Endometriose: Symptome, Diagnostik und Beratung in der Apotheke
Endometriose zählt zu den häufigsten gynäkologischen Erkrankungen. Sie wird zunehmend öffentlich thematisiert und auch häufiger diagnostiziert – das hat ihr paradoxerweise den Ruf einer Modekrankheit eingebracht. Dabei ist Endometriose eine chronische Erkrankung, die für Betroffene mit erheblichen Beschwerden und Einschränkungen verbunden sein kann. Wie viele Frauen tatsächlich betroffen sind, lässt sich jedoch nicht verlässlich beziffern. Bis eine Endometriose erkannt wird, vergehen nach wie vor häufig mehrere Jahre.
Ein wesentlicher Grund für diese Verzögerung ist die gesellschaftliche Normalisierung von Regelschmerzen: Viele Betroffene wachsen mit der Vorstellung auf, dass Schmerzen während der Menstruation dazugehören – eine Haltung, die auch im medizinischen Versorgungsalltag lange Zeit wenig hinterfragt wurde. Obwohl die Diagnostik in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte gemacht hat, profitieren Betroffene noch nicht überall gleichermaßen von diesen Entwicklungen.

Endometriose – wenn gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter wächst
Bei Endometriose findet sich gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutterhöhle. Betroffen sein können unter anderem die Eierstöcke, Eileiter, das Bauchfell, die Harnblase, der Darm oder selten auch entferntere Organe wie die Lunge.
Das gebärmutterschleimhautähnliche Gewebe kann auf zyklische Hormonschwankungen reagieren und sich im Verlauf des Menstruationszyklus verändern. Dabei können auch Einblutungen auftreten. Die Erkrankung geht mit entzündlichen Prozessen im umliegenden Gewebe einher, die langfristig unter anderem die Entstehung von Zysten, Verwachsungen und Vernarbungen begünstigen können.
Ursachen und Risikofaktoren der Endometriose
Bei Endometriose handelt es sich um eine komplexe, multifaktorielle, chronisch-entzündliche Erkrankung, die sich auf viele Lebensbereiche der Betroffenen auswirken kann. Die genauen Ursachen ihrer Entstehung sind bis heute nicht abschließend geklärt. Nach heutigem Kenntnisstand entsteht Endometriose durch das Zusammenspiel genetischer, hormoneller, immunologischer und entzündlicher Faktoren. Verschiedene Entstehungstheorien versuchen zu erklären, wie sich Endometrioseherde entwickeln. Keine dieser Theorien kann jedoch alle Erscheinungsformen der Erkrankung vollständig erklären.
Nach dieser Theorie gelangt während der Menstruation Menstruationsblut über die Eileiter in die Bauchhöhle (retrograde Menstruation). Endometriumähnliches Gewebe kann sich dort ansiedeln und unter bestimmten Voraussetzungen Endometrioseherde bilden. Da eine retrograde Menstruation auch bei vielen Frauen ohne Endometriose vorkommt, kann sie die Entstehung der Erkrankung allein nicht erklären.
Diese Theorie geht davon aus, dass sich Zellen des Bauchfells oder embryonale Zellreste in endometriumähnliches Gewebe umwandeln können.
Dieses Modell, auch als „Gewebe-Verletzungs-und-Reparatur-Konzept“ bezeichnet, geht davon aus, dass wiederholte Mikroverletzungen und Reparaturprozesse an der Grenze zwischen Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) und Gebärmuttermuskulatur (Myometrium) zur Entstehung einer Endometriose beitragen können.
Endometriose ist eine östrogenabhängige Erkrankung. Östrogene fördern das Wachstum und die Aktivität der Endometrioseherde, weshalb Beschwerden häufig zyklusabhängig auftreten. Entzündliche und immunologische Prozesse tragen vermutlich dazu bei, dass sich Endometrioseherde entwickeln und bestehen bleiben. Nach Eintritt der Menopause gehen die Beschwerden bei vielen Betroffenen zurück, können jedoch in Einzelfällen fortbestehen.
Als Risikofaktoren gelten unter anderem eine familiäre Disposition sowie menstruationsbezogene Faktoren wie eine frühe Menarche, kurze Menstruationszyklen oder starke beziehungsweise verlängerte Menstruationsblutungen. Diese Faktoren sind mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko assoziiert, erlauben jedoch keine Vorhersage, ob tatsächlich eine Endometriose entsteht.
Nach heutigem Kenntnisstand gibt es keine wissenschaftlich gesicherten Maßnahmen zur Vorbeugung einer Endometriose. Eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige körperliche Aktivität können das allgemeine Wohlbefinden fördern, eine gezielte Prävention der Erkrankung ist bislang jedoch nicht möglich.
Herausforderungen auf dem Weg zur Diagnose
Die häufig lange Diagnoseverzögerung bei Endometriose hat verschiedene Ursachen. Neben diagnostischen Besonderheiten spielen auch gesellschaftliche und strukturelle Faktoren eine Rolle. Menstruationsbedingte Schmerzen wurden lange Zeit häufig als „normal“ angesehen und Beschwerden von Betroffenen nicht immer ausreichend ernst genommen. Auch Wissenslücken in Ausbildung und Versorgung trugen dazu bei, dass Endometriose nicht frühzeitig in Betracht gezogen wurde.
Bagatellisierung von Regelschmerzen
Starke oder wiederkehrende Menstruationsschmerzen werden auch heute noch mitunter als normal oder unvermeidbar angesehen. Dies kann dazu führen, dass Betroffene erst spät ärztliche Hilfe suchen oder Endometriose zunächst nicht als mögliche Ursache erkannt wird.
Wichtig
Ein unauffälliger Ultraschallbefund bedeutet nicht zwangsläufig, dass keine Endometriose vorliegt. Für Patientinnen, deren Beschwerden bislang nicht ernst genommen wurden, kann diese Information eine wichtige Bestärkung sein, bei anhaltenden Symptomen auf eine weiterführende diagnostische Abklärung zu bestehen.
Um die Versorgung von Betroffenen zu verbessern, wurden in den vergangenen Jahren auch Ausbildung und Fortbildung stärker in den Fokus gerückt. Endometriose ist heute Bestandteil des Medizinstudiums und des Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalogs Medizin (NKLM). Dennoch zeigt eine bundesweite Befragung von mehr als 1.000 Medizinstudierenden deutliche Unterschiede in Umfang und Qualität der Lehre. Fortbildungsangebote für Ärztinnen und Ärzte wurden in den vergangenen Jahren zwar ausgebaut, doch neue wissenschaftliche Erkenntnisse und aktualisierte Leitlinien benötigen Zeit, bis sie flächendeckend im klinischen Alltag umgesetzt werden.
Die Umfrage macht außerdem deutlich, dass es nicht nur Wissenslücken gibt: Einzelne Studierende berichteten von fachlich fehlerhaften Lehrinhalten, einer bagatellisierenden oder abwertenden Haltung gegenüber Betroffenen sowie davon, dass Endometriose als „Trendkrankheit“ bezeichnet wurde. Auch wenn diese Einzelfallberichte nicht für alle Betroffenen stehen, zeigen sie, dass Vorurteile und Fehleinschätzungen im Umgang mit Endometriose weiterhin vorkommen können.
Fünf Verbünde erforschen die Endometriose
Viele Fragen zur Entstehung, Diagnostik und Behandlung der Endometriose sind noch offen. Fünf interdisziplinäre Forschungsverbünde untersuchen deshalb unterschiedliche Aspekte der Erkrankung – von Schmerzen und Unfruchtbarkeit über Krankheitsmechanismen bis hin zu Ernährung und Stoffwechsel.
ENDOFERT untersucht den Zusammenhang zwischen Endometriose, Unfruchtbarkeit und schwierigen Schwangerschaftsverläufen. Ziel sind unter anderem neue Möglichkeiten für eine frühzeitige, schonende Diagnose und Behandlung.
ENDO-PAIN erforscht, wie die typischen Endometriose-Schmerzen entstehen. Die Erkenntnisse sollen neue Ansätze für Diagnose und Therapie ermöglichen.
ENDO-RELIEF untersucht, wie Endometriose entsteht und fortschreitet und welche Rolle das Immunsystem dabei spielt. Die Ergebnisse sollen zu individuelleren Behandlungsmöglichkeiten beitragen.
StEPP-UPP beschäftigt sich mit Schmerzen und weiteren Beschwerden bei Endometriose. Mithilfe von Patientinnendaten und künstlicher Intelligenz sollen neue Möglichkeiten für eine individuellere Diagnose und Therapie entwickelt werden.
HoPE untersucht das Zusammenspiel von Ernährung, Immunsystem, Stoffwechsel und Darmmikrobiom. Daraus sollen neue Ernährungskonzepte für Patientinnen mit Endometriose entwickelt werden.
Symptome der Endometriose
Die Beschwerden einer Endometriose sind individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt. Sie reichen von vollständiger Beschwerdefreiheit bis hin zu starken chronischen Schmerzen und eingeschränkter Fertilität. Die Erkrankung wird häufig zufällig im Rahmen einer Kinderwunschabklärung entdeckt.
Wichtig für die Einordnung
Die Stärke der Beschwerden steht nicht zwangsläufig im Zusammenhang mit dem Ausmaß der Erkrankung. Auch eine ausgedehnte Endometriose kann beschwerdearm oder symptomfrei verlaufen, während bereits kleine Herde erhebliche Schmerzen verursachen können.
Typische Symptome einer Endometriose sind:
- Starke oder zunehmende menstruationsbedingte Schmerzen (Dysmenorrhö)
- Schmerzen, die bereits vor Beginn der Menstruation einsetzen oder über die Blutung hinaus anhalten können
- Chronische oder wiederkehrende Beckenschmerzen, teilweise mit Ausstrahlung in Rücken oder Beine
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie)
- Schmerzen beim Stuhlgang (Dyschezie) und/oder Wasserlassen (Dysurie), insbesondere zyklusabhängig
- Zyklusabhängige gastrointestinale Beschwerden wie Blähungen, Völlegefühl, Verstopfung, Durchfall oder Übelkeit.
- Endobelly: So bezeichnen Betroffene eine ausgeprägte Aufblähung des Bauches im Zusammenhang mit Endometriose. Der Bauch kann sich innerhalb kürzester Zeit deutlich vergrößern und so stark vorgewölbt sein, dass Betroffene aussehen, als wären sie schwanger. Begleitend können Druckgefühl oder Schmerzen auftreten.
- Fatigue (ausgeprägte Erschöpfung)
- Eingeschränkte Fertilität beziehungsweise unerfüllter Kinderwunsch
Die vielfältige und häufig unspezifische Symptomatik kann die Diagnose erschweren und wesentlich zur oft jahrelangen Diagnoseverzögerung beitragen.
Orientierung im Beratungsgespräch
Treten starke oder zunehmende Menstruationsschmerzen gemeinsam mit weiteren zyklusabhängigen Beschwerden – etwa Dyspareunie, Dyschezie oder Dysurie – auf oder besteht ein unerfüllter Kinderwunsch, sollte an eine Endometriose gedacht und eine gynäkologische Abklärung empfohlen werden. Da Ausmaß der Erkrankung und Beschwerdestärke nicht zwangsläufig miteinander zusammenhängen, sollte eine Endometriose jedoch auch bei weniger ausgeprägten Beschwerden oder asymptomatischen Verläufen, beispielsweise im Rahmen einer Kinderwunschabklärung, in Betracht gezogen werden.
Dem Barmer-Arztreport zufolge sind Frauen mit Endometriose außerdem überdurchschnittlich häufig von weiteren gesundheitlichen Beschwerden betroffen. Besonders oft werden Bauch- und Beckenschmerzen festgestellt, etwa doppelt so häufig wie bei Frauen gleichen Alters ohne Endometriose. Auch Migräne und Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems treten häufiger auf. Darüber hinaus können psychische Belastungen wie depressive Episoden und Angststörungen mit der Erkrankung einhergehen.

Diagnostik der Endometriose
Die Diagnostik der Endometriose basiert auf einer sorgfältigen endometriose-spezifischen Anamnese, der gynäkologischen Untersuchung sowie einer gezielten Bildgebung. Bei Verdacht auf Endometriose empfiehlt die aktuelle S2k-Leitlinie die transvaginale Sonographie (TVS) als primäres bildgebendes Verfahren. Bietet sie keine ausreichende diagnostische Sicherheit, kann ergänzend eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Beckens sinnvoll sein.
Eine endgültige Sicherung der Verdachtsdiagnose ist nur durch den histologischen Nachweis anhand einer Gewebeprobe möglich. Da hierfür eine Operation erforderlich wäre, ist eine histologische Sicherung jedoch nicht in jeder Situation sinnvoll oder notwendig. Aufgrund der Weiterentwicklung der Bildgebung kann die Diagnose mit Ausnahme der peritonealen Endometriose mittels Sonographie oder MRT ausreichend zuverlässig gestellt werden.
Welche Rolle spielt die transvaginale Sonographie?
Gemeinsam mit Anamnese und gynäkologischer Untersuchung ermöglicht eine gezielte TVS eine Einschätzung des Ausmaßes einer Endometriose oder Adenomyose. Untersucht werden können unter anderem eine ovarielle oder tiefe Endometriose sowie eine Adenomyose. Auch eine mögliche Beteiligung des Darms oder Hinweise auf Verwachsungen im Bereich des Douglasraums können sonographisch beurteilt werden.
Entscheidend ist, dass gezielt nach Zeichen einer Endometriose oder Adenomyose gesucht und die Untersuchung entsprechend durchgeführt wird. Die Aussagekraft hängt daher auch von der Erfahrung der Untersuchenden ab. Eine wesentliche Grenze der Sonographie stellen oberflächliche peritoneale Endometrioseherde dar.
Ein unauffälliger Ultraschallbefund schließt eine Endometriose daher nicht aus. Bestehen typische Beschwerden trotz unauffälliger Vorbefunde fort, kann eine erneute Abklärung in einer endometrioseerfahrenen Praxis oder Klinik sinnvoll sein.
Durch die verbesserte diagnostische Genauigkeit der nicht-invasiven Bildgebung ist eine Laparoskopie mit histologischer Sicherung heute nicht mehr in jedem Fall Voraussetzung für die Diagnose und Einleitung einer Therapie. Bei typischer Symptomatik und entsprechenden klinischen oder bildgebenden Befunden kann die weitere Behandlung auch ohne vorherige operative Diagnosesicherung erfolgen.
Die Laparoskopie bleibt jedoch in bestimmten Situationen diagnostisch und therapeutisch relevant. Dies kann beispielsweise bei anhaltenden Beschwerden und unklaren Befunden sowie bei bestimmten Fragestellungen im Zusammenhang mit einem unerfüllten Kinderwunsch der Fall sein.
Zur standardisierten Beschreibung von Lokalisation und Ausdehnung einer Endometriose empfiehlt die Leitlinie die #Enzian-Klassifikation. Sie kann auf Befunden aus Ultraschall, MRT und Operation basieren und unterstützt damit unter anderem die Befunddokumentation, interdisziplinäre Kommunikation sowie die Therapie- und Operationsplanung.
Erste Hinweise auf eine frühere Diagnosestellung
Aktuelle Daten des Barmer-Arztreports zeigen, dass in Deutschland heute deutlich mehr Frauen die Diagnose Endometriose erhalten als noch vor 20 Jahren. Dies wird nicht als Hinweis auf eine Zunahme der Erkrankung gewertet, sondern vor allem auf ein gestiegenes Bewusstsein und Fortschritte in der Diagnostik zurückgeführt. Gleichzeitig erfolgt die Erstdiagnose heute im Durchschnitt in einem jüngeren Alter. Die Autorinnen und Autoren des Reports sehen darin einen wichtigen Schritt hin zu einer früheren Diagnosestellung und einer passgenaueren Versorgung – gehen jedoch weiterhin von einer relevanten Unterdiagnose aus.
Endometriose und Kinderwunsch
Bei einem erheblichen Teil der Betroffenen wird die Endometriose erst im Rahmen einer Kinderwunschabklärung diagnostiziert. Die genauen Mechanismen, durch die Endometriose die Fertilität beeinträchtigen kann, sind bislang nicht vollständig geklärt. Diskutiert werden unter anderem entzündungsbedingte Veränderungen der Eierstock- und Eileiterfunktion, Verwachsungen, die den Transport der Eizelle erschweren können, Veränderungen der Eizellqualität sowie Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut, die die Einnistung einer befruchteten Eizelle beeinträchtigen können. Auch bei durchgängigen Eileitern kann die Fertilität eingeschränkt sein.
Endometriose kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen, schließt eine Schwangerschaft jedoch nicht aus. Die Behandlung bei bestehendem Kinderwunsch richtet sich nach der individuellen Situation und berücksichtigt sowohl die Ausprägung der Erkrankung als auch weitere Einflussfaktoren auf die Fertilität.
Die operative Entfernung von Endometrioseherden kann die Fertilität verbessern und die Chancen auf eine Schwangerschaft erhöhen. Ob und in welchem Umfang eine operative Behandlung sinnvoll ist, sollte jedoch individuell unter Berücksichtigung der Endometrioseform, der Beschwerden, des Alters, der ovariellen Reserve sowie eines bestehenden Kinderwunsches entschieden werden.
Hormonelle Therapien können Endometriosebeschwerden wirksam lindern. Bei bestehendem Kinderwunsch werden sie für den Schwangerschaftsversuch in der Regel beendet. Eine alleinige hormonelle Therapie verbessert die Schwangerschaftschancen nach dem Absetzen nach bisheriger Evidenz nicht und wird daher nicht mit dem Ziel eingesetzt, die Fertilität zu steigern.
Besteht zusätzlich der Verdacht auf eine Adenomyose, sollte diese im Rahmen der Kinderwunschabklärung berücksichtigt werden. Eine Adenomyose kann die Chancen auf eine Schwangerschaft sowie den weiteren Schwangerschaftsverlauf ungünstig beeinflussen und sollte daher in die weitere Behandlungsplanung einbezogen werden.
Gut zu wissen
Die Adenomyose ist eine eigenständige Erkrankung, bei der endometriumähnliches Gewebe in die Muskelschicht der Gebärmutter (Myometrium) einwächst. Sie tritt häufig gemeinsam mit einer Endometriose auf und kann ähnliche Beschwerden verursachen, insbesondere krampfartige Regelschmerzen sowie sehr starke und verlängerte Menstruationsblutungen, bei denen auch größere Koagel abgehen können.
Behandlung der Endometriose
Endometriose ist eine chronische Erkrankung, die derzeit nicht heilbar ist. Ziel der Behandlung ist es, endometriosebedingte Beschwerden zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern sowie funktionelle Einschränkungen und mögliche Organschäden zu vermeiden. Die Therapie wird individuell an die Beschwerden, die Endometrioseform und -ausprägung, das Alter, einen bestehenden Kinderwunsch sowie die Präferenzen und Lebenssituation der Betroffenen angepasst. Je nach individueller Situation kommen hormonelle und schmerzlindernde Medikamente, operative Verfahren sowie unterstützende nicht-medikamentöse Maßnahmen einzeln oder in Kombination zum Einsatz.
Hormonelle Therapie
Östrogen spielt eine zentrale Rolle bei der Endometriose und fördert Wachstum und Aktivität der Endometrioseherde. Das Grundprinzip der hormonellen Therapie besteht daher darin, die Östrogenwirkung beziehungsweise den Östrogenspiegel zu senken und möglichst eine Amenorrhoe zu erreichen. Eine langfristige, kontinuierliche Behandlung kann Endometriose-assoziierte Schmerzen und Blutungsbeschwerden reduzieren und nach einer Operation dazu beitragen, das Wiederauftreten der Erkrankung hinauszuzögern. Bei einer Adenomyose ist eine therapeutische Amenorrhoe für eine wirksame Linderung der Beschwerden von besonderer Bedeutung.
Zum Einsatz kommen insbesondere Gestagene wie Dienogest sowie GnRH-Antagonisten und GnRH-Agonisten. Darüber hinaus können kombinierte orale Kontrazeptiva (KOK) und weitere Gestagene, auch in anderen Applikationsformen wie einem gestagenhaltigen Intrauterinsystem oder Vaginalring, eingesetzt werden. Nicht alle dieser Therapieoptionen sind für die Behandlung der Endometriose zugelassen und können daher einen Off-Label-Use darstellen.
Eine Besonderheit stellt Dydrogesteron dar: Bei Kinderwunsch kann es zyklisch eingesetzt werden, da es den Eisprung nicht hemmt und somit eine Schwangerschaft grundsätzlich möglich bleibt. Bei GnRH-Therapien kann je nach Wirkstoff und Dosierung eine begleitende Add-back-Therapie erforderlich sein. Welche hormonelle Therapie gewählt wird, richtet sich unter anderem nach den Beschwerden, vorausgegangenen Therapien, möglichen Nebenwirkungen und der individuellen Lebenssituation der Patientin.
Was bedeutet Add-back-Therapie?
Bei einer Add-back-Therapie werden während einer Behandlung mit GnRH-Agonisten oder bestimmten GnRH-Antagonisten geringe Mengen von Östrogenen und/oder Gestagenen zusätzlich gegeben. Ziel ist es, Nebenwirkungen des Östrogenmangels – beispielsweise Hitzewallungen, Schlafstörungen oder einen Verlust der Knochendichte – zu vermindern, ohne die Wirksamkeit der Endometriosebehandlung wesentlich zu beeinträchtigen.
Eine operative Behandlung kann insbesondere bei ausgeprägten Beschwerden, Organbeteiligung oder unzureichendem Ansprechen auf eine medikamentöse Therapie erforderlich sein. Ziel ist es, Endometrioseherde möglichst vollständig zu entfernen und gleichzeitig gesundes Gewebe und die Organfunktion zu erhalten.
Wenn eine Operation erforderlich ist, wird in der Regel ein laparoskopisches Vorgehen angestrebt. Gegenüber einer offenen Operation (Laparotomie) ist die Laparoskopie mit einer kürzeren Operationszeit, einem geringeren Blutverlust, einem kürzeren Krankenhausaufenthalt und kleineren Hautschnitten verbunden.
Auch bei bestehendem Kinderwunsch kann eine operative Behandlung eine Rolle spielen. Die Entfernung von Endometrioseherden kann die Fertilität verbessern; besonders gut belegt ist dies für die peritoneale Endometriose. Ob eine Operation empfehlenswert ist, muss jedoch individuell unter Berücksichtigung der Endometrioseform und der jeweiligen Situation entschieden werden.
Ernährung und Nahrungsergänzungsmittel
Patientinnen mit Endometriose sollte eine gesunde, vitamin- und ballaststoffreiche Ernährung empfohlen werden. Spezielle Diäten oder der Verzicht auf bestimmte Lebensmittel sind ohne entsprechende Indikation, beispielsweise eine Nahrungsmittelunverträglichkeit, nicht angezeigt. Für den Einfluss bestimmter Ernährungsformen auf endometriosebedingte Schmerzen ist die Datenlage bislang begrenzt.
Auch verschiedene Nahrungsergänzungsmittel und pflanzliche Präparate wurden zur Linderung von Dysmenorrhoe und Endometriose-Beschwerden untersucht. Positive Daten zur Schmerzreduktion liegen unter anderem für Omega-3-Fettsäuren, Vitamin E sowie Kombinationen aus Vitamin E und C vor.
Die Leitlinie empfiehlt ein interdisziplinäres, multimodales Behandlungskonzept. Regelmäßige körperliche Bewegung sollte unabhängig von der Intensität empfohlen werden, um Menstruationsschmerzen zu lindern – beispielsweise aerobes Training, Yoga oder Dehnübungen. Abhängig von der individuellen Symptomatik sollte auch Physiotherapie in das Behandlungskonzept einbezogen werden. Zur Linderung von Menstruationsschmerzen können zudem progressive Muskelrelaxation und selbst angewendete Unterbauchmassagen erwogen werden. Bei chronischen Endometriose-Schmerzen kann auch eine transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) erwogen werden. Ergänzend können psychotherapeutische Unterstützung und sexualmedizinische Beratung sinnvoll sein. Ein weiterer Bestandteil des multimodalen Behandlungskonzepts ist eine individuell angepasste medikamentöse Schmerztherapie.
Schmerztherapie
Bei endometrioseassoziierten Schmerzen können unterschiedliche Schmerzmechanismen eine Rolle spielen. Die medikamentöse Behandlung richtet sich daher nach Intensität, Lokalisation und Charakter der Beschwerden sowie dem zugrunde liegenden Schmerzmechanismus.
| Schmerzmechanismus | Wie kann sich der Schmerz äußern? | Mögliche medikamentöse Therapie* |
|---|---|---|
| Nozizeptiv | z. B. ziehend, drückend oder krampfartig; etwa bei tiefer Endometriose | Nichtopioidanalgetika, insbesondere NSAR; weitere Optionen sind Metamizol oder Paracetamol; in ausgewählten Fällen Opioide |
| Neuropathisch | z. B. brennend, elektrisierend oder einschießend; ggf. mit Kribbeln, Taubheitsgefühl oder Überempfindlichkeit | Trizyklische Antidepressiva, SNRI, Antikonvulsiva sowie in ausgewählten Fällen cannabisbasierte Arzneimittel |
| Noziplastisch | länger anhaltende, teils diffuse Schmerzen bei veränderter Schmerzverarbeitung | Trizyklische Antidepressiva, SNRI, Antikonvulsiva sowie in ausgewählten Fällen cannabisbasierte Arzneimittel |
* Die Schmerzmechanismen können sich überschneiden. Welcher Schmerzmechanismus im Vordergrund steht, wird anhand der Schmerzanamnese und weiterer Befunde ärztlich beurteilt. Die beschriebenen Schmerzmerkmale können PTA als Orientierung im Beratungsgespräch dienen. Die Zuordnung der einzelnen Medikamentenklassen zu den verschiedenen Schmerzmechanismen basiert laut Leitlinie auf den Erfahrungen der Autorinnen und Autoren.
Zur symptomatischen Behandlung Endometriose-assoziierter Schmerzen können Analgetika eingesetzt werden. Bei chronischen Beschwerden können unterschiedliche Schmerzmechanismen beteiligt sein. Die medikamentöse Schmerztherapie sollte daher an den jeweils zugrunde liegenden Schmerzmechanismus angepasst werden. Liegt eine chronische Schmerzstörung vor, empfiehlt die Leitlinie eine interdisziplinäre multimodale Schmerztherapie.
Für die Apotheke wichtig
Antidepressiva und Antikonvulsiva können bei chronischen Schmerzen aufgrund ihrer schmerzmodulierenden Wirkung eingesetzt werden. Ihr Einsatz bedeutet nicht, dass die Beschwerden psychisch bedingt sind.
PTA-Tipp: Bei krampfartigen Schmerzen gezielt nachfragen
Beschreiben Patientinnen ihre Menstruationsschmerzen als krampfartig, wellenförmig oder ziehend, kann in der Selbstmedikation auch eine Spasmolyse mit Butylscopolamin infrage kommen. Wiederkehrende oder ungewöhnlich starke Menstruationsbeschwerden sollten jedoch nicht dauerhaft ausschließlich symptomatisch behandelt werden. Gerade die wiederholte Nachfrage nach Analgetika oder Spasmolytika bietet PTA die Möglichkeit, nach Dauer, Häufigkeit und Stärke der Beschwerden zu fragen und bei auffälligen Beschwerden zu einer gynäkologischen Abklärung zu raten.
Psychische Belastung
Psychische Begleiterkrankungen und psychosoziale Belastungen sollten frühzeitig erkannt und bei Bedarf berücksichtigt werden. Endometriose kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und ist unter anderem mit Depressionen, Angsterkrankungen und Essstörungen assoziiert. Chronische Schmerzen, die häufig lange Diagnoseverzögerung, Einschränkungen im Alltag sowie ein unerfüllter Kinderwunsch können zu einer erheblichen psychischen Belastung beitragen und Depressionen, Ängste oder anhaltendes Grübeln (Rumination) begünstigen. Die Leitlinie empfiehlt daher bei Patientinnen mit Endometriose im Rahmen der gynäkologischen psychosomatischen Grundversorgung auch eine Untersuchung auf Angst und Depression.
Je nach individueller Situation können eine psychosoziale Beratung der Endometriose-Vereinigung sowie Angebote von Selbsthilfegruppen eine wichtige Ergänzung der Behandlung sein.
Wenn Betroffene jahrelang nicht ernst genommen werden
Gerade hier kann die Apotheke einen wichtigen Unterschied machen. PTA können Endometriose oder Adenomyose nicht diagnostizieren. Sie können aber zuhören, Beschwerden ernst nehmen und Betroffenen vermitteln, dass ihre Erfahrungen und Einschränkungen wahrgenommen werden.
Denn hinter der oft jahrelangen Suche nach einer Diagnose stehen nicht nur Schmerzen und andere körperliche Beschwerden. Viele Betroffene berichten, dass ihre Beschwerden über lange Zeit bagatellisiert oder als normale Regelschmerzen abgetan wurden – teilweise begleitet von wenig einfühlsamen oder herablassenden Bemerkungen. Solche Erfahrungen können verunsichern und dazu führen, dass Betroffene ihre eigene Wahrnehmung zunehmend infrage stellen und die Bedeutung ihrer Beschwerden selbst unterschätzen.
In der Beratung lohnt es sich deshalb, nicht nur nach Regelschmerzen zu fragen, sondern danach, was die Beschwerden für den Alltag bedeuten: Kann die Patientin während ihrer Menstruation arbeiten oder zur Schule gehen? Muss sie ihren Alltag nach der Verfügbarkeit einer Toilette ausrichten? Wie häufig muss sie Menstruationsprodukte wechseln? Benötigt sie regelmäßig Schmerzmittel? Solche Fragen helfen, das tatsächliche Ausmaß der Belastung sichtbar zu machen – ohne die Erfahrungen der Patientin zu bewerten oder zu relativieren.
PTA können damit etwas leisten, das nach wiederholten negativen Erfahrungen besonders wichtig sein kann: aufmerksam zuhören, das Erlebte nicht infrage stellen und die Beschwerden ernst nehmen. Auch der Hinweis, dass andere Betroffene ähnliche Erfahrungen gemacht haben und Unterstützung verfügbar ist, kann entlasten.
Orientierung und Unterstützung in der Apothekenberatung
Bei der Suche nach geeigneten Anlaufstellen kann die Apotheke konkret unterstützen. Die Endometriose-Vereinigung Deutschland bietet eine bundesweite Übersicht über zertifizierte Einrichtungen sowie von Betroffenen empfohlene Praxen und Kliniken. Darüber hinaus stehen Betroffenen und Angehörigen kostenfreie psychosoziale Beratungsangebote sowie eine Beratung zu Endometriose und Kinderwunsch zur Verfügung. Ein Hinweis auf diese Angebote kann die medizinische Versorgung sinnvoll ergänzen.
Da Endometriose bereits in jungen Jahren auftreten kann, kann außerdem auf „Jung und Endo“, ein Angebot der Endometriose-Vereinigung Deutschland e. V., hingewiesen werden. Es richtet sich speziell an Jugendliche und junge Erwachsene und kann beispielsweise für junge Kundinnen mit starken Regelschmerzen eine hilfreiche Anlaufstelle sein.
Auch digitale Angebote können das Selbstmanagement im Alltag unterstützen. Die Endo-App ist eine im DiGA-Verzeichnis des BfArM gelistete digitale Gesundheitsanwendung für Frauen mit Endometriose. Sie bietet unter anderem ein Symptomtagebuch sowie Informationen, Übungen und praktische Strategien zu Themen wie Schmerzen, Bewegung, Entspannung und Ernährung und ist als Ergänzung zur medizinischen Behandlung vorgesehen. Die App kann ärztlich oder psychotherapeutisch verordnet werden; für gesetzlich Versicherte werden die Kosten von der Krankenkasse übernommen.
Die Apotheke kann die verlorenen Jahre bis zur Diagnose nicht zurückgeben. Aber sie kann dazu beitragen, dass Betroffene mit ihren Beschwerden nicht erneut alleinbleiben.
Wann sollte eine gynäkologische Abklärung empfohlen werden?
PTA sind häufig eine der ersten Anlaufstellen für Frauen mit wiederkehrenden Menstruationsbeschwerden. Ein aufmerksames Beratungsgespräch kann dazu beitragen, mögliche Warnsignale zu erkennen und Betroffene zu einer gynäkologischen Abklärung zu ermutigen. Eine gynäkologische Abklärung ist insbesondere zu empfehlen, wenn:
- Menstruationsschmerzen über mehrere Zyklen hinweg zunehmen oder sich verändern,
- NSAR oder andere analgetische Maßnahmen keine ausreichende Linderung verschaffen,
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, beim Stuhlgang oder Wasserlassen auftreten, insbesondere wenn sie zyklusabhängig sind,
- chronische oder wiederkehrende Beckenschmerzen bestehen,
- sehr starke Blutungen, ein Eisenmangel oder eine Anämie vorliegen,
- ein unerfüllter Kinderwunsch ohne erkennbare andere Ursache vorliegt oder
- die Beschwerden zu wiederholten Fehlzeiten in Schule, Ausbildung oder Beruf oder zu einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität führen.
Praxis-Tipp
Nicht jede Endometriose oder Adenomyose geht mit Schmerzen einher. Insbesondere bei einer Adenomyose können starke Menstruationsblutungen, Eisenmangel oder eine Eisenmangelanämie im Vordergrund stehen. Auch diese Beschwerden sollten Anlass für eine gynäkologische Abklärung sein.
PTA-Wissen kompakt:
- Endometriose erkennen: Starke oder zunehmende Menstruationsschmerzen sind ein wichtiges Leitsymptom. Auch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, zyklusabhängige Darm- oder Blasenbeschwerden, chronische Beckenschmerzen, Fatigue und ein unerfüllter Kinderwunsch können auf eine Endometriose hinweisen.
- Beschwerden richtig einordnen: Die Stärke der Beschwerden lässt keinen Rückschluss auf das Ausmaß der Erkrankung zu. Endometriose kann starke Beschwerden verursachen, aber auch weitgehend symptomlos verlaufen.
- Diagnostik verstehen: Die transvaginale Sonographie ist das primäre bildgebende Verfahren. Ein unauffälliger Ultraschall schließt eine Endometriose jedoch nicht aus. Bei anhaltenden typischen Beschwerden kann eine gezielte Abklärung in einer endometrioseerfahrenen Praxis oder Klinik sinnvoll sein.
- Therapie individuell begleiten: Die Behandlung richtet sich nach Beschwerden, Form und Ausprägung der Endometriose, Lebenssituation und Kinderwunsch. Hormonelle und operative Therapien sowie unterstützende nicht-medikamentöse Maßnahmen können einzeln oder kombiniert eingesetzt werden.
- In der Apotheke aufmerksam werden: Wiederholte Analgetikawünsche, zunehmende Menstruationsbeschwerden oder deutliche Einschränkungen im Alltag bieten Anlass, gezielt nachzufragen. PTA können Beschwerden ernst nehmen, Orientierung geben und bei Bedarf zu einer gynäkologischen beziehungsweise spezialisierten Abklärung ermutigen.
Hinweis: Wir danken der Endometriose-Vereinigung Deutschland e. V. für die Zusammenstellung weiterführender Informations- und Unterstützungsangebote für Betroffene.
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