Mobile Apps unterstützen uns in den verschiedensten Lebenssituationen. Die Vereinigung amerikanischer Psychiater hat nun Anwendungen bewerten lassen, die bei Depression oder Angstzuständen helfen sollen.

Im englischsprachigen Raum sind Apps zur Behandlung psychischer Probleme häufig zu finden. John Torous, der Vorsitzende der Arbeitsgruppe welche die Bewertung vornahm, erklärte dies in einem Interview damit, dass die Einstiegshürden für Software-Entwickler in diesem Feld niedriger seien als in anderen medizinischen Fachgebieten. Dies führt scheinbar dazu, dass Apps relativ gedankenlos in den Markt gebracht werden und in der Folge wichtige Fragen nicht beantwortet werden können.

„Geistige Gesundheit lässt sich nicht anhand objektiver Biomarker messen (…) Wie misst man beispielsweise die Stimmung eines Patienten? Und ist das überhaupt die richtige Messgröße?“ Dieser Mangel an objektiven Messwerten macht es schwierig, die Effektivität der Apps zu bewerten. Hinzu kommt, dass die meisten Studien über den Nutzen der Apps von den Herstellern selbst in Auftrag gegeben wurden und dementsprechend mit Vorsicht zu betrachten sind. Torous weist zudem darauf hin, dass viele Apps sich zwar medizinischer Terminologie bedienen, versteckt in den AGB aber deutlich machen, dass sie kein medizinisches Angebot seien. Insgesamt entsteht beim Lesen des Interviews der Eindruck, die Branche wimmele von Anbietern, die sich wenig Gedanken um die tatsächlichen Nöte der Anwender machen.

Torous kritisiert: „[Die Hersteller der Apps] haben sich grundlegende Fragen nicht gestellt; beispielsweise: Ist das wissenschaftlich? Funktioniert es?“ Von 700 untersuchten Apps sei lediglich eine evidenzbasiert gewesen. Ob die Apps für die Zielgruppe hilfreich sind oder nicht, lässt sich anhand der derzeitigen Daten nicht bestimmen.
Dabei haben mobile Anwendungen zur Unterstützung bei psychischen Störungen durchaus Potenzial. Die Möglichkeit, im Bedarfsfall sofort Kontakt zu Fachpersonal herzustellen, ist ein Beispiel für die sinnvolle Nutzung. Als positives Beispiel geeigneter Apps nennt Torous weiterhin die Angebote der Behörde für US-Army-Veteranen. Diese bietet beispielsweise eine App zur Identifikation und Handhabung von posttraumatischem Belastungsstress.

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