Was tut man nicht alles für einen Tropfen köstlichen Blutes? Der warme, rubinrote Lebenssaft weckt nicht nur bei Vampiren Begehrlichkeiten. Exotische und einheimische Insekten oder Spinnentiere, wie Mücken und Zecken, sind auf unser Blut angewiesen, um ihr Fortbestehen zu sichern. Dies ist nicht nur lästig, sondern kann in einigen Fällen auch zu Infektionen führen. Holzpflöcke und Knoblauch erweisen sich hier aber als nutzlos. Was hilft also wirklich, um sich die Plagegeister vom Leib zu halten?

Kenne deinen Gegner – Eigenschaften von Mücken und Zecken

Mücken

Wenn wir von Mücken sprechen, meinen wir in der Regel die Stechmücke mit weltweit über 3600 verschiedenen Arten. In Europa treffen wir hauptsächlich auf die Gemeine Stechmücke und auf die etwas größere Ringelmücke. Letztere wird wegen ihres gestreiften Aussehens oft mit der Asiatischen Tigermücke verwechselt, die als Überträger von Krankheitserregern, wie dem Zika-Virus und dem Dengue-Virus, bekannt und unbeliebt ist.

Männliche Mücken sind für uns harmlos, sie ernähren sich gern vegetarisch von Pflanzennektar. Es sind die weiblichen Exemplare, die wir auf Abstand halten sollten, denn sie benötigen neben Nektar auch Blut, um Eier zu produzieren.

Ihre Opfer können sie visuell ausfindig machen: wer ein buntes Shirt trägt und aus Mückensicht aussieht wie eine Blume, wird auch wie eine Blume attackiert. Aber auch im Dunkeln finden sie uns problemlos mit Hilfe von Geruchsorganen auf ihren Antennen. Sie werden angelockt von Kohlendioxid und dem für sie unwiderstehlichen Duft von Milchsäure als Abbauprodukt von Körperschweiß. Aus diesem Grund kann abendliches Duschen die Gefahr von Mückenstichen in der Nacht verringern.

Zecken

Auch Zecken können uns vermutlich riechen. Dafür nutzen sie das Haller-Organ, das an ihren Vorderbeinen sitzt. In Deutschland ist die Schildzecke, auch Gemeiner Holzbock genannt, die Zeckenart, die den Menschen am häufigsten befällt. Im Gegensatz zu den Mücken, kommt die Zecke nicht auf uns zu, sondern wartet zum Beispiel im hohen Gras darauf, dass wir vorbeikommen und sie mitnehmen. Damit sie ungestört Blut saugen können, wandern sie bis zu einer Stunde auf ihrem Wirt herum bis sie eine geschützte Stelle, zum Beispiel im Bauchnabel, in den Achselhöhlen oder unter der Armbanduhr, für ihre Mahlzeit gefunden haben.

Zecken zählen wahrscheinlich zu den unsympathischsten Lebewesen. Als Spinnentier wird ihnen schon von Natur aus wenig Akzeptanz entgegengebracht. Und dann sind sie auch noch Überträger verschiedener Infektionskrankheiten, von denen die Lyme-Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) die bekanntesten sind.

Eine Zeckengattung, über die im letzten Jahr in den Medien häufig berichtet wurde, weil sie das gefährliche Krim-Kongo-Virus in sich tragen kann, ist die Hyalomma-Zecke. Sie ist etwa doppelt so groß wie der Gemeine Holzbock, hat gestreifte Beine und bewegt sich aktiv auf ihre Opfer zu. Im Jahr 2018 wurden in Deutschland 19 Exemplare gefunden, die aber alle nicht infiziert waren und in unseren kalten Gefilden wahrscheinlich auch keine Population bilden werden. Panikmache ist also unangebracht.

Kenne deine Waffen – Welche Repellentien gibt es?

Um unliebsame Blutsauger fernzuhalten, kommen Repellentien in unterschiedlichen Darreichungsformen, zum Beispiel als Spray, Lotion oder Stift, zum Einsatz. Ihre Wirkweise ist noch nicht endgültig geklärt, aber die Ergebnisse einer Studie deuten darauf hin, dass sie wie ein unsichtbar machender Duftmantel wirken. Die Mücke oder Zecke kann so ihren potentiellen Wirt quasi olfaktorisch nicht mehr wahrnehmen.

Auf dem Markt befinden sich mehrere Wirkstoffe, die sich in ihrer Effektivität unterscheiden. Für das Beratungsgespräch ist folglich entscheidend, ob der Kunde einen hohen Schutz braucht, weil er in ein Malariagebiet in den Tropen fährt, oder ob er Urlaub macht am heimischen Baggersee.

Diethyltoluamid (DEET)

Die beste Schutzwirkung haben Produkte mit DEET, deshalb werden sie von der WHO als Malariaprophylaxe empfohlen. Sie wirken unter anderem gegen Fliegen, Mücken, Zecken und Bremsen. Bei einer Konzentration von 25 % ist es für Kinder ab 3 Jahren geeignet, in höherer Konzentration mit 50 % (Nobite®) ist es vor allem für tropische Gebiete gedacht, sollte aber erst ab 10 Jahren angewendet werden. Schwangere sollen DEET nicht benutzen.

Wenn Sonnenschutzprodukte verwendet werden, ist darauf zu achten, dass der Sonnenschutz 30 Minuten vor dem DEET aufgetragen werden muss. Andernfalls ist die Sonnenschutzwirkung eingeschränkt. Die Substanz DEET ist bereits seit über 50 Jahren auf dem Markt und gilt als sicher. Schwere Nebenwirkungen sind auf unsachgemäßen Gebrauch zurückzuführen. Einen Haken gibt es trotzdem: DEET ist nicht inert, es greift gewisse Kunststoffe an und kann zum Beispiel Sonnenbrillen oder Armbanduhren unansehnlich werden lassen.

Icaridin

Wem die neue Smartwatch mit Kunststoffarmband am Herzen liegt und nicht in Malariagebiete fahren möchte, der wird mit dem Wirkstoff Icaridin (Anti Brumm® Classic) glücklich. Die Substanz ist inert, wird von vielen Kunden als angenehmer im Geruch empfunden und hat ein ähnlich gutes Wirkprofil wie DEET. In einer Konzentration ab 20 % gilt die Substanz als tropentauglich, wird aber nicht von der WHO empfohlen.

Ethylbutylacetylaminopropionat (EBAAP oder IR3535)

Eine deutlich schwächere und kürzere Wirkung hat EBAAP (Ballistol Stichfrei® Kids), es ist also nicht tropentauglich. Allerdings sind bisher keine Nebenwirkungen bekannt, es kann deshalb für Kinder ab 2 Monaten und Schwangere angewendet werden. Neben dem Schutz vor heimischen Mücken und Zecken hilft es auch gegen Bienen und Wespen.

Citriodiol®

Wer lieber auf die Kraft der Natur vertrauen möchte, dem steht mit Citriodiol (Anti Brumm® Naturel) eine pflanzliche Alternative zur Verfügung. Es handelt sich um einen Extrakt aus einer in China beheimateten Eukalyptusart. Wirksamkeit und Verträglichkeit sollen ähnlich sein wie bei Icaridin. Laut Herstellerangaben kann es bereits für Kinder ab einem Jahr benutzt werden.

Anwendung der Repellentien

Wie lange die mittlere Schutzdauer eines Produkts ist, wird in Standardtests bestimmt und zumeist auf der Packung angegeben. Während die Repellentien Mücken vier, sechs oder acht Stunden fernhalten können, ist der Zeckenschutz oft erheblich kürzer.

Bei der Verwendung ist zu bedenken, dass die Schutzdauer individuell schwanken kann. Faktoren wie Wind, hohe Luftfeuchtigkeit und Schweiß verkürzen die Wirkdauer. Daher ist es sinnvoll, Repellentien nach Ablauf der Schutzzeit erneut auf alle unbedeckten Hautareale gleichmäßig aufzutragen. Sprays haben den Vorteil, dass sie auch schwer zugängliche Hautstellen erreichen. Sie dürfen nicht ins Gesicht gesprüht und nur im Freien verwendet werden. Lotionen eignen sich besonders gut für Kinder, weil sie oft noch hautpflegende Zusätze enthalten.

Als Ergänzung zu Repellentien werden Moskitonetze empfohlen. Wer seinen Körpergeruch durch die Einnahme von Vitamin B1 oder Knoblauch so verändern möchte, dass Mücken nicht mehr aufmerksam werden, hält vermutlich nur andere Menschen fern. Es gibt keine Studien, die eine Wirksamkeit bestätigen würden. Elektrische Ultraschallgeräte oder andere Instrumente, die Mücken akustisch auf Abstand halten sollen, gelten aus wirkungslos.

Kenne die Risiken – Was ist nach einem Stich zu tun?

In der Regel verlaufen Mücken- und Zeckenstiche in unseren Breiten harmlos. Wer von einer Mücke gestochen wurde, empfindet das Kratzen im ersten Moment als wahrhafte Erleichterung. Dies sollte aber aufgrund der Infektionsgefahr unterlassen werden. Der lästige Juckreiz lässt sich stattdessen mit Hilfe von Gelen mit Antihistaminika (Dimetinden / Bamipin) oder besser noch mit Hydrocortison lindern.

Einheimische Zecken können im Gegensatz zu den hiesigen Mücken Krankheiten übertragen. Zu den bedeutendsten Erkrankungen gehören die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und die Borreliose. FSME ist eine durch das FSME-Virus ausgelöste Krankheit, bei der grippeähnliche Symptome und zum Teil auch Hirnhautentzündungen auftreten.

Lyme-Borreliose hingegen wird durch Bakterien (Borrelien) übertragen und kann sich nach einigen Tagen oder Wochen durch Wanderröte an der Einstichstelle bemerkbar machen. Im späteren Verlauf ist eine Ausweitung auf andere Organsysteme, insbesondere das Nervensystem oder die Gelenke, möglich. Wer in einem FSME-Risikogebiet (z. B. Süddeutschland, Schweiz, Osteuropa) durch die Natur streunen möchte, dem ist eine Schutzimpfung anzuraten. Eine Impfung gegen Borreliose, die regional nicht begrenzt ist, gibt es leider nicht. Dennoch muss man nach einem Zeckenstich nicht direkt in Panik verfallen. Zwar sind laut Angaben des Robert-Koch-Instituts etwa bis zu einem Drittel der Zecken mit Borrelien befallen, aber nach einem Stich kommt es nur in 2,6 – 5,6 % der Fälle zu einer Infektion, von denen 0,3 – 1,4 % überhaupt zum Ausbruch der Erkrankung führen. Falls jemand im Matheunterricht aufgepasst hat, kann er sich die Wahrscheinlichkeit ausrechnen.

Hat eine Zecke angedockt, sollte sie schnellstmöglich entfernt werden, um das Infektionsrisiko zu senken. Die Borrelien sitzen im Darm der Zecke, wodurch es ab einer Saugzeit von über 12 Stunden zu einem erhöhten Ansteckungsrisiko kommt. FSME-Viren werden im Gegensatz dazu praktisch ohne Zeitverzögerung übertragen. Die Entfernung des Blutsaugers sollte in aller Ruhe geschehen: langsam und gerade aus der Haut ziehen, wobei Zeckenkarten oder -zangen hilfreich sind. Keinesfalls darf die Zecke gedreht oder mit Klebstoff oder Öl beträufelt werden. Damit ärgert man das Spinnentier nur, sodass es mehr Speichel und eventuell auch Krankheitserreger in die Wunde abgibt. Abschließend wird die Einstichstelle desinfiziert und beobachtet. Treten Wanderröte oder grippeähnliche Symptome innerhalb von 7-14 Tagen auf, ist ein Arzt zu konsultieren.

PTA-Wissen kompakt:

  • Mücken und Zecken sind nicht nur lästig, sondern können in seltenen Fällen Krankheiten übertragen (z. B. Malaria, Borreliose, FSME)
  • Mücken- und Zeckenschutzmittel sollen für jeden Kunden individuell ausgesucht werden; entscheidend ist vor allem das Reiseziel (Malariagebiet?) und das Alter des Kunden
  • DEET ist oft der Wirkstoff der 1. Wahl, er greift aber Kunststoffe an. Als Alternative kann Icaridin empfohlen werden
  • DEET darf nicht zeitgleich mit Sonnenschutzprodukten aufgetragen werden
  • Mückenstiche niemals aufkratzen, sondern juckreizlindernde Produkte anwenden
  • FSME-Risikogebiete sind vor allem Süddeutschland, Osteuropa, Schweiz – eine Schutzimpfung ist möglich
  • Mit Borrelien infizierte Zecken gibt es überall
  • Zecken sollen schnellstmöglich entfernt werden, dabei niemals drehen oder quetschen
  • Nach einem Zeckenstich auf Wanderröte und grippeähnliche Symptome achten, ggf. einen Arzt aufsuchen

 

Quellen und weiterführende Informationen: