In anderen Ländern besteht sie bereits – Kann auch uns eine Impfpflicht helfen?

In anderen Ländern wie Frankreich oder Italien besteht sie bereits, die Impfpflicht gegen Infektionskrankheiten wie Masern. In Kalifornien zeigte die Verschärfung der Impfpflicht eine Steigerung der Masern-Impfquote. Die WHO hatte es sich zum Ziel gemacht, die Masernerkrankung bis zum Jahre 2020 gänzlich auszurotten. Dieses Ziel scheint unrealistisch, obwohl es gegen die Infektionserkrankung eine Impfung gibt. Diese schützt nicht nur die geimpfte Person, sondern auch ihre Umgebung und hilft in der Beseitigung des Virus. Schwerwiegende Komplikationen können die Folge der Erkrankung sein, auch Todesfälle sind möglich. Davon betroffen sind insbesondere Säuglinge, auch, da sie noch nicht geimpft werden können. Bis zur nötigen Impfung sind sie auf den Schutz durch eine verantwortungsvolle Umgebung angewiesen. Trotzdem sinkt die Impfrate und die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen steigt. Bisherige Impfkampagnen scheinen nicht auszureichen –  sollte auch in Deutschland eine Impfpflicht eingeführt werden?

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn: „Es ist verantwortungslos, Kinder nicht gegen Masern impfen zu lassen oder eigene Impflücken hinzunehmen. Wir brauchen bundesweit eine Impfquote von 95 Prozent für die 2. Impfung, damit diese ansteckende Virus-Erkrankung ausgerottet wird. Ärzteschaft, Schulen, Kitas, Betriebe, Behörden und natürlich die Eltern müssen noch besser zusammenarbeiten. Niemand muss heute noch an Masern erkranken oder gar sterben.“

Wieso steigt die Zahl der Neuerkrankungen? Warum zweifeln in einem hochentwickelten Land wie Deutschland so viele Eltern?

Laut Robert-Koch-Institut liegt es vor allem an großen Impflücken und fehlenden Zweitimpfungen. So lautet die Empfehlung der ständigen Impfkommission, dass alle nach 1970 geborenen Personen ihre Impfung auffrischen lassen sollten. Während viele Neugeborene die erste Impfung noch erhalten, bekommt nur ein Teil der Kleinkinder vor dem zweiten Lebensjahr die zweite, notwendige Impfdosis. Oft führen Impfskepsis und Unwissenheit zu der Entscheidung, sein Kind nicht impfen zu lassen. Kampagnen sogenannter Impfgegner mit vermeintlich qualifizierten Aussagen oder Studienlagen verunsichern zusätzlich. Wie Spiegel online berichtete, sind in Ländern wie Afrika, die Menschen dankbar, dass eine Impfung existiert. Die Frage, diese anzunehmen oder auszuschlagen, stellt sich ihnen nicht. Der Grund ist ebenso klar wie schockierend: Die Menschen haben erlebt, wie gefährlich die oft immer noch verharmloste „Kinderkrankheit“ sein kann.

Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): „Trotz bestehender Impflücken in der Bevölkerung hat sich die Einstellung zum Impfen erkennbar gebessert. Lediglich fünf Prozent der befragten 16 -bis 85-Jährigen haben eine (eher) ablehnende Haltung, wie die Ergebnisse der bundesweiten Repräsentativbefragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zeigen. Wir sind grundsätzlich auf einem guten Weg, allerdings ist eine konsequente und zielgerichtete Impfaufklärung weiterhin notwendig.
Denn wer geimpft ist, schützt nicht nur sich selbst, sondern auch die Gemeinschaft.“

Kassenärztliche Leistung

Auch die gesetzlichen Krankenkassen empfehlen die Impfung bzw. Auffrischung bei unklarem Impfstatus. Bei Unsicherheit oder nicht vorhandenem Impfpass sollte man sich ebenfalls an seinen Hausarzt wenden. So schützt man im Zweifelsfall nicht nur sich selbst, sondern ebenso seine Umgebung. Die Impfung zählt zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung und die Kosten werden im vollen Umfang erstattet. Das trifft auch für Personen zu, die vor 1970 geboren wurden. Kürzlich hat die WHO die Vermeidung oder Verzögerung von Impfungen in die Liste der globalen Gesundheitsbedrohungen aufgenommen.

Was Ihr als PTA wissen solltet

  • Bei Masern handelt es sich um eine hochansteckende, virale Infektionserkrankung.
  • Die Viren werden mittels Tröpfcheninfektion übertragen.
  • Masern sind bereits mehrere Tage vor Ausbruch der Erkrankung ansteckend.
  • Zu den Symptomen gehören im Anfangsstadium grippeähnliche Symptome, weiße Belege der Wangenschleimhaut-die sogenannten Koplik-Flecken.
  • Der typische Masernausschlag beginnt erst einige Tage später, er zeigt sich zunächst im Gesicht und hinter den Ohren und breitet sich dann über den gesamten Körper aus, zusätzlich kommt es zum erneuten Fieberanstieg.
  • Die erste Impfung sollte zwischen dem vollendeten 11. Monat und 14. Monat erfolgen, wenn das Kind schon früh eine Kita besucht oder bei Ansteckungsgefahr kann auch schon ab dem 9. Monat geimpft werden.
  • Mit der zweiten Impfung wird der Schutz vervollständigt, sie ist daher zwingend notwendig und ist keine Auffrischungsimpfung! Sie wird frühestens 4 Wochen nach der ersten Impfung bis zum 15.-23. Monat empfohlen.
  • Die Impfung erfolgt normalerweise mittels Kombinationsimpfung (Masern, Mumps, Röteln, ggf. Windpocken).
  • Trotz möglicher Impfreaktionen gilt die Impfung als gut verträglich, Nebenwirkungen sind üblicherweise vorrübergehend, schwere Folgen sehr selten.
  • Alle nach 1970 geborene Personen, sowie bei unklarem oder unzureichendem Impfstatus, sollten eine einmalige MMR- Standardimpfung erhalten.
  • Impfempfehlung der STIKO.
  • Masernstatus-Impfbarrieren und Strategien zu deren Überwindung
  • Auch interessant: Schutz vor Keuchhusten durch Impfung

Quellen und weiterführende Links


Die Nationale Verifizierungskommission Masern/Röteln (NAVKO) hat die Aufgabe, den Eliminationsprozess der Masern und Röteln in Deutschland zu begleiten und nach den WHO-Kriterien zu bewerten. Das Gremium kritisiert in seinem aktuellen Bericht, dass die Maßnahmen dazu auch im dritten Anlauf nicht vorankommen.