Allergiesymptome (Niesen, Schnupfen, …)

Die größte Risikogruppe stellen kleine Kinder dar. Zum einen sind ihre Augen sehr empfindlich sowie das Immunsystem noch nicht voll ausgebildet und zum anderen fassen sich Kleinkinder gerne in das Gesicht und in die Augen. So gelangen vermehrt Krankheitserreger und Fremdkörper in das runde Sinnesorgan.

Auf die Hygiene kommt es an

Es ist nicht verwunderlich, dass das A und O bei einer Bindehautentzündung die Einhaltung von Hygienemaßnahmen ist:

  • Hände weg!
    Ja – es juckt, ja – es brennt und ja – es läuft ständig Flüssigkeit heraus, aber dennoch: Finger aus dem Gesicht! Andernfalls können die Erreger über Ihre Hände überall hinkommen. Türklinken, Haltestangen und auch Seifenspender werden so zum Seuchenherd.
    Auch auf „Hände-schütteln“ sollten Sie in dieser Zeit verzichten.
  • Händewaschen
    Richtiges Händewaschen (min. 20-30 Sek., nicht nur die Handinnenflächen sondern auch zwischen den Fingern etc., …) und anschließendes desinfizieren reduziert die Keimzahl deutlich. Außerdem empfiehlt es sich, dass bei mehreren Personen im Haushalt, jeder ein eigenes Handtuch zum abtrocknen verwendet.
  • Nicht teilen
    Werden Augentropfen oder -salben verordnet, sollte jede betroffene Person ein eigenes Medikament haben. Bei der Gabe sollte darauf geachtet werden, dass die Applikatioren nicht mit dem Auge in Berührung kommen.

Therapieansätze

Meistens ist die Bindehautentzündung viral bedingt und antibiotische Augentropfen wirkungslos. Generell lassen sich bei einer solchen Form der Konjunktivitis „nur“ die Symptome lindern.
Hierfür stehen verschiedene Arzneimittel zur Verfügung:

Wirkstoff(e) Wirkung
Pflanzliche oder homöopathische Augentropfen/-salben mit Augentrost und/oder Ringelblumen
  • beruhigen Rötungen und Reizungen
  • entzündungshemmend
  • flüssigkeitsregulierend
Augensalben mit Bibrocathol
  • desinfiziert
  • schafft effektive Barriere gegen eindringende Bakterien
Augentropfen mit Salicylsäure
  • antientzündlich
  • schmerzlindernd
  • schwach wachstumshemmend bei bestimmten Bakterien und Pilzen
Augentropfen mit Antihistaminikumz.B. Levocabastin oder Azelastin (letzteres wirkt auch noch entzündungshemmend)

Auch eine orale Einnahme von entsprechenden Antihistaminika ist bei einer Bindehautenzündung denkbar (z.B. Cetirizin)

  • werden bei allergischer Bindehautentzündung eingesetzt
  • antihistamine und antiallergische Eigenschaften
  • teilweise mastzellstabilisierend
  • lokal angewendete Antihistaminika wirken schon nach wenigen Minuten
Augentropfen/-salben mit Cortison
z.B. Dexamethason
  • stark entzündungshemmend
  • antiallergisch
  • aufgrund der Nebenwirkungen nur kurzfristig anzuwenden
Augentropfen/-salben mit Antibiotikum
z.B. Ofloxacin
  • hemmen das Wachstum der Bakterien oder töten sie ab
  • wirken nur bei bakterieller Bindehautentzündung
Tränenersatzmittel wie Augentropfen/-salben mit Hyaluronsäure, Dexpanthenol, Ectoin, …
  • befeuchtet
  • pflegt
  • lindert Brennen
  • stabilisieren ggf. Tränenfilm, sodass Sekretion nachlässt
Augentropfen/-salben mit Sympathomimetika
z.B. Tetryzolin
  • nur bei nicht infektiösen Augenreizungen zugelassen
  • Wirkstoffe gelten in der Augenheilkunde als obsolet
Hausmittel wie Kamillenteekompressen etc.
  • nicht zu empfehlen!
  • Kamille kann Allergie auslösen
  • Zubereitungen (meistens) nicht steril
Spezielle Medikamente bei entsprechenden Krankheiten wie beispielsweise Chlamydien, Herpes, …
  • Arzt verordnet entsprechende Medikamente
  • Therapiebeginn sollte unverzüglich erfolgen, da u.U. der Sehnerv in Mitleidenschaft gezogen werden kann!

Auch eine Kombination aus mehreren Wirkstoffen ist denkbar.
Vor allem antibiotische Augentropfen werden gern mit Cortison gemischt, sodass die Zubereitung ein größeres Wirkspektrum erreicht.

PTA-Wissen kompakt:

  • Achtung bei angebrochenen Augentropfenfläschchen, Kosmetika oder Kontaktlinsen:
    Ein hier wachsender Keim kann zu einer hochansteckenden Bindehautentzündung führen, die sich sogar auf die Hornhaut ausbreiten kann!
  • Alles meins: Neben den Hygienemaßnahmen ist der Patient unbedingt aufzuklären, dass auch Alltagsgegenstände nicht geteilt werden dürfen. Dazu zählen neben Waschlappen, Handtücher und Kopfkissen auch Kosmetika, Kameras, Sonnenbrillen etc.!
    Diese sollten nach Gesundung erneuert bzw. gewaschen/desinfiziert werden.
  • Patienten, die immer wieder an einer Bindehautentzündung leiden, bitte zum Optiker schicken. Sie werden es Euch danken!
  • Eine Bindehautentzündung heilt normalerweise innerhalb von zehn bis vierzehn Tagen ab.

Quellen: