Das Scheidenmilieu im Gleichgeweicht

Wohlbefinden und Gesundheit der Frau hängen maßgeblich von einem intakten Immunsystem ab. So kann eine Schwächung das Scheidenmilieu ins Ungleichgewicht führen und so Infektionen begünstigen. Die unangenehmen Beschwerden können sich auch auf die Partnerschaft und das Intimleben auswirken. Für die Frau kann durch wiederkehrende Infektionen ein großer Leidensdruck entstehen. Eine intakte Flora ist insbesondere in der Schwangerschaft notwendig und schützt erwiesenermaßen vor Frühgeburten. Das Vorhandensein bestimmter Milchsäurebakterien ist also von entscheidender Bedeutung. Unter dem Einfluss von Östrogen und dem damit verbundenen Zuckergehalt in der Vagina kommt es zur Anreicherung verschiedener Laktobazillus-Arten (Döderlein) während der Geschlechtsreife. Zu den bekanntesten Arten gehören L.acidophilus, L. crispatus, L. gasseri, L. iners und L. jensenii. Milchsäurebakterien sind für die Aufrechterhaltung des physiologischen Scheidenmilieus und einem niedrigen pH-Wert zuständig.

Milchsäurebakterien und ihre vielfältigen Aufgaben:

  1. Sie bilden neben anderen Säuren die Milchsäure, das in der Vagina vorhandene Glykogen wird in Milchsäure umgewandelt, so wird der pH-Wert gesenkt und das Milieu aufrechterhalten.
  2. Sie bilden H2O2, welches desinfizierend wirkt.
  3. Die Bildung verschiedene Stoffe bewirkt, dass Wachstum, Ausbreitung und Anheftung an die Vaginalwand gehemmt werden.

So bewirkt das komplexe Zusammenspiel verschiedener Bakterienstämme ein gesundes Milieu und einen eher niedrigeren pH-Wert von 3,8- 4,4. Dieser Zustand ist normalerweise recht stabil. Die Scheidenflora befindet sich im Gleichgewicht, so dass es Krankheitserreger wie Bakterien, Pilze oder Protozoen schwer haben, sich zu vermehren. Eine Dysbiose und entsprechende Beschwerden entstehen somit erst, wenn es zu einem Ungleichgewicht kommt.

Wodurch kann ein Mangel an Milchsäure-Bakterien entstehen und was sind die Folgen?

Umstände wie hormonelle Veränderung durch eine Schwangerschaft oder die Einnahme bestimmter oraler Kontrazeptiva, Medikamenteneinnahmen, Stoffwechselerkrankungen wie beispielsweise Diabetes oder Immunerkrankungen können das Immunsystem schwächen und zu einem Ungleichgewicht führen. Ein Mangel an bestimmten Laktobazillen entsteht beispielsweise nach der Menopause durch Östrogenabfall oder allgemein nach einer Antibiose, wobei das Ausmaß wesentlich von der jeweiligen Wirkstoffgruppe abhängt.

Insbesondere Infektionen wie beispielsweise eine Blasenentzündung und eine folgende Antibiotikabehandlung können für eine Veränderung verantwortlich sein. Der Östrogenabfall nach der Menopause und der damit einhergehende Rückgang an Laktobazillen, verändert das Scheidenmilieu, der pH-Wert steigt und eine Atrophie entsteht. Zusätzliche Faktoren wie Rauchen oder Stress sollen eine Rolle spielen. Aufgrund des steigenden pH-Wertes wird das Milieu ins Ungleichgewicht gebracht-als Folge haben es Infektionen leichter. Aufgrund der anatomischen Nähe ist von einem instabilen Scheidenmilieu auch der Urogenital-Trakt betroffen, so dass auch HWI leichter entstehen, insbesondere bei jungen Frauen und Frauen in der Postmenopause. Auch falsche Hygienemaßnahmen sollten bei wiederkehrenden Infektionen in Betracht gezogen werden.

Grundsätzlich unterliegt der Säuregrad zyklischen Schwankungen. In der Schwangerschaft ist eine Verschiebung des pH-Wertes möglich, wodurch sich Krankheitserreger wiederum einfacher und schneller vermehren und Infektionen aufsteigen können. Deshalb ist die Messung des pH-Wertes ein so wichtiger Indikator. Frauen können ihren pH-Wert problemlos selbständig messen und durch rechtzeitiges Erkennen einer möglichen Infektion vorbeugen. Einer Frühgeburt kann so effizient entgegengewirkt werden.

Die bakterielle Vaginose und die Vulvovaginalmykose

Die bakterielle Vaginose und die Pilzerkrankung der Frau gehören immer noch zu den Themen, über die Frauen nur sehr ungern sprechen. Während man sich mit einer Pilzerkrankung meist relativ früh an seinen Gynäkologen wendet oder direkt in die Apotheke, geht der bakteriellen Vaginose oft ein langer Leidensweg voraus. Betroffene Frauen schämen sich, fürchten gar eine ansteckende Geschlechtskrankheit und nicht selten belasten die unangenehmen Symptome zunehmend die Partnerschaft. Dies ist leider oft der Fall, da bei dieser Erkrankung noch sehr viel Unwissenheit herrscht. Die vorrangige Behandlung der bakteriellen Vaginose sowie der Pilzerkrankung unterscheidet sich wesentlich, weshalb den Frauen unbedingt eine ärztliche Abklärung empfohlen werden sollte. In den meisten Fällen sind die Symptome zwar charakteristisch und die zugrundeliegende Ursache/ Erkrankung ist klar zu definieren, doch manchmal verwischen die Beschwerden so sehr, dass zum Beispiel die Frau von einer Pilzinfektion ausgeht und somit durch die Behandlung mit einem Antimykotikum falsch beraten ist. Untersuchungen habe gezeigt, dass die Erkennung nicht so zuverlässig ist, wie zunächst angenommen. Auch ist es möglich, dass die Frau unter einer Mischinfektion leidet, das bedeutet es liegt neben der bakteriellen Vaginose auch eine Pilzinfektion vor.

Die bakterielle Vaginose stellt ein Ungleichgewicht des vaginalen Milieus dar und betrifft vorrangig Frauen im gebärfähigem Alter. Daher spricht man von einer vaginalen Dysbiose, nicht von einer Infektion. Es kommt zur Vermehrung der Bakterien und zur Abnahme der Laktobazillen. Die gesunde Flora der Frau beinhaltet eine Vielzahl an unterschiedlichen Laktobazillen und in geringen Mengen Bakterien wie beispielsweise Gardnerella vaginalis. Der pH-Wert sollte bei 3,8-4,4 liegen. Kommt es nun zu einem Ungleichgewicht, das heißt die Bakterien nehmen zu und der pH-Wert steigt, dann entsteht eine Dysbiose, welche eine bakterielle Vaginose zur Folge hat. Die Ursachen sind noch nicht eindeutig. Die Medizin geht jedoch davon aus, dass hormonelle Umstellungen, Stress, falsche Hygiene und Geschlechtsverkehr, aber insbesondere eine körpereigene Schwächung des Immunsystems eine Erhöhung des PH-Wertes und somit das Bakterienwachstum begünstigen. Das bakterielle Gleichgewicht wird gestört und das vaginale Immunsystem geschwächt. Weiterhin können falsche Hygienemaßnahmen oder Geschlechtsverkehr zu einem Ungleichgewicht des Scheidenmilieus führen.

Zu den typischen Symptomen der bakteriellen Vaginose gehören:

  • Grau-weißlicher Fluor genitalis.
  • Ein unangenehmer Geruch, welcher als übelriechend und fischig beschrieben wird.
  • Beschwerden wie Juckreiz o.ä. können ebenso auftreten.

Behandlung und Vorbeugung der bakteriellen Vaginose

Die bakterielle Vaginose wird mit einem Antibiotikum behandelt, normalerweise Metronidazol oder Clindamycin. Daher ist der Besuch beim Arzt unumgänglich. Unbehandelt kann sich die Entzündung auf andere Organe ausbreiten. Die Rezidivraten sind hoch, da der Biofilm durch das Antibiotikum nicht beseitigt wird. Umso höher wird einer gesunden und stabilen Flora Bedeutung beigemessen. So soll einerseits durch Probiotika die Flora nach Antibiotikagabe gezielt wiederaufgebaut werden, andererseits soll einer wiederholten Vaginose vorgebeugt werden. Das kann nur durch einen konstant niedrigen pH-Wert und einer ausreichenden Menge an Laktobazillen erreicht werden, weshalb Mediziner die Probiotika-Gabe auch für mehrere Wochen bis Monate empfehlen und eine 7-10 tägige Einnahme für diese Indikation zu kurz erscheint.

Eine besondere Bedeutung hat die bakterielle Vaginose in der Schwangerschaft, da sie unbehandelt zu Frühgeburten führen kann. Dank der Errungenschaft von Herrn Prof. Erich Saling, Gründer der Selbst-Vorsorge-Aktion für Schwangere, können Frauen mit Hilfe der Selbsttests ganz einfach zu Hause ihren pH-Wert messen und so rechtzeitig einwirken.

Symptomatik der Pilzinfektion:

  • Die Pilzerkrankung der Frau ist durch starken, unerträglichen Juckreiz, weiß-bröckeligem Ausfluss, welcher jedoch geruchlos ist, Rötung, Schwellung und Brennen gekennzeichnet.
  • Des Weiteren kann es zu Beschwerden beim Wassererlassen und beim Geschlechtsverkehr kommen.

Ursachen und Therapie der Pilzerkrankung

Auch hier ist eine Besiedelung bis zu einem gewissen Maße physiologisch. Die Ursachen liegen ebenfalls in einer Schwächung des Immunsystems, Erkrankungen wie Diabetesoder Stress. Die Pilzerkrankung kann ebenso durch hormonelle Umstellungen ausgelöst werden, weshalb sie in der Schwangerschaft auch häufiger vorkommt. Hier sind überwiegend Hefepilze der Gattung Candida albicans anzutreffen. Eine Behandlung erfolgt durch ein Antimykotikum. Zum Ende einer Schwangerschaft wird die Mykose behandelt, da sonst die Gefahr der Übertragung eines Mundsoors oder einer Windeldermatitis beim Neugeborenen besteht. Grundsätzlich sollte in jedem Falle eine antimykotische Behandlung erfolgen, da die Pilzerkrankung wiederum Nährboden für weitere Sekundärinfektionen bieten kann. Je nach Ursache und ärztlicher Beurteilung des Milieus kann hier nach erfolgter Therapie ebenfalls eine probiotische Kur empfohlen werden.

Was Ihr als PTA wissen solltet:

  • Das gesunde Scheidenmilieu der Frau beinhaltet mehrere Lactobazillus-Stämme sowie zahlreiche aerobe und meist anaerobe Bakterienarten.
  • Der gewünschte pH-Wert liegt bei 3,8-4,4.
  • In der Schwangerschaft können Frauen ihren pH-Wert selbständig zu Hause messen. Verschiebungen des pH-Wertes können so rechtzeitig erkannt werden.
  • Ein Anstieg des pH-Wertes und eine Abnahme bestimmter Lactobazillen erleichtert das Wachstum krankmachender Keime.
  • Bei der bakteriellen Vaginose handelt es sich um eine Dysbiose, die Flora ist aus dem Gleichgewicht gekommen.
  • Ein Vaginalpilz entsteht häufig nach einer Antibiotikatherapie, häufigster Erreger ist Candida albicans.
  • Die Regeneration der Vaginalschleimhaut durch Ansäuerung des pH-Wertes kann mit Hilfe von probiotischen Vaginalzäpfchen erreicht werden.
  • Zur Vorbeugung empfehlen Mediziner eine mehrwöchige und vor allem regelmäßige Behandlung.
  • Auch bei wiederkehrenden Harnwegsinfekten wird eine Stabilisierung mit probiotischen Scheidenzäpfchen empfohlen.
  • Mit Milchsäurebakterien lässt sich die physiologische Immunabwehr stabilisieren.
  • Eine diskrete und empathische Beratung in der Apotheke stärkt das Vertrauensverhältnis und die Kommunikation.

 

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Quellenangaben:

https://www.springer.com/cda/content/document/cda…/9783540300953-c1.pdf?..

http://werner-mendling.de/portfolio-items/laktobazillen-milchsaeurebakterien/

https://www.frauenaerzte-im-netz.de/erkrankungen/bakterielle-vaginose/

https://www.naturheilmagazin.de/natuerlich-heilen/krankheiten-a-bis-z/blasenentzuendung.html

https://www.aerzteblatt.de/archiv/171807/Rezidivierende-Harnwegsinfektionen-Wie-vermeiden-und-behandeln

Die bakterielle Vaginose – nach 60 Jahren immer noch ein Rätsel