Dr. Eckhard Breitbart

Unser Ansprechpartner

Prof. Dr. med. Eckhard W. Breitbart ist Dermatologe und 1. Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft dermatologische Prävention e.V. (ADP). Der Bundesverdienstkreuzträger sprach mit uns über Ursachen, Symptome und Therapie des weißen Hautkrebses.

Sehr geehrter Herr Prof. Breitbart, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für uns nehmen und uns bei der Unterscheidung der Formen von weißem Hautkrebs behilflich sind. Der Begriff „weiß“ mag für die Allgemeinbevölkerung den Anschein erwecken, als sei er weniger gefährlich, ja sogar harmlos.

Richtig. Dabei handelt es sich um eine sehr unglückliche Bezeichnung! Es ist der Versuch, allgemein verständlich zum Ausdruck zu bringen, dass diese Hautkrebsform neben dem schwarzen Hautkrebs besteht. Dieser ist sehr viel bekannter, tritt aber in geringerer Zahl auf. Zusätzlich muss man wissen, dass sich hinter dem Begriff „weißer Hautkrebs“ zwei Hautkrebsformen mit unterschiedlichen Eigenschaften verbergen, eben das Basalzellkarzinom und das Plattenepithelkarzinom.

Weißer Hautkrebs: Hautkrebsarten und Hauptrisikofaktoren

Das Basalzellkarzinom sowie das Plattenepithelkarzinom zählen zur Gruppe des weißen Hautkrebses. Generell wird die UV-Strahlung als Risikofaktor Nr.1 angesehen, an Hautkrebs zu erkranken. Zudem ist der Hauttyp entscheidend. Während beim Basalzellkarzinom auch vereinzelte Sonnenbrände und UV-Expositionen kausal sind, spricht man beim Plattenepithelkarzinom vom sogenannten „UV-Lebenszeitkonto“, das maßgeblich für die Entstehung verantwortlich ist. Das bedeutet, die Wahrscheinlichkeit zu erkranken scheint umso größer, je mehr Sonnenstrahlung der Mensch in seinem Leben ausgesetzt ist. Andere Risikofaktoren wie beispielsweise Immunsuppression, Strahlenschäden oder Arbeiten mit Arsen oder Teer kommen hinzu. Hautkrebs entsteht langsam über Jahrzehnte hinweg. Das Basalzellkarzinom bildet in der Regel keine Tochtergeschwulste, kann aber in andere Organe hineinwachsen. Die aktinische Keratose gilt als gut behandelbar, sie wird heute als Vorstufe des Plattenepithelkarzinoms angesehen. Rechtzeitig erkannt, kann so in vielen Fällen das Auftreten der Krebserkrankung verhindert werden. Das Plattenepithelkarzinom kann Metastasen bilden.

Das Basalzellkarzinom bildet keine Vorstufen und auch keine Metastasen. Wie lässt sich das BZK dennoch frühzeitig erkennen? Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Das Basalzellkarzinom zählt zu den häufigsten Krebserkrankungen mit derzeit rund 159.000 Neuerkrankungen pro Jahr. Jährlich kommt es in etwa 15-20 % der Fälle nach einer chirurgischen Entfernung zur Bildung eines Rezidiv. Diagnostik und Therapie sind somit auch eine enorme Belastung für das Deutsche Gesundheitssystem!

Die Therapie des Basalzellkarzinoms stellt eine gewisse Herausforderung dar. Das Wichtigste ist das rechtzeitige und frühzeitige Erkennen! Es muss immer vollständig chirurgisch entfernt werden. Die Schwierigkeit besteht darin, dass die Tumorgrenzen nicht immer eindeutig zu sehen sind.

Das Zusammenspiel aus intermittierenden UV-Belastungen – zum Beispiel immer mal wieder ein paar Tage ungeschützt in der Urlaubssonne – und chronischen, beziehungsweise kontinuierlichen Sonneneinstrahlungen ist der wichtigste Faktor bei der Entstehung von Basalzellkarzinomen.

Das Basalzellkarzinom wurde früher auch als semi-maligne bezeichnet:

Diesen Begriff sollte man komplett aus seinem Gedächtnis streichen. Das Basalzellkarzinom ist bösartig, also maligne. Es erfüllt alle Voraussetzungen der Malignität! Es bildet zwar keine Metastasen, doch es wächst in alle anderen Strukturen wie Knochen, Muskeln usw. ein, dabei ist es unaufhaltsam. Zu Beginn wächst es langsam, aber mit der Zeit immer schneller. Dabei kennt es keine Grenzen und zerstört alles.

Was ist mit den Sonnenterrassen der Haut gemeint?

Unter dem Begriff versteht man den Kopf bei geringer Behaarung oder Glatze, die Ohrränder, der gesamte Nackenbereich, die Lider, Stirn, Wangen, Nasenrücken, Unterlippe, der Brust-sowie Poansatz, Hand -und Fußrücken. Also die Hautareale, die am ehesten durch die Sonneneinwirkung betroffen sind.

Die aktinische Keratose ist die Vorstufe des Plattenepithelkarzinoms. Ein rechtzeitiges Erkennen beeinflusst daher den Krankheitsverlauf. Woran können die Kunden eine derartige Hautveränderung erkennen?

Betroffene Hautstellen zeigen zunächst eine gerötete Haut, sie erinnert bei Berührung mit dem Finger an Sandpapier, mit der Zeit bildet sich Horn, den man dann ganz automatisch immer wieder abkratzt. Nach Jahren kommt es zu einer Art heller Empfindung, einem leichten Schmerz, spätestens jetzt sollte man seinen Hautarzt aufsuchen. Dann fängt die aktinische Keratose an, bösartig zu werden und muss entfernt werden. Bei rechtzeitigem Erkennen der aktinischen Keratose, sie ist die einzige Vorstufe, die wir beim Hautkrebs haben- der schwarze Hautkrebs hat keine, das Basalzellkarzinom hat auch keine- kommen noch andere Therapiemaßnahmen wie beispielsweise der Einsatz chemischer Stoffe in Betracht.

Was macht das Plattenepithelkarzinom so gefährlich? Welche Behandlungsmaßnahmen haben sich nach heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen bewährt?

Nur die chirurgische Entfernung. Die Gefahr liegt in der Metastasierung. Dabei hat das Plattenepithelkarzinom bereits bei einer Dicke von 2 mm das Potential, Tochtergeschwulste zu bilden. Wenn das passiert ist das Plattenepithelkarzinom schwer zu beherrschen, die Mortalität liegt dann bei ca. bei 5%.

Welches sind die Hauptunterscheidungsmerkmale zum malignen Melanom? (Risikofaktoren und Entstehung)

Das maligne Melanom, also der schwarze Hautkrebs, bildet keine Vorstufen. Das höchste Risikopotential bieten Sonnenbrände in der Kindheit. Die Sonneneinwirkung beeinflusst die Entstehung von Pigmentmalen. Bei einer Anzahl von 40 bis 50 solcher erworbenen Pigmentmale steigt das persönliche Risiko um das 15-fache. Der wichtigste Entstehungsfaktor des malignen Melanoms liegt in der intermittierenden UV-Strahlung. Dabei reichen ein, zwei Urlaube im Jahr, wo man sich dann ungeschützt in die Sonne legt, am besten noch an der Südsee, wenn man sich das leisten kann, aus.

Das individuelle Risiko für ein Melanom erhöht sich außerdem bei Melanom-Erkrankungen innerhalb der Familie 1. Grades, sprich Mutter oder Vater. Ein weiterer Risikofaktor sind angeborene Pigmentmale.

Was empfinden Sie beim Anblick von Solarien und spielenden Kleinkindern ohne Schutz in der prallen Sonne?

Solarienbetriebe mit dem Ziel der kosmetischen Bräunung haben keinen nachweislichen gesundheitlichen Nutzen. Mit dem Besuch eines Solariums züchtet man sich regelrecht einen schwarzen Hautkrebs. Entscheidend sind dabei regelmäßige Besuche, diese hat man aber schon bei 12 Mal pro Jahr-also 1 Solarium- Besuch pro Monat. Daher haben wir auch momentan so viele erkrankte jüngere Frauen mit Anfang 40/ 50, die regelmäßig, vor ihrem 35. Lebensjahr, Solarien besucht haben. Zudem nehmen auch die anderen Hautkrebsformen durch Solarium- Besuche zu. Zum Glück konnten wir bewirken, dass der Besuch Minderjährigen verboten wurde.

Werden Kinder ohne Schutz der Sonne ausgesetzt, ist das in meinen Augen fahrlässige Körperverletzung!

„Als würde die Haut ihrem Besitzer entgegenrufen: „Hey! Ich versuch hier grad alles um mich zu schützen, bitte hilf mir gefälligst dabei und guck nicht tatenlos zu!“

Kommt es zu einem Sonnenbrand, wird gleichzeitig das Immunsystem runtergefahren. Auch die noch immer gängige Meinung, Bräune wäre gesund, hält sich hartnäckig. Wir sind nicht dazu gemacht, braun zu werden. Bräune kann als Aufschrei der Haut verstanden werden: Mach nicht weiter! Als würde die Haut ihrem Besitzer entgegenrufen: „Hey! Ich versuch hier grad alles um mich zu schützen, bitte hilf mir gefälligst dabei und guck nicht tatenlos zu!“

Welche Empfehlungen geben Sie bei Vitamin D-Mangel und gleichzeitig heller, empfindlicher Haut?

Eine ganz einfache und gut umsetzbare Maßnahme ist der Verzehr von Fisch. Man hat festgestellt, dass Menschen in nördlichen Gebieten und trotz weniger Sonnenstrahlen über einen ausgezeichneten Vitamin D- Spiegel verfügen. Zudem gibt es keinen anerkannten, internationalen Wert. Im Zweifelsfall nehmen Sie eine Vitamin D Tablette, diese schütz vor Vitamin D Mangel- dagegen gibt es keine Tablette, die vor Hautkrebs schützt. Gehen Sie bei Vitamin D-Mangel am besten zum Arzt, der kann immer noch am besten beurteilen, was zu tun ist. Das wird so auch von führenden Fachgesellschaften empfohlen.

Die Empfehlungen zur Vitamin D- Synthese finden Sie in der übereinstimmenden Empfehlung der wissenschaftlichen Behörden, Fachgesellschaften und Fachverbände des Strahlenschutzes, der Gesundheit, der Risikobewertung, der Medizin und der Ernährungswissenschaften.

Wie oft sollten wir zur Hautkrebs-Früherkennung gehen?

Grundsätzlich alle 2 Jahre. Bei Veränderungen sofort und bei erhöhtem Risiko werden die Besuche individuell abgesprochen.

Wie können wir uns schützen? Was sind die wichtigsten Punkte?

Der wichtigste Punkt ist die Tageszeit! Wenn Sie in den Urlaub fahren, ins Warme, dann geht man mittags nicht an den Strand! Insbesondere in der Zeit von 11-15 Uhr sollte man sich vor der UV-Strahlung schützen, natürlich auch bei bedecktem Himmel. Während sich viele Menschen bei starker Hitze und klarem Himmel noch vor der Sonne schützen, so haben wir leider kein Gespür für UV-Strahlen. Das kann natürlich fatal sein, wenn es mal bewölkt ist oder eine leichte Brise weht und es uns nicht so heiß vorkommt.

Empfindliche Kinderhaut muss geschützt werden und liegt uns besonders am Herzen. So fördern wir beispielsweise Projekte wie Clever in Sonne und Schatten. An dieser Stelle ist es mir wichtig zu erwähnen, dass Erzieher*innen natürlich eine Aufsichtspflicht haben, dieser wird durch das Erstellen von Schattenplätzen, Sonnensegel usw. auf Außengeländen von Kindertageseinrichtungen nachgekommen. Doch Hauptverantwortliche sind und bleiben die Eltern, es gibt für Kindertageseinrichtungen keine einheitliche Regelung. Wir plädieren hier für aktive Einbeziehung und Absprache mit den Eltern, was zum Beispiel das Eincremen in Kindertageseinrichtungen betrifft. So kann zum Beispiel auch auf Allergien hingewiesen werden.

Wichtig ist eine sonnengerechte Kleidung. Für den Rest gibt es Sonnencreme – aber dick aufgetragen! Auch bei Theater der Kleinen, da müssen sie durch. Zumal man das Ganze auch spielerisch gestalten kann, zum Beispiel mit der Teelöffelregel: Je ein Teelöffel für jeden Arm und für jedes Bein bei kurzer Hose und T-Shirt. Fürs Gesicht und Nacken wird zusammen auch noch einmal ein Teelöffel spendiert.

Vielen Dank für das Interview und Ihre Einschätzung! Herr Prof. Breitbart, Sie sprechen mir aus der Seele!

Schutz vor Hautkrebs-Auf die richtige Vorsorge kommt es an

In der Apotheke können folgende Empfehlungen unterstützend sein:


Angaben zur Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention

Logo ADPDie Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP) e.V. ist seit 1987 als gemeinnütziger Verein im Bereich primärer und sekundärer Prävention von Hautkrebs aktiv. Schwerpunkt der Arbeit ist die Durchführung bundesweiter Interventionskampagnen, sowie wissenschaftlicher Workshops und Studien, ermöglicht durch nationale und internationale Gremienarbeit und Kooperationen. Konkrete Meilensteine betreffen die Einführung und Umsetzung eines bundesweiten Hautkrebs-Screenings, mit Berücksichtigung der informierten und partizipativen Entscheidungsfindung. Die ADP hat die wesentlichen wissenschaftlichen Voraussetzungen, in Kooperation mit der Strahlenschutzkommission (SSK) und dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) für das Gesetz zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung bei der Anwendung am Menschen (NiSG) geschaffen und nach Einführung des Solariengesetzes die UV-Schutzverordnung (UVSV) im Wesentlichen mitgestaltet. Zudem die Verankerung der primären Prävention in den Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen (Clever in Sonne und Schatten) zur aktuellen Schwerpunktarbeit, welche mit Unterstützung der Deutschen Krebshilfe und in Kooperation mit weiteren Projektpartnern betrieben wird.