In Deutschland kommen Schockfotos auf Zigarettenschachteln, in Großbritannien kommt eine Steuer auf Zucker und ein EU-Gericht verbietet Werbung für Glukose. Bringt das was?

Die aus anderen Ländern bekannten Bilder auf Zigarettenschachten, auf denen Raucherlungen, Raucherbeine und andere abstoßende Motive zu sehen sind, werden im Laufe des Jahres 2016 wohl auch in Deutschland zur Pflicht für die Hersteller. Zwar läuft aktuell noch ein Verfahren beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) gegen das Gebot, es wird jedoch keine Entscheidung im Sinne der Kläger erwartet. Mit der Maßnahme will der Gesetzgeber die Raucherquote vor allem unter Jugendlichen senken. Das dies funktionieren könnte, zeigt eine Studie aus den USA, die in der FAZ zusammengefasst wurde. Diese zeigte, dass selbst überzeugte Raucher sich durch die Bilder intensiver und kritischer mit dem Tabakkonsum auseinandersetzten.

Ab 2018 will man in Großbritannien eine Steuer auf zuckerhaltige Limonaden erheben. Auch hier wird der Gesundheitsaspekt angeführt und das eingenommene Geld soll konsequenterweise dann auch noch für den Schulsport eingesetzt werden. Warum die Steuer zwar für Limonaden gelten soll, aber nicht für andere stark Zuckerhaltige Lebensmittel erschließt sich allerdings nicht so ganz. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, zeigt der Vergleich mit anderen Ländern auch bei dieser Maßnahme die Wirksamkeit: Nach Einführung einer vergleichbaren Steuer in Mexiko sei der Limonadenkonsum dort um 12% gesunken. Der Autor des Kommentars schließt mit dem Hinweis, Zucker sei eben ein Genuss- und kein Lebensmittel und als solches lieber sparsam zu dosieren.

Die werbliche Aufforderung zum Verzehr von Traubenzucker beschäftigte ebenfalls ein europäisches Gericht. Mit sogenannten „Health Claims“ suggerieren viele Lebensmittelhersteller, ihre Produkte seien der Gesundheit zuträglich. Ein Hersteller wollte mit „Glukose unterstützt die körperliche Betätigung“ und weiteren vergleichbaren Sprüchen für seine Traubenzuckerplättchen werben. Das Gericht untersagte dies nun, da der Verzehr von zu viel Zucker nun mal schlicht ungesund ist und derartige Health Claims irreführend sein könnten. Der Hersteller kann aber noch in Berufung gehen.

Diese drei aktuellen Beispiele können als Schutzmaßnahmen begrüßt oder als Bevormundung abgelehnt werden – für beide Positionen lassen sich bereits zahlreiche Vertreter in den Medien finden. Die Diskussionen erinnern dabei jedoch stark an vergleichbare Veränderungen wie die Einführung der Gurtpflicht in den 1970er Jahren oder das Nichtraucherschutzgesetz Mitte der 2000er. Diese waren zunächst auch von weiten Teilen der Bevölkerung abgelehnt worden, bewiesen sich jedoch als vorteilhaft und werden heute kaum mehr infrage gestellt.

Quellen