Diabetes in der Schwangerschaft
Schwangerschaftsdiabetes – auch Gestationsdiabetes genannt – gehört zu den häufigsten Stoffwechselstörungen während der Schwangerschaft und wirft bei betroffenen Frauen viele Fragen und Unsicherheiten auf. Eine verständliche, einfühlsame und gut strukturierte Beratung ist daher besonders wichtig, um die Gesundheit von Mutter und Kind bestmöglich zu unterstützen.
Dieser Beitrag richtet sich direkt an Frauen mit Gestationsdiabetes und bietet verständliche, praxisnahe Informationen zur Unterstützung im Alltag. Verfasst von Apothekerin Annika Paulsen, vermittelt er Orientierung und Sicherheit und unterstreicht die Apotheke als vertrauensvolle Anlaufstelle bei Fragen rund um den Schwangerschaftsdiabetes.

Schwangerschaftsdiabetes
Schwangerschaftsdiabetes, auch bekannt als Gestationsdiabetes, ist eine Form des Diabetes, die während der Schwangerschaft auftritt und die Gesundheit von Mutter und Kind beeinflussen kann. Obwohl der Name etwas Süßes suggeriert, wie der „honigsüße Durchfluss“ des Diabetes mellitus, verbirgt sich dahinter eine ernsthafte Stoffwechselstörung, die eine vermehrte Ausscheidung von Zucker mit dem Urin zur Folge hat. Diese Erkrankung, die zu den häufigsten schwangerschaftsbegleitenden Erkrankungen zählt, erfordert Aufmerksamkeit und Fürsorge, um die besondere Zeit der Schwangerschaft unbeschwert genießen zu können.
Was genau ist ein Schwangerschaftsdiabetes?
„Honigsüßer Durchfluss“ – so lautet die Übersetzung des Diabetes mellitus. Da stelle ich mir immer vor, wie glänzender Honig ruhig und andächtig durch meine Finger rinnt. Das klingt eigentlich ganz nett. Allerdings beschreibt diese Übersetzung anschaulich das Hauptsymptom des Diabetes, nämlich die vermehrte Ausscheidung des süßen Zuckers mit dem Urin. Es handelt sich um eine Störung im Zuckerstoffwechsel. Wird dies zum ersten Mal während einer Schwangerschaft diagnostiziert, spricht man von Schwangerschaftsdiabetes oder auch Gestationsdiabetes mellitus (GDM).
Weil die Stoffwechselstörung eine der häufigsten schwangerschaftsbegleitenden Erkrankungen ist, ist es wichtig zu wissen, wie Sie die ersten Symptome früh erkennen können. Denn mit der heutigen Erfahrung im Bereich der Diagnostik, Behandlung und unterstützenden Maßnahmen, können die besonderen Monate der Schwangerschaft trotz Schwangerschaftsdiabetes ganz unkompliziert verlaufen. Doch ein Schwangerschaftsdiabetes erfordert Aufmerksamkeit und Fürsorge.
Der Schwangerschaftsdiabetes ist eine Störung des Blutzuckerstoffwechsels (Glukosetoleranzstörung), der erstmals während der Schwangerschaft diagnostiziert wurde. Er wird auch als Gestationsdiabetes mellitus und manchmal als Typ-4-Diabetes bezeichnet. Es handelt sich um eine Sonderform des Diabetes, die glücklicherweise oftmals nach der Schwangerschaft auch wieder verschwindet. In Deutschland sind etwa 5 % aller Schwangeren vom Gestationsdiabetes betroffen.1
Wie bei anderen Diabetes-Typen ist die Erkrankung durch hohe Blutzuckerwerte gekennzeichnet, die mit einem speziellen Blutzuckerbelastungstest bestimmt werden. Da die Stoffwechselstörung bei vielen Frauen nur wenige oder gar keine Beschwerden verursacht, ist ein Blutzuckerbelastungstest zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche vorgesehen, um einen Diabetes frühzeitig zu erkennen und mit Umstellung der Lebensgewohnheiten oder gegebenenfalls Insulin entgegenzusteuern. Wenn die Blutzuckerwerte gut eingestellt sind, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass Mutter und Kind problemlos durch die Schwangerschaft kommen.
Welche Ursachen hat der Schwangerschaftsdiabetes?
Die Ursachen des Schwangerschaftsdiabetes entsprechen zum großen Teil denen des Typ-2-Diabetes, d.h. neben einer genetischen Veranlagung begünstigen vor allem Übergewicht und der Lebensstil (Ernährung und Bewegung) die Entstehung dieser Stoffwechselstörung.
Wie genau die Mechanismen ablaufen, die zum Schwangerschaftsdiabetes führen, ist noch nicht bis ins letzte Detail geklärt. Bekannt ist aber, dass dem Schwangerschaftsdiabetes eine Insulinresistenz zugrunde liegt. Das bedeutet, dass die Wirkung des Hormons Insulin vermindert ist.
Insulin wird in den Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse produziert und ist verantwortlich dafür, dass Körperzellen Zucker (Glukose) aus dem Blut aufnehmen. Dadurch werden die Zellen mit Energie versorgt und die Konzentration an Glukose im Blut sinkt. Bei einer Insulinresistenz funktioniert dies nur unzureichend, sodass der Blutzuckerwert ansteigt.
Wieso tritt eine Insulinresistenz in der Schwangerschaft auf?
Eine Schwangerschaft geht mit großen hormonellen Veränderungen einher. Vor allem ab der 20. Schwangerschaftswoche werden vermehrt Hormone, wie Progesteron, Östrogene, Kortisol und Prolaktin gebildet. Diese Hormone schwächen die Wirkung des körpereigenen Insulins ab (physiologische Insulinresistenz). Gesunde Frauen produzieren dann in der Schwangerschaft mehr Insulin, um den höheren Blutzuckerspiegel zu senken.
Wenn aber bereits vor der Schwangerschaft unbekannterweise eine verringerte Insulinsensivität vorliegt, d.h. die Zellen sprechen nicht so gut auf Insulin an und benötigen mehr davon, dann ist die Bauchspeicheldrüse in der Schwangerschaft mit der nochmals erhöhten Insulinproduktion überfordert. So kann der Blutzuckerspiegel aus eigener Kraft nicht mehr effektiv gesenkt werden.
Symptome eines möglichen Schwangerschaftsdiabetes
Das Tückische am Schwangerschaftsdiabetes ist, dass er häufig gar keine oder nur unspezifische Symptome verursacht. Während beim Diabetes mellitus eher die klassischen Beschwerden, wie starker Durst oder erhöhter Harndrang auftreten, muss man beim Gestationsdiabetes manchmal schon genauer hinsehen, um ihn zu erkennen.
Symptome des Schwangerschaftsdiabetes:
- Harnwegsinfekte
- Pilzinfektionen
- Zucker im Urin (Glucosurie)
- Gesteigerte Fruchtwassermenge (Polyhydramnion)
- Übermäßiges Gewicht oder Größe des Kindes (Makrosomie)
- Bluthochdruck
Frühe Anzeichen können entweder vollständig ausbleiben oder beispielsweise wiederkehrende Harnwegsinfekte und Vaginalpilzinfektionen sein.
Zucker gehört normalerweise nicht in den Urin. Ist er dennoch durch den Diabetes dort vorhanden, bietet er gemeinsam mit einer eingeschränkten Blasenentleerung ein warmes und nahrhaftes Angebot für Bakterien und Pilze. Die Blasenentzündung lässt dann nicht mehr lange auf sich warten. Pilze, z. B. Candida albicans, brauchen Zuckerbestandteile, um sich zu vermehren. Das tun sie gern auf Schleimhäuten und können so Vaginalpilzinfektionen auslösen.
Im weiteren Verlauf der Schwangerschaft fällt bei der Ultraschalluntersuchung manchmal eine erhöhte Fruchtwassermenge und Wachstumsstörungen des Ungeborenen auf. Das Zuviel an Zucker im Organismus der Mutter führt auch beim Kind zu einer verstärkten Insulinproduktion, was wiederum dessen Wachstum anregt. Das Kind versucht zudem, den Zucker loszuwerden, indem es öfter uriniert. Das ist die Ursache für zu viel Fruchtwasser.
Schwangere Frauen mit Diabetes haben außerdem ein höheres Risiko, Bluthochdruck zu entwickeln. Sollten Sie selbst oder Ihr Arzt diese Symptome bemerken, muss unbedingt an Schwangerschaftsdiabetes als Auslöser gedacht werden und Untersuchungen folgen.
Mögliche Folgen des Schwangerschaftsdiabetes für Mutter und Kind
Die Blutzuckerwerte in der Schwangerschaft müssen unbedingt regelmäßig durch Blutzuckermessungen überwacht und gut eingestellt sein. Ist der Blutzuckerwert außerhalb des Normbereichs, hat das oft negative Auswirkungen auf Mutter und Kind. Es kann sowohl zu akuten als auch zu Langzeitfolgen führen. Ein unbehandelter oder schlecht eingestellter Gestationsdiabetes ist also gefährlich für das Ungeborene und die Mutter.
Folgen & Risiken eines Schwangerschaftsdiabetes:
- Übermäßiges Wachstum (Makrosomie)
- Unreife
- Neugeborenengelbsucht
- Unterzuckerung und Atemnotsyndrom nach der Geburt
- Fehlbildungen
- Erhöhtes Risiko für Diabetes mellitus, Übergewicht und Bluthochdruck
Über die Nabelschnur wird der überschüssige Zucker in den Kreislauf des Kindes weitergeleitet und löst damit eine übermäßige Insulinfreisetzung aus. Dadurch nimmt das Kind an Größe und Gewicht zu (Makrosomie) bei gleichzeitiger Unreife. Zum Beispiel kann die Ausbildung der Lunge gestört sein, sodass es nach der Geburt zum Atemnotsyndrom kommen kann. Es besteht auch das Risiko von Fehlbildungen an Organen, Neugeborenengelbsucht und Unterzuckerung nach der Geburt. Aus diesen Gründen werden die Babys von erfahrenen Ärzten und Pflegepersonal besonders überwacht und untersucht. Im schlimmsten Fall wird der Mutterkuchen nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt, wodurch der Fetus nicht mehr am Leben gehalten werden kann.
Welche Spätfolgen können beim Kind auftreten?
Es hat sich gezeigt, dass Kinder von Müttern mit Schwangerschaftsdiabetes im Laufe ihres Lebens häufiger zu Übergewicht, Diabetes mellitus und Bluthochdruck neigen, als Kinder von Frauen ohne Blutzuckerstörung in der Schwangerschaft.
Welche Folgen sind bei der Mutter möglich?
Hohe Blutzuckerwerte können auch bei der Mutter und bei der Geburt vielfältige Probleme mit sich bringen:
- Harnwegsinfekte
- Pilzinfektionen und Scheidenentzündungen
- Bluthochdruck
- Präeklampsie („Schwangerschaftsvergiftung“)
- Fruchtwassersucht
- Frühgeburt
- Geburtskomplikationen
- Diabetes mellitus Typ 2
Frauen mit Gestationsdiabetes sind anfälliger für Harnwegsinfekte und Pilzinfektionen. Sie tragen ein Risiko für Bluthochdruck und Präeklampsie („Schwangerschaftsvergiftung“), was die Schwangerschaft und das Wochenbett komplizieren kann. Wegen der größeren Menge an Fruchtwasser, kann es passieren, dass der Blasensprung vorzeitig ausgelöst wird. Die Geburt selbst kann auch mit Komplikationen verbunden sein, denn aufgrund der Kindsgröße ist es möglich, dass die Schulter im Becken hängenbleibt und das Kind nicht genügend mit Sauerstoff versorgt wird. Daher wird oft im Vorfeld schon beschlossen, einen Kaiserschnitt zu machen.
Bei etwa 35-60 % der Frauen, die an Schwangerschaftsdiabetes erkrankt waren, entwickelt sich innerhalb von 10 Jahren ein Diabetes mellitus Typ 2.1 Deshalb ist es so wichtig, auch nach der Geburt weiterhin auf gesunde Ernährung und Bewegung zu achten, um dies zu verhindern.
Risikofaktoren für einen Schwangerschaftsdiabetes
Bereits bei der Feststellung der Schwangerschaft sollte Ihre Ärztin abklären, ob Ihr Diabetes-Risiko erhöht ist.
Risikofaktoren:
- Übergewicht (BMI über 25,0 kg/m2)
- Höheres Alter (ab etwa 30 Jahren)
- Familiäres Auftreten von Diabetes mellitus Typ 2
- Schwangerschaftsdiabetes in einer vorherigen Schwangerschaft
- Geburt eines Kindes mit hohem Geburtsgewicht (über 4500 g)
- Polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS)
- Einige Medikamente mit Einfluss auf den Zuckerstoffwechsel, z.B. Glukokortikoide („Kortison“) oder Betablocker (Blutdrucksenker)
Auf viele Faktoren, wie familiäre Veranlagung oder Vorerkrankungen, haben wir keinen Einfluss. Was aber in Ihrer Hand liegt, ist eine gesunde Ernährung und ein gutes Körpergewicht, um das Risiko zu senken.
Wie läuft ein Zuckertest in der Schwangerschaft ab?
Falls Sie ein erhöhtes Risiko für Diabetes mellitus haben, wird bereits zu Beginn der Schwangerschaft eine Blutentnahme zur Abklärung einer Zuckerstoffwechselstörung durchgeführt. Andernfalls ist laut Mutterschaftsrichtlinien in der Zeit zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche ein Zuckerbelastungstest (Glukosetoleranztest) vorgesehen.
Dabei wird zunächst ein „kleiner“ Test (50-g-Suchtest) gemacht. Sollte dieser Auffälligkeiten zeigen, muss eine zweite Untersuchung, der „große“ Zuckertest (oraler Glukosetoleranztest = oGTT), stattfinden.
In der Antike und bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts stellten Ärzte die Diabetes-Diagnose noch durch eine Geschmacksprobe des Urins fest. Heute muss aber keiner mehr süßen Urin probieren. Kleine Mengen Blut aus der Vene und ein geeignetes Messgerät reichen aus.
Wie läuft der „kleine“ Zuckertest (50-g-Suchtest) ab?
Vor dem kleinen Zuckerbelastungstest sind keinerlei Vorbereitungen zu treffen, der Test wird unabhängig von Tageszeit und Nahrung durchgeführt. Es werden hierfür 50 g Glukose in 200 ml Wasser aufgelöst und getrunken. Nach einer Stunde wird der Blutzuckerwert bestimmt. Ein Ergebnis von mehr als 135 mg/dl (7,5 mmol/l) erfordert eine weitere Überprüfung mittels großem Zuckerbelastungstest. Sollte der 50-g-Suchtest allerdings schon einen Blutzuckerwert von über 200 mg/dl (11,1 mmol/l) anzeigen, wird nicht erneut getestet, weil die Diagnose des Schwangerschaftsdiabetes damit als gesichert gilt.
Wie läuft der „große“ Zuckertest (oraler Glukosetoleranztest =oGTT) ab?
Anders als beim „kleinen“ Test wird der „große“ Zuckerbelastungstest (oGTT) unter Standardbedingungen vollzogen. Die Patientin kommt morgens zwischen 6 und 9 Uhr nüchtern zum Test. Es wird dann erstmal der Nüchternblutzuckerwert bestimmt. Im Anschluss trinkt sie innerhalb von 3-5 Minuten, nicht „auf ex“, 75 g gelöste Glukose in 300 ml Wasser. Nach 60 und nach 120 Minuten werden erneut die Zuckerwerte gemessen.
Erhöhte Blutzuckerwerte in der Schwangerschaft
Ein Schwangerschaftsdiabetes liegt vor, wenn mindestens einer der folgenden Werte im oGTT erreicht ist:
- Nüchtern: > 92 mg/dl (5,1 mmol/l)
- 1-Stunde: ≥ 180 mg/dl (10,0 mmol/l)
- 2-Stunden: > 153 mg/dl (8,5 mmol/l)
Worauf soll beim oGTT unter Standardbedingungen geachtet werden?
- Am Vorabend Nüchternperiode ab 22 Uhr einhalten, mindestens 8 Stunden lang
- Am Morgen vor dem Test keine Einnahme von Medikamenten, die den Blutzuckerspiegel beeinflussen, z. B. Cortisol, L-Thyroxin oder ß-Sympathomimetika
- Testbeginn zwischen 6 und 9 Uhr wegen der tageszeitlichen Abhängigkeit der Glukosetoleranz
- Keine Durchführung während einer akuten Erkrankung, Fieber oder übermäßigem Schwangerschaftserbrechen
- keine außergewöhnliche körperliche Belastung, auch während der Messung nicht Umherlaufen oder Rauchen
Wie wird ein Schwangerschaftsdiabetes behandelt?
Wenn bei Ihnen die Diagnose des Schwangerschaftsdiabetes gestellt wurde, lassen Sie sich zu einer Diabetes-Schwerpunktpraxis überweisen. Dort lernen Sie in einer Schulung, wie Sie mit kleinen Veränderungen in der Ernährung und durch körperliche Aktivität Ihren Blutzuckerspiegel senken können.
Die gute Nachricht ist: 2 von 3 Patientinnen können durch Umstellung ihrer Ess- und Trinkgewohnheiten und zusätzlicher Bewegung ihre Blutzuckerwerte optimal einstellen.2 Ziel ist es, die Blutzuckerwerte in einem idealen Bereich zu halten.
Welche Blutzuckerwerte sind in der Schwangerschaft normal?
Im Rahmen der Behandlung eines Schwangerschaftsdiabetes spricht man in diesem Zusammenhang auch von sogenannten Zielwerten.
| Zeitpunkt | Normaler Blutzuckerwert |
|---|---|
| Nüchternwert | 60-90 mg/dl (3,3-5,0 mmol/l) |
| Nach dem Essen (1 Stunde) | < 140 mg/dl (<7,8 mmol/l) |
| Nach dem Essen (2 Stunden) | < 120 mg/dl (<6,7 mmol/l) |
| Vor dem Schlafengehen | 90-120 mg/dl (5,0-6,6 mmol/l) |
Welcher Blutzuckerwert gut ist, hängt davon ab, wann und ob Nahrung aufgenommen wird. So sollte der Wert eine Stunde nach dem Essen unter 140 mg/dl (<7,8 mmol/l) liegen. Zwei Stunden nach einer Mahlzeit sollte die Konzentration des Blutzuckers auf unter 120 mg/dl (<6,7 mmol/l) gesunken sein. Der Nüchternwert, also vor dem Essen, darf 60-90 mg/dl (3,3-5,0 mmol/l) betragen.
Maßnahmen, die den Blutzucker senken
Zwei Punkte sind entscheidend, um den Blutzuckerwert in den Normbereich zu bringen: Ernährung und Bewegung.
Geeignete und ungeeignete Lebensmittel bei Schwangerschaftsdiabetes
Die Nahrung sollte zu 40-50 % aus Kohlenhydraten, zu 20 % aus Proteinen und zu 30-35 % aus Fett bestehen.6 Sie sollten drei nicht zu große Hauptmahlzeiten und 2-3 kleinere Zwischenmahlzeiten am Tag essen, inklusiver einer Spätmahlzeit.
Konkret bedeutet das, dass Sie mehr Gemüse, ballaststoffreiche Vollkornprodukte und fettarme Milchprodukte zu sich nehmen. Der Verzehr von Süßigkeiten, Weißmehlprodukten oder salzhaltigen Fertiggerichten sollte stark verringert werden. Außerdem muss auf eine ausreichende Vitamin- und Mineralstoffzufuhr geachtet werden. Viel erreichen können Sie auch dadurch, dass Sie Wasser oder ungesüßten Tee trinken anstatt von Säften oder Softdrinks.
| Empfehlenswerte Lebensmittel: | Nur selten verzehren: |
|---|---|
| Vollkornnudeln, Vollkornreis | Weizennudeln, geschälter Reis |
| Wasser, Mineralwasser, ungesüßter Tee | Fruchtsäfte, Softdrinks |
| Magerquark, Hüttenkäse | Sahne, Créme fraiche |
| Hülsenfrüchte (Erbsen, Bohnen, Linsen) | Fertiggerichte, Fastfood |
| Mageres Fleisch (z.B. Pute), Seefisch | Fettes Fleisch, z.B. Rindfleisch oder Schwein |
| Pflanzenöle (Oliven- oder Rapsöl) | Butter, Schmalz |
| Gemüse, Obst | Kuchen, Süßigkeiten |
Ernährungshinweise als Patientenbroschüre des Diabeteszentrums Lüneburger Heide
Wie soll die Bewegungstherapie aussehen?
Eine gute Möglichkeit, den Blutzuckerwert zu senken, ist zügiges Spazierengehen. Mindestens 30 Minuten 2-3 Mal wöchentlich können schon einen großen positiven Effekt haben. Auch viele Sportarten können während der Schwangerschaft fortgesetzt werden, beispielsweise Radfahren, Schwimmen oder Schwangerschaftsyoga, sofern dem gesundheitlich nach Absprache mit Ihrem Arzt nichts im Wege steht.
Wann wird Insulin gespritzt?
Falls die Umstellung der Lebensgewohnheiten nicht den gewünschten Erfolg bringt, folgt eine Behandlung mit Insulin, das gespritzt wird. Blutzuckersenkende Tabletten sind in der Schwangerschaft nicht offiziell zugelassen. Sie werden nur unterstützend als letztes Mittel „off-label“ eingesetzt, wenn sich der Blutzuckerspiegel auf anderem Wege nicht unter Kontrolle bringen lässt.
Welche Nebenwirkungen hat Insulin in der Schwangerschaft?
Insulin ist das einzige Medikament, das zur Behandlung des Schwangerschaftsdiabetes zugelassen ist, weil es sich als sehr sicher und wirksam erwiesen hat. Es schadet Ihrem Kind nicht. Da das Hormon Insulin eine aufbauende Wirkung im Körper hat, ist eine Gewichtszunahme möglich. Wichtig ist, dass Insulin immer optimal an Ihren Blutzuckerwert angepasst dosiert werden muss. Denn zu viel Insulin kann zu einer Unterzuckerung führen.
Wann gibt es ein Beschäftigungsverbot bei Schwangerschaftsdiabetes?
Beim Vorliegen eines Schwangerschaftsdiabetes handelt es sich um eine Risikoschwangerschaft. Das bedeutet aber nicht, dass Sie zwangsläufig besorgt sein müssen oder grundsätzlich nicht arbeiten dürfen, sondern dass Sie in der Schwangerschaft engmaschiger überwacht werden. Stellt Ihr Arzt aber fest, dass Ihre Arbeit gefährdend für Sie oder Ihr Kind ist, weil beispielsweise die Gefahr einer Frühgeburt erkennbar ist, kann er ein individuelles Beschäftigungsverbot aussprechen.
Wie lässt sich einem Schwangerschaftsdiabetes vorbeugen?
Um das Gestationsdiabetes-Risiko zu verringern, sollten Sie bereits spätestens ab dem Kinderwunsch damit beginnen, sich körperlich fit zu halten, indem Sie sich gesund und ausgewogen ernähren. Wer schon vor der Schwangerschaft einen gesunden und aktiven Lebensstil führt, reduziert das Risiko deutlich stärker als diejenigen, die erst während der Schwangerschaft ihre schlechten Lebensgewohnheiten über Bord werfen. Später anzufangen ist trotzdem besser, als es gar nicht zu tun.
Wie sieht es mit dem Schwangerschaftsdiabetes nach der Geburt aus?
Glücklicherweise stabilisiert sich die Stoffwechsellage in den allermeisten Fällen und der Diabetes verschwindet nach der Geburt wieder. Falls Insulin in der Schwangerschaft gespritzt wurde, wird die Insulinbehandlung ab Beginn der Wehentätigkeit eingestellt. Zur Kontrolle werden aber noch die Blutzuckerwerte überprüft.
Grundsätzlich wird dann nach 6-12 Wochen nach der Geburt ein erneuter „großer“ Zuckerbelastungstest (oGTT) durchgeführt, weil der Diabetes in Einzelfällen bestehen bleiben kann.
Auch in den folgenden Jahren wird Ihnen je nach persönlichem Risiko alle 1-3 Jahre ein weiterer Test angeboten. Die Teilnahme an den Nachsorgeuntersuchungen ist unerlässlich, da ein unentdeckter Diabetes sich manchmal nicht bemerkbar macht, aber trotzdem Schäden an Ihren Organen anrichten kann.
Ist Schwangerschaftsdiabetes nur Panikmache?
Das Auftreten von Schwangerschaftsdiabetes in den letzten 15 Jahren ist weltweit deutlich gestiegen.1 Das hört sich zunächst erschreckend an. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass dies teilweise an veränderten Screeningverfahren und der Einführung neuer diagnostischer Grenzwerte liegt.
Außerdem steigt die Zahl der Schwangeren, die wesentliche Risikofaktoren, wie beispielsweise Übergewicht und höheres Alter, mitbringen. Wichtig ist, dass ein Schwangerschaftsdiabetes frühzeitig erkannt wird. Nur so lässt sich dagegen etwas tun, damit Mutter und Kind ohne gesundheitliche Folgen durch die Schwangerschaft kommen.
Durch meine persönliche Erfahrung als Apothekerin kann ich berichten, dass Patientinnen mit Schwangerschaftsdiabetes in aller Regel eine nahezu normale Schwangerschaft erleben. Es ist immer erfreulich zu sehen, dass auch die Kinder gesund und munter zur Welt kommen, wenn die Mütter sich an die Vorgaben zur Senkung des Blutzuckerwertes halten.
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