Scheidentrockenheit – Beratungswissen für PTA
Scheidentrockenheit ist ein sensibles Beschwerdebild, das Frauen in unterschiedlichen Lebensphasen betreffen kann, aber häufig ungern offen angesprochen wird. Scheidentrockenheit tritt vornehmlich während und nach den Wechseljahren auf. Doch auch jüngere Frauen können betroffen sein, etwa durch hormonelle Veränderungen, bestimmte Medikamente, Grunderkrankungen, psychische Belastungen oder eine ungeeignete Intimhygiene.
Typische Beschwerden sind Trockenheit, Juckreiz, Brennen, Wundgefühl, Schmerzen und Reizungen der Intimregion. Auch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr können auftreten. Für die Betroffenen kann dies nicht nur körperlich belastend sein, sondern auch das Wohlbefinden, die Sexualität und die Partnerschaft beeinträchtigen.

Häufigkeit und klinische Einordnung
Scheidentrockenheit entsteht durch einen Verlust an Feuchtigkeit im Intimbereich. Häufig geht sie mit einer verminderten Durchblutung und einer mangelnden Befeuchtung der Schleimhäute einher. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Hormon Östrogen, das unter anderem Durchblutung, Befeuchtung, Elastizität und Funktion des Gewebes beeinflusst.
Sinkt die Östrogenproduktion, verändert sich auch die Vaginalschleimhaut. Die Schleimhäute können sich zurückbilden, das Gewebe wird schlechter durchblutet und die Feuchtigkeit nimmt ab. Besonders in den Wechseljahren zählt dieser Prozess zu den häufigsten Auslösern einer Scheidentrockenheit.
Scheidentrockenheit wird als häufigstes Symptom der vaginalen Atrophie beschrieben. Nach der Menopause können bis zu 80 Prozent der Frauen von einem Trockenheitsgefühl betroffen sein. Gleichzeitig nimmt nur ein Teil der Betroffenen ärztliche Hilfe in Anspruch.
Typische Hinweise in der PTA-Beratung erkennen
Hinweise auf Scheidentrockenheit können sein:
- Trockenheitsgefühl im Intimbereich
- Wundgefühl, auch beim Sitzen oder Toilettengang
- erhöhte Empfindlichkeit
- Juckreiz
- Brennen
- Schmerzen
- Reizungen oder Entzündungen
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
- wiederkehrende Beschwerden im Bereich der Scheide oder Harnwege, beispielsweise Harndrang oder wiederkehrende Harnwegsinfektionen
Wichtig für die Beratung
Trockene und wunde Schleimhäute können rissig werden. Dadurch können Entzündungen und Infektionen begünstigt werden, die auch den Bereich der Harnwege betreffen können.
Mögliche Ursachen und Risikofaktoren
Die Ursachen sind vielfältig, doch besonders häufig steht Scheidentrockenheit im Zusammenhang mit hormonellen Veränderungen. Dazu zählen der Rückgang der Östrogenproduktion während und nach den Wechseljahren, Schwangerschaft und Stillzeit, die operative Entfernung der Eierstöcke oder die Einnahme der Antibabypille.
Auch Arzneimittel und Therapien können eine Rolle spielen, zum Beispiel Chemo-, Strahlen- oder Antihormontherapien. Zudem werden Grunderkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, Endometriose, Multiple Sklerose oder das Sjögren-Syndrom genannt.
Weitere begünstigende Faktoren sind Nikotin- und Alkoholkonsum, Stress, psychische Belastungen sowie eine übertriebene oder falsche Intimhygiene.
Wichtig: Eine gesunde Vaginalflora mit ausreichend Laktobazillen unterstützt die natürliche Schutzfunktion der Intimregion.
Bedeutung der natürlichen Intimflora
Östrogen beeinflusst auch die natürliche Intimflora. Unter dem Einfluss von Östrogen wandeln schützende Laktobazillen, auch Döderlein-Bakterien genannt, Glykogen in Milchsäure um. Dadurch bleibt das Scheidenmilieu im sauren Bereich, bei einem pH-Wert um 3,8 bis 4,4. Dieses saure Milieu trägt dazu bei, die Intimregion vor Krankheitserregern zu schützen.
Bei Scheidentrockenheit kann diese natürliche Schutzfunktion beeinträchtigt sein: Trockene und rissige Schleimhäute erleichtern das Eindringen von Krankheitserregern und begünstigen Reizungen, Entzündungen und Infektionen.
Wann zur Ärztin oder zum Arzt?
Da Scheidentrockenheit unterschiedliche Ursachen haben kann, sollte bei anhaltenden Beschwerden eine gynäkologische Abklärung empfohlen werden. Das gilt besonders, wenn die Beschwerden stark ausgeprägt sind, immer wieder auftreten oder bereits Entzündungen, Infektionen oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr bestehen.
Eine gynäkologische Abklärung sollte rechtzeitig erfolgen, da sich die Beschwerden in der Regel nicht ohne eine geeignete Therapie bessern. Zudem kann eine Behandlung dazu beitragen, weiteren Entzündungen oder Infektionen vorzubeugen.
Typische HV-Situationen
Scheidentrockenheit kann sich durch unterschiedliche Beschwerden bemerkbar machen. Betroffene berichten unter anderem über:
- Trockenheits- und Wundgefühl im Intimbereich
- Brennen oder Juckreiz
- erhöhte Empfindlichkeit der Schleimhäute
- wiederkehrende Reizungen
- Beschwerden beim Geschlechtsverkehr
- Veränderungen, die als belastend für das Wohlbefinden empfunden werden
Für PTA ist hier eine diskrete, sachliche und empathische Ansprache wichtig. Viele Betroffene empfinden das Thema als schambehaftet. Eine ruhige Beratung kann helfen, Beschwerden einzuordnen und geeignete Maßnahmen zu besprechen.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung richtet sich nach Ursache, Alter und Beschwerdebild. Viele Frauen möchten zunächst hormonfreie Optionen anwenden. Bei Beschwerden im Zusammenhang mit der Intimität können zusätzlich Gleitgele eine sinnvolle Unterstützung sein. Auch ein gesunder Lebensstil, Bewegung und Stressvermeidung können unterstützend wirken.
Hormonfreie Behandlung
Hormonfreie Präparate können pflegen, Feuchtigkeit spenden und Beschwerden wie Wundgefühl, Juckreiz, Brennen und Schmerzen lindern. Für die Beratung in der Apotheke stehen verschiedene Produktkategorien zur Verfügung:
Feuchtigkeitsspendende Cremes und Ovula halten die Schleimhäute geschmeidig, wirken regenerierend und können vor Mikrorissen schützen.
Hyaluronsäure-haltige Vaginalprodukte (z. B. als Ovula oder Gel) binden Feuchtigkeit in der Schleimhaut, unterstützen die Geweberegenerierung und sind eine häufig empfohlene Option bei vaginaler Atrophie. Sie sind rezeptfrei erhältlich und gut verträglich.
Langzeitwirksame Vaginalfeuchthaltemittel (z. B. auf Polycarbophil- oder Carboxymethylcellulose-Basis) haften mehrere Tage an der Schleimhaut und wirken unabhängig vom Geschlechtsverkehr. Sie unterscheiden sich funktionell von reinen Gleitgelen und können für Frauen sinnvoll sein, die eine längerwirksame Lösung bevorzugen.
Milchsäure-haltige Gele und Ovula können den vaginalen pH-Wert direkt senken und das Scheidenmilieu stabilisieren – auch ohne Milchsäurebakterien als lebende Kulturen.
Ovula mit Milchsäurebakterien fördern die Produktion schützender Milchsäure und unterstützen die natürliche Intimflora langfristig.
Bei stark gereizter oder wunder äußerer Haut können zudem schützende Wundschutzcremes (z. B. auf Zinkoxid- oder Dexpanthenol-Basis) zur Linderung und Regeneration beitragen.
Lokale hormonelle Behandlung(verschreibungspflichtig)
Wenn Beschwerden im Zusammenhang mit einem Östrogenmangel stehen und rezeptfreie Maßnahmen nicht ausreichen, kann eine lokale Hormonbehandlung infrage kommen. Diese wird meist in Form einer östrogenhaltigen Creme angewendet. Der Hormongehalt ist dabei niedrig gewählt; die Wirkung ist eher von der Therapiedauer als von einer hohen Dosierung abhängig.
Ziel ist es, die dünne und trockene Schleimhaut wiederaufzubauen, den vaginalen pH-Wert in den sauren Bereich zurückzubringen und Beschwerden wie Schmerzen beim Geschlechtsverkehr entgegenzuwirken. Die Entscheidung für eine Hormonbehandlung sollte mit der behandelnden Gynäkologin oder dem behandelnden Gynäkologen abgestimmt werden.
Intimhygiene richtig ansprechen
Ein wichtiger Beratungspunkt ist die Intimhygiene. Vaginalduschen oder Scheidenspülungen können die empfindlichen Schleimhäute zusätzlich belasten und bestehende Beschwerden verstärken. Auch viele Waschlotionen sind für die empfindliche Intimregion nicht geeignet und können Trockenheit und Reizungen begünstigen.
Die Intimregion sollte vor weiterer Austrocknung geschützt werden, beispielsweise können langes Schwimmen in chlorhaltigem Wasser oder sehr heiße und lange Bäder eine Austrocknung begünstigen.
Empfohlen wird eine vorsichtige Reinigung mit warmem Wasser oder mit Waschlotionen, die auf den pH-Wert der Intimflora abgestimmt sind. Auf parfümierte Waschlotionen, alkalische Seifen, Intimdeos oder Vaginalduschen sollte verzichtet werden. Auch feuchtes Toilettenpapier, Rasierschaum und Enthaarungscremes können das natürliche Schutzsystem beeinträchtigen.
Hautfreundliche Baumwollunterwäsche und luftdurchlässiger Wäscheschutz können zum Wohlbefinden beitragen. Bei Scheidentrockenheit kann es außerdem hilfreich sein, während der Periode eher Binden statt Tampons zu verwenden.
Hausmittel kritisch einordnen
Auch Hausmittel werden bei Scheidentrockenheit häufig nachgefragt und sollten in der Beratung kritisch eingeordnet werden.
Naturjoghurt wird zwar häufig als Hausmittel empfohlen, die enthaltenen Bakterienkulturen stimmen jedoch nicht mit denen der Intimflora überein. Zudem können weitere Bestandteile des Joghurts Irritationen auslösen. Deshalb sollten in Joghurt getränkte Tampons nicht als Vaginalzäpfchen verwendet werden. Stattdessen werden speziell entwickelte vaginale Milchsäurezäpfchen empfohlen.
Oliven- oder Kokosöl können bei guter Verträglichkeit äußerlich zur Hautpflege angewendet werden. Zu bedenken ist jedoch, dass allergische Reaktionen möglich sind und mit Ölen das innere natürliche Scheidenmilieu nicht nachhaltig wiederaufgebaut werden kann.
Praxistipp und Zusammenfassung für die PTA-Beratung
Scheidentrockenheit ist ein Beschwerdebild, das Frauen in unterschiedlichen Lebensphasen betreffen kann und die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen kann. Da das Thema oft schambehaftet ist, sprechen Betroffene ihre Beschwerden nicht immer direkt an. Für PTA ist daher eine diskrete, sachliche und empathische Ansprache wichtig.
Im Beratungsgespräch können folgende Fragen helfen, die Situation gezielt einzuordnen:
- Dauer und Häufigkeit der Beschwerden
- mögliche Begleitsymptome wie Brennen, Juckreiz oder Schmerzen
- Beschwerden beim Geschlechtsverkehr
- hormonelle Veränderungen (Wechseljahre, Stillzeit, hormonelle Verhütung)
- aktuell angewendete Arzneimittel oder Therapien
- verwendete Produkte zur Intimpflege
- wiederkehrende Entzündungen oder Beschwerden im Bereich der Harnwege
Je nach Beschwerdebild können folgende Produkte aus der Apotheke sinnvolle Optionen sein:
| Produkt | Wirkung / Anwendung | Besonders geeignet bei | Rezept |
|---|---|---|---|
| Feuchtigkeitsspendende Cremes & Ovula | Pflege, Regeneration, Schutz vor Mikrorissen | Allgemeiner Trockenheit, Wundgefühl | Rezeptfrei |
| Hyaluronsäure-haltige Vaginalprodukte | Feuchtigkeitsbindung in der Schleimhaut, Geweberegenerierung | Vaginaler Atrophie, anhaltender Trockenheit | Rezeptfrei |
| Langzeitwirksame Vaginalfeuchthaltemittel | Haften mehrere Tage, wirken unabhängig vom Geschlechtsverkehr | Wunsch nach längerwirksamer Lösung | Rezeptfrei |
| Milchsäure-haltige Gele & Ovula | pH-Wert-Senkung, Stabilisierung des Scheidenmilieus | Gestörter Intimflora, erhöhtem pH-Wert | Rezeptfrei |
| Ovula mit Milchsäurebakterien | Aufbau der natürlichen Intimflora, Milchsäureproduktion | Gestörter Flora, nach Infektionen | Rezeptfrei |
| Wundschutzcremes (Zinkoxid / Dexpanthenol) | Schutz, Linderung und Regeneration gereizter Haut | Stark gereizter, wunder äußerer Haut | Rezeptfrei |
| Gleitgele | Befeuchtung und Gleitfähigkeit beim Geschlechtsverkehr | Schmerzen beim Geschlechtsverkehr | Rezeptfrei |
| Östriol-Creme / Östradiol-Präparate | Gezielter Schleimhautaufbau bei ausgeprägtem Mangel | Ausgeprägtem Östrogenmangel, Therapieversagen OTC | Rx |
Da die Ursachen vielfältig sind – von hormonellen Veränderungen über Medikamente bis hin zu Grunderkrankungen –, sollte bei anhaltenden, wiederkehrenden oder stärker ausgeprägten Beschwerden eine gynäkologische Abklärung empfohlen werden.
Eine einfühlsame und fachlich fundierte Beratung kann dazu beitragen, Betroffene bei der Auswahl geeigneter Maßnahmen zu unterstützen und Hemmschwellen für eine weiterführende Abklärung abzubauen.
Hinweis
Dieser Beratungsleitfaden dient ausschließlich zur fachlichen Information von pharmazeutischem Personal und ersetzt keine ärztliche Diagnostik.
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