Kopfschmerzen können unsere Lebensqualität stark beeinträchtigen und treten vermehrt bei andauernder Überforderung auf. Der Schädel brummt und so werden alltägliche Aufgaben verstärkt als Belastung wahrgenommen. Zudem können die schönen Dinge des Lebens nicht mehr in vollen Zügen genossen werden. Umso wichtiger ist es, auslösende Faktoren möglichst früh zu erkennen und zu durchbrechen sowie eine fachlich fundierte und passende Therapie einzuleiten.

In den meisten Fällen ist die Apotheke die 1. Anlaufstelle, wenn Menschen von Kopfschmerzen geplagt werden. Für viele Kunden steht dabei die schnelle Schmerzlinderung im Vordergrund. Doch eine fachkundige und umfassende Beratung kann weitaus mehr bewirken. Chronische Schmerzen, die Entstehung eines Schmerzgedächtnisses sowie die Vermeidung eines Medikamentenübergebrauchs-Kopfschmerzes sollen nach Möglichkeit verhindert werden.

Wir freuen uns sehr über die weitere Unterstützung und die Erkenntnisse rund um das Thema Spannungskopfschmerz von Herrn Prof. Göbel, Direktor der Schmerzklinik Kiel.

Der Spannungskopfschmerz und wie man ihn erkennt

Experten unterscheiden rund 360 verschiedene Arten von Kopfschmerzen. Am häufigsten treten der Spannungskopfschmerz und die Migräne auf, gefolgt vom Cluster-Kopfschmerz. Sind die Kopfschmerzen nicht auf eine Erkrankung zurückzuführen, so bezeichnet man sie als primäre Kopfschmerzen, sie machen den Hauptteil der Kopfschmerzarten aus. Der Spannungskopfschmerz ist die häufigste Kopfschmerzform, erscheint in der Regel bilateral und wird von Betroffenen häufig als dumpf-drückend oder ziehend beschrieben, symbolisch erinnert es an einen zu engen Hut oder einen Schraubstock. Dabei breitet sich der Schmerz über den gesamten Kopf aus, strahlt bis zur Stirn oder in den Nackenbereich aus. Man unterscheidet den episodischen und den chronischen Kopfschmerz vom Spannungstyp. Tritt der Kopfschmerz an mindestens 15 Tagen, mehr als 4 Stunden täglich über 3 Monate hinweg auf, so wird er als chronisch eingestuft.

Was unterscheidet den Spannungskopfschmerz von der Migräne

Im Gegensatz zur Migräne ist der Kopfschmerz nicht pulsierend, verstärkt sich nicht bei körperlicher Aktivität und zeigt eine leichte bis mittlere Schmerzintensität, starke Übelkeit und Erbrechen fehlen ebenfalls. Eine zusätzliche Abgrenzung zur Migräne ist das Fehlen charakteristischer Sensibilitätsstörungen sowie das Zickzack-Sehen. Ein ruhiger Spaziergang an der frischen Luft kann die Symptome sogar reduzieren, während sich Migräne-Patienten zurückziehen müssen und der Schmerz bei Bewegung zunimmt.

Wodurch können Spannungskopfschmerzen entstehen?

Die genaue Entstehung des Spannungskopfschmerzes ist noch nicht abschließend geklärt. Experten gehen jedoch davon aus, dass es sich, ebenso wie bei der Migräne, um eine neurologische Erkrankung handelt. Zudem gibt es Hinweise auf strukturelle Veränderungen im Bereich des zentralen, schmerzverarbeitenden Systems. Die häufig parallell auftretenden Beschwerden des Schulter-Nackenbereiches sollen dabei eher als Folge des Kopfschmerzes und der individuellen Schmerzverarbeitung des Patienten verstanden werden, als das diese durch die Kopfschmerzen direkt entstehen.

Im weiteren Verlauf können gewisse Triggerpunkte dann Spannungskopfschmerzen auslösen, zu einer gesteigerten Schmerzempfindlichkeit und einem Schmerzgedächtnis führen. Häufig führen chronische Rückenschmerzen, insbesondere im Schulter- und Nackenbereich zu Fehlhaltungen. Losgelöst von ihrem Ursprung können bestimmte Reize dann die Schmerzwahrnehmung begünstigen, obwohl kein schädigender Reiz vorliegt.

Zu den häufigsten Faktoren, die das Auftreten eines Spannungskopfschmerzes begünstigen, zählen:

  • Stress
  • fieberhafte Infekte
  • muskuläre Fehlbelastungen
  • Angst- und Schlafstörungen

Zeitdruck, eine ungünstige Sitzposition am Arbeitsplatz vor dem Computer verbunden mit Muskelverspannungen sind vielen Betroffenen bekannt. Auch Störungen des Kauapparates, welche sich beispielhaft durch das Zähneknirschen zeigen, können Auslöser für Spannungskopfschmerzen sein. Eine ungesunde Lebenshaltung mit vermehrtem Alkohol- und Nikotinkonsum wird ebenfalls verantwortlich gemacht.

Wie lassen sich Spannungskopfschmerzen behandeln und wie können wir neuen Attacken vorbeugen?

Ein Durchbrechen des Kreislaufes aus Stress, Anspannung und Schmerz ist wichtig, damit der Spannungskopfschmerz nicht chronisch wird. Zudem zählen Schmerzen ebenfalls zu den Stressoren, die uns in eine Schmerz-Stressspirale führen können.  Leiden wir unter andauernden Schmerzen können wir ein Schmerzgedächtnis entwickeln. Das bedeutet, dass wir uns unbewusst an die Schmerzen erinnern und so sensibler in der Wahrnehmung werden.

Alt bewährt und nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen in Leitlinien von Fachgesellschaften zur Akuttherapie des Spannungskopfschmerzes aufgeführt: 10%iges Pfefferminzöl in ethanolischer Lösung. Siehe auch Pfefferminzöl bei Spannungskopfschmerzen.

Auf der Grundlage wissenschaftlicher Studien hat die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft evidenzbasierte Empfehlungen zur Selbstmedikation von Spannungskopfschmerzen entwickelt:

Medikamente der 1. Wahl:

  • Einzeldosis mit 1000 mg Acetylsalicylsäure
  • Einzeldosis mit 400 mg Ibuprofen
  • Einzeldosis der fixen Kombination aus 1 – 2 Tabletten mit je 250 mg Acetylsalicylsäure + 200 mg Paracetamol + 65 mg Coffein

Medikament der 2. Wahl:

  • Einzeldosis mit 1000 mg Paracetamol

Dabei wird empfohlen, die Medikamente nicht mehr als an 10 oder mehr Tagen pro Monat eigenständig anzuwenden. Zur genauen Abklärung und Behandlungsempfehlung empfiehlt sich die Untersuchung bei einem Spezialisten.

Die DMKG rät:

„Gelegentliche Spannungskopfschmerzen können mit einfachen Schmerzmitteln behandelt werden. Bei der chronischen Form stehen nicht-medikamentöse Verfahren im Vordergrund, etwa Stressbewältigung, Entspannungsübungen, Bewegung und Biofeedback. Anti-Depressiva können die Schmerzverarbeitung im Gehirn beeinflussen.“

Neben einer effizienten Akuttherapie ist Prävention das Wichtigste

Der Übergang in eine chronische Form sollte durch eine schnelle Behandlung vermieden werden. Wesentlicher Bestandteil ist die Prävention durch die Vermeidung bekannter Stressfaktoren. Entspannungen, regelmäßig und leichter Ausdauersport, erholsamer Schlaf sowie geregelte Essenszeiten mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr dienen nachweislich der Vorbeugung des Spannungskopfschmerzes.

PTA-Wissen kompakt:

  • Die Apotheke dient in den meisten Fällen als 1. Anlaufstelle. Eine umfassende Beratung ist daher besonders wichtig.
  • Der Spannungskopfschmerz unterscheidet sich im Auftreten und anhand der Schmerzintensität deutlich von der Migräne.
  • Die Lebensqualität wird stark beeinflusst, daher wird eine schnelle und fachkundige Therapie empfohlen.
  • Eine ärztliche Abklärung ist bei plötzlich, erstmalig auftretenden Kopfschmerzen mit hohem Schmerzcharakter ratsam.
  • Pfefferminzöl ist zur Akuttherapie des Spannungskopfschmerzes nachweislich geeignet, insbesondere bei Kindern oder in der Schwangerschaft sollte dieser Therapieform der Vortritt gegeben werden, zudem sind keine Neben- oder Langzeitwirkungen bekannt.
  • Selbstmedikation nach Empfehlung des DMKG.
  • Gefahr des chronischen Medikamentenkopfschmerzes bei fortlaufender und selbständiger Medikamenteneinnahme, Beachtung der 10-20 Regel.
  • Verwendung eines Kopfschmerztagebuchs oder einer entsprechenden App.
  • Der TK-Kopfschmerzreport.

 


Quellenangaben und weiterführende Informationen: