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Home Schilddrüsenerkrankungen …
Autorin: Paula Johanne Paulsen
Lesezeichen
Lesedauer ca. 12 min
11.08.2026

Schilddrüsenerkrankungen in der Schwangerschaft

Schilddrüsenerkrankungen gehören zu den häufigsten hormonellen Erkrankungen bei Frauen im gebärfähigen Alter und können sowohl den Kinderwunsch als auch den Verlauf einer Schwangerschaft beeinträchtigen. Die Diagnose löst bei vielen Betroffenen zunächst Unsicherheit aus und wirft zahlreiche Fragen zu möglichen Risiken, der Behandlung und dem Alltag während der Schwangerschaft auf. Eine verständliche, einfühlsame und fundierte Beratung ist daher besonders wichtig, um Mutter und Kind bestmöglich zu begleiten.

Dieser Beitrag richtet sich an Frauen mit Schilddrüsenunter- oder -überfunktion sowie an Frauen mit Kinderwunsch und vermittelt verständliche, praxisnahe Informationen rund um Schwangerschaft und Schilddrüsengesundheit. Verfasst von Apothekerin Paula Johanne Paulsen, bietet er Orientierung, beantwortet häufige Fragen und unterstreicht die Apotheke als kompetente und vertrauensvolle Anlaufstelle für die Beratung bei Schilddrüsenerkrankungen in dieser besonderen Lebensphase.

Schilddrüsenunter- und Überfunktion – ist ein Kinderwunsch umsetzbar und welche Folgen gibt es für die Schwangerschaft?

Die Schilddrüse ist ein kleines Organ, das eine große Verantwortung trägt für viele Stoffwechselvorgänge im Körper und damit lebensnotwendig ist. Wenn sie schwächelt oder zu aktiv ist, kann es beim Kinderwunsch oder in der Schwangerschaft schwieriger werden. Doch zum Glück lassen sich Schilddrüsenerkrankungen in der Regel gut behandeln.

Welche Funktion und Bedeutung hat die Schilddrüse für den Menschen?

Bei gesunden Menschen ist die Schilddrüse nur etwas größer als eine Walnuss und fällt mit ihren 20-25 Gramm auch kaum ins Gewicht, aber die von ihr produzierten Hormone sind für uns unverzichtbar. Sie sitzt im Hals unterhalb des Kehlkopfes vor der Luftröhre. Weil sie aus zwei Lappen besteht, die über eine Brücke miteinander verbunden sind, erinnert ihre Form an einen Schmetterling.

Die Hauptfunktion der Schilddrüse ist die Speicherung von Jod, mit dem sie dann die jodhaltigen Schilddrüsenhormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4) bildet. Die beiden Hormone T3 und T4 haben mit den Bussen eines bekannten Autoherstellers übrigens nichts zu tun. Sie werden so abgekürzt, weil sie aus 3, bzw. 4 Jod-Atomen bestehen. Für den menschlichen Körper sind diese Hormone von großer Bedeutung, da sie für die Aufrechterhaltung des Stoffwechsels gebraucht werden: sie regulieren u.a. den Herzschlag und die Zellteilung, steuern den Fettstoffwechsel sowie den Auf- und Abbau der Muskulatur, haben indirekt Einfluss auf den Blutzuckerspiegel und sorgen zusätzlich bei Kindern dafür, dass sich das Gehirn entwickelt. Neben T3 und T4 stellt die Schilddrüse noch das Peptidhormon Calcitonin her, das für das Knochenwachstum unerlässlich ist.

Wenn Sie schwanger werden wollen oder schwanger sind, ist eine gesunde Schilddrüse besonders wichtig

Eine Schwangerschaft ist für den gesamten Körper eine besondere Situation, viele Organe arbeiten auf Hochtouren, um das Kind zu versorgen. Auch für die Schilddrüse sind die neun Monate ein echter Stresstest. In der Zeit muss sie etwa 50 % mehr Schilddrüsenhormone produzieren, denn sie versorgt jetzt nicht mehr nur eine Person, sondern zwei. Eine gesunde Schilddrüse kann diesen Mehrbedarf kompensieren, liegt aber z. B. eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) vor, fehlen die Hormone für eine optimale Entwicklung des Kindes.

Vor allem in der ersten Schwangerschaftshälfte ist das ungeborene Kind auf die mütterlichen Schilddrüsenhormone angewiesen. Erst etwa ab der Mitte der Schwangerschaft beginnt die kindliche Schilddrüse zunehmend selbst Hormone zu bilden. Daher wäre es auch schon beim Kinderwunsch gut zu wissen, ob die eigene Schilddrüse richtig funktioniert. Ohne ausreichende Konzentrationen an T3 und T4 kann die Zellteilung so sehr beeinträchtigt sein, dass es möglicherweise nicht zur Schwangerschaft kommt oder diese nicht aufrechterhalten werden kann.

Eine ausreichende Versorgung mit Schilddrüsenhormon ist essenziell für die embryonale/fetale Entwicklung. Die fetale Schilddrüse produziert erst ab der 14.-18. Schwangerschaftswoche Hormone, so dass während der Embryonalphase und im 2. Trimenon der Fet von der Versorgung durch die Mutter abhängig ist.

Optimale Schilddrüsenwerte vor und in der Schwangerschaft

Die Schilddrüsenwerte verändern sich während der Schwangerschaft und unterscheiden sich von den Werten außerhalb der Schwangerschaft. Deshalb beurteilt der Arzt die Blutwerte immer unter Berücksichtigung des Schwangerschaftsdrittels und der Referenzbereiche des jeweiligen Labors. Da unterschiedliche Labore verschiedene Messmethoden verwenden, gibt es keine allgemein gültigen Grenzwerte. Einzelne Laborwerte sollten daher nicht selbst interpretiert werden, sondern immer im Zusammenhang mit der gesamten Untersuchung betrachtet werden.

Welche Schilddrüsenwerte deuten auf eine Über- oder Unterfunktion hin?

In der Schwangerschaft gelten bei allen drei Hormonen etwas niedrigere Blutwerte als normal, was sich durch den Einfluss ansteigender Schwangerschaftshormone, wie Östrogen oder hCG (humanes Choriongonadotropin), erklären lässt.

Um die Funktion der Schilddrüse beurteilen zu können, wird neben den freiverfügbaren T3 und T4 (fT3, fT4) auch der TSH-Wert bestimmt. TSH steht für Thyreoidea-stimulierendes Hormon, das in der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) im Gehirn gebildet wird. Dieses Hormon regt die Schilddrüse an, ihre Arbeit zu tun – nämlich ihrerseits die Produktion der Hormone T3, T4 und Calcitonin zu starten, und Jod aufzunehmen.

Da die genannten Hormone miteinander in Verbindung stehen, lässt sich bereits am TSH-Wert erkennen, ob eine Über- oder Unterfunktion vorliegen könnte. Wenn der Wert außerhalb des Normalbereichs von 0,4 – 4,2 mU/l liegt, schaut sich der Arzt auch die Konzentrationen von freiem T3 und T4 im Blut an und stellt eine Diagnose. Ein zu hoher TSH-Wert ist ein Zeichen für eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), während ein zu geringer TSH-Wert eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) anzeigen kann. Besonders im ersten Schwangerschaftsdrittel kann der TSH-Wert jedoch auch durch das Schwangerschaftshormon hCG vorübergehend erniedrigt sein, ohne dass eine Schilddrüsenüberfunktion vorliegt. Deshalb beurteilt der Arzt immer alle Schilddrüsenwerte gemeinsam.

Die Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)

Störungen der Schilddrüse zählen zu den häufigsten Organerkrankungen überhaupt, insbesondere die Unterfunktion wird vielfach diagnostiziert. Frauen sind in dem Fall fünfmal öfter betroffen als Männer.

Bei der Unterfunktion ist es so, dass das Gewebe der Schilddrüse dem Körper zu wenig T3 und T4 zur Verfügung stellt. Sofern aber in der Schilddrüse noch Lebensgeister wohnen, lässt sie sich durch vermehrte Ausschüttung von TSH aus der Hirnanhangdrüse motivieren, die lebenswichtigen Hormone T3 und T4 in normaler Menge zu bilden. Diesen Zustand nennen Mediziner latente Schilddrüsenunterfunktion.

Ist die Schilddrüse so zerstört oder erschöpft, dass auch eine noch höhere Dosis von TSH das Organ nicht mehr ausreichend befeuern kann, spricht man von einer manifesten Schilddrüsenunterfunktion. Im Blut sind demzufolge viel zu viel TSH und zu wenig T3 und T4 zu finden.

An diesen Symptomen macht sich eine Schilddrüsenunterfunktion bemerkbar

Bei Erwachsenen zeigt sich eine Unterfunktion in der Regel nicht von heute auf morgen. Häufig ist es ein schleichender Prozess mit vielfältigen und teilweise unspezifischen Symptomen, wie zum Beispiel:

  • Gewichtszunahme
  • Müdigkeit
  • depressive Verstimmung
  • trockene Haut
  • Menstruationsstörungen
  • Verstopfung

Insgesamt kann man sagen, dass fast alle Stoffwechselvorgänge verlangsamt sind. Deswegen klagen Betroffene oft über Verstopfung, nehmen ungewollt an Gewicht zu, obwohl die Ernährung nicht verändert wurde, oder haben unregelmäßige Monatsblutungen. Zu wenig Schilddrüsenhormone haben auch einen großen Einfluss auf die Stimmung: nicht selten fühlen sich Patienten mit einer Unterfunktion erschöpft, lustlos oder werden depressiv.

Auch Haarausfall, trockene Haut, brüchige Nägel und häufiges Frieren können auf eine Hypothyreose hindeuten.

Die Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)

Das Gegenteil der Unterfunktion ist die Schilddrüsenüberfunktion, auch Hyperthyreose genannt, die etwas seltener auftritt. Die Schilddrüse ist hier zu aktiv und produziert mehr Hormone als gebraucht werden. Weil zu viel T3 und T4 im Blut zirkulieren, ist der gesamte Stoffwechsel schneller.

An diesen Symptomen macht sich eine Schilddrüsenüberfunktion bemerkbar

Übermäßig hohe Werte von Schilddrüsenhormonen führen zu einer Beschleunigung der Körperfunktionen. Die Symptome können unter anderem sein:

  • Gewichtsabnahme
  • Schwitzen
  • Durchfall
  • Unruhe
  • erhöhter Pulsschlag
  • hervortretende Augäpfel (Exophtalmus)

Auf ein Zuviel an Schilddrüsenhormonen reagiert der Körper im Grunde gegensätzlich zur Unterfunktion: der Motor läuft schneller. Es wird mehr Energie verbraucht, was zum unbeabsichtigten Gewichtsverlust führen kann. Patienten klagen häufig über Herzrasen, innere Unruhe, Durchfälle und Schwitzen. Manchmal ist ein Patient mit Hyperthyreose auch auf den ersten Blick erkennbar, da der Hormonüberschuss Auswirkungen auf die Augen haben kann, sodass diese sichtbar hervortreten. Aber einige Symptome sind nicht eindeutig zuzuordnen, zum Beispiel können Über- und Unterfunktion mit Haarausfällen und Menstruationsstörungen einhergehen.

Welche Ursachen können hinter Störungen der Schilddrüse stecken?

Unterfunktion:

Etwa einer von 3500 Neugeborenen kommt bereits mit einer Schilddrüsenunterfunktion zur Welt, weil die Schilddrüse komplett fehlt oder nicht richtig ausgebildet ist. Aus diesem Grund wird die Schilddrüsenfunktion beim Neugeborenenscreening am dritten Lebenstag überprüft.

Weitaus häufiger jedoch wird eine Unterfunktion im Laufe des Lebens erworben, dies betrifft bei der manifesten Hypothyreose 1-2 % und bei der latenten Ausprägung Schätzungen zur Folge sogar bis zu 10 % der Bevölkerung.

Als Ursache ist in den meisten Fällen eine Autoimmunerkrankung (Hashimoto-Thyreoiditis) zu nennen, die eine chronische Entzündung des Organs auslöst. Vom Körper gebildete Antikörper richten sich gegen das Gewebe der Schilddrüse und zerstören es. Warum das passiert, ist noch ungeklärt.

Klar hingegen ist, dass ein extremer Mangel an Selen und vor allem Jod zu einer Schilddrüsenunterfunktion führen kann.

Überfunktion:

Auch die Überfunktion ist hauptsächlich auf eine Autoimmunerkrankung, Morbus Basedow, zurückzuführen. Antikörper bringen dabei die Schilddrüse dazu, mehr Hormone zu bilden. Fachleute haben Grund zur Annahme, dass Morbus Basedow durch genetische Veranlagung, psychischen Stress oder Rauchen ausgelöst werden kann. Endgültig geklärt sind die Ursachen aber noch nicht. Auf Rauchen zu verzichten und Stress zu reduzieren, sind trotzdem in jedem Fall gute Maßnahmen. Manchmal verhält sich die Schilddrüse auch als komplett eigenständiges Organ, ohne auf die Befehle des Gehirns zu reagieren, und produziert scheinbar grundlos zu viele Hormone. Diese Autonomie betrifft vor allem ältere Menschen.

Seltener stehen Krebserkrankungen der Schilddrüse hinter der Überfunktion oder auch eine übermäßige Jodzufuhr, zum Beispiel durch jodhaltige Röntgenkontrastmittel.

Wie gefährlich ist eine Schilddrüsenerkrankung?

Wird eine Störung der Schilddrüse nicht erkannt und behandelt, kann es bei ausgeprägten Formen neben unangenehmen Symptomen auch schwere Schäden verursachen. Eine unentdeckte Unterfunktion kann zu psychischen Veränderungen mit Halluzinationen zur Folge haben. Langfristig ist eine Herzmuskelschwäche, erhöhte Cholesterinwerte mit erhöhten Infarktrisiko oder sogar Komazustände möglich. Für Kinder ist ein Mangel an Schilddrüsenhormonen besonders gravierend, da er die geistige und sprachliche Entwicklung und das körperliche Wachstum verzögern kann.

Die unbehandelte Überfunktion kann im schlimmsten Fall lebensbedrohlich werden, weil das Herz so unter Strom steht, dass das Risiko für Herzrhythmusstörungen und Vorhofflimmern erhöht ist.

Welche Folgen und Risiken birgt eine Schilddrüsenerkrankung bei Kinderwunsch und Schwangerschaft?

Wenn die Schilddrüse nicht richtig funktioniert, ist es möglich, dass der Kinderwunsch über lange Zeit unerfüllt bleibt. Durch die Beeinträchtigung im Stoffwechsel ist oftmals der Zyklus der Frau gestört: die Menstruation bleibt aus oder ist unregelmäßig, was die Chance auf eine Schwangerschaft deutlich verringert.

Kommt es dennoch zu einer Befruchtung, steigt die Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt, insbesondere in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft. Liegt eine Unterfunktion vor, kann sie Komplikationen für Mutter und Kind mit sich bringen: erhöhtes Risiko der Frühgeburt, niedriges Geburtsgewicht oder psychomotorische und intellektuelle Einschränkungen des Kindes.

Bei der Überfunktion besteht unter anderem die Gefahr, dass das Kind an Herz-Kreislauferkrankungen, wie Herzschwäche oder Bluthochdruck, leidet. Außerdem können Fütterungsprobleme und mangelnde Gewichtszunahme auftreten, sowie die Vergrößerung verschiedener Organe des Kindes (Leber, Milz oder Schilddrüse).

Wie macht sich eine Schilddrüsenerkrankung in der Schwangerschaft bemerkbar? Ab wann sollten Sie zum Arzt?

Routinemäßig wird die Schilddrüse übrigens beim Frauenarzt nicht untersucht, sodass eine Schilddrüsenerkrankung unentdeckt bleiben kann. Ohne konkrete Beschwerden ist eine TSH-Bestimmung eine individuelle Gesundheitsleistung (IGeL), deren Kosten von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen wird. Wenn die IGeL in Anspruch genommen wird, erfolgt die Überprüfung der Schilddrüse durch TSH-Messung im Blut und kostet die Patientin 20 bis 30 Euro. Diese Bestimmung wird oft zusammen mit einem Ultraschall als „Schilddrüsen-Check“ angeboten.

Eine Erkrankung der Schilddrüse äußert sich während der Schwangerschaft mit den gleichen Symptomen wie vorher. Das heißt, wenn Sie Veränderungen wahrnehmen, wie zum Beispiel mangelnde Leistungsfähigkeit, Müdigkeit, Verstopfung, Frieren oder Haarausfall, kann es auf eine Schilddrüsenunterfunktion hindeuten. Bei Durchfällen, Herzrasen, Schwitzen oder Gewichtsabnahme kann eine Überfunktion vorliegen.

Alle Anzeichen sollten umgehend dem Arzt mitgeteilt werden, damit eine eventuelle Störung entdeckt und behandelt wird.

Trotz Schilddrüsenerkrankung schwanger werden – ist das möglich?

Die gute Nachricht zuerst: eine Schilddrüsenstörung ist heutzutage kein Grund mehr für einen unerfüllten Kinderwunsch! Wichtig ist, dass die Symptome erkannt werden, sodass der Arzt die richtige Diagnose stellen kann und eine optimale Behandlung erfolgt. Während der Schwangerschaft ist eine engmaschige Überprüfung der Schilddrüsenwerte, auch bei bereits bekannter Über- oder Unterfunktion, durch den Frauenarzt oder Endokrinologen notwendig.

Wie werden Schilddrüsenerkrankungen behandelt?

Unterfunktion: Was der Körper nicht mehr selbst herstellen kann, nämlich das T4 (Thyroxin), muss meist lebenslang ersetzt werden. Dafür gibt es in Form von Tabletten das L-Thyroxin, das individuell dosiert in der Regel morgens vor dem Frühstück eingenommen wird. L-Thyroxin ist ein künstliches Hormon und wird üblicherweise gut vertragen. Durch regelmäßige Blutuntersuchung werden die Schilddrüsenwerte gecheckt und die Menge des Hormons gegebenenfalls angepasst. Frauen, die schon vor der Schwangerschaft L-Thyroxin einnehmen, bekommen in der Schwangerschaft meistens 25-30% mehr, da das Baby mitversorgt werden muss.

Überfunktion: Hier muss die Schilddrüse gebremst werden, was mit sogenannten Thyreostatika erfolgt. Welcher Wirkstoff eingesetzt wird, richtet sich unter anderem nach dem Schwangerschaftszeitpunkt und wird vom behandelnden Arzt individuell ausgewählt. Je nach Schwere der Erkrankung wird die Dosis anhand der Blutwerte bestimmt. Bei schwangeren Frauen achtet der Arzt darauf, die niedrigste wirksame Dosierung einzusetzen, damit Mutter und Kind bestmöglich geschützt werden.

Eine andere Möglichkeit ist die Radio-Jod-Therapie, bei der durch radioaktives Jod Teile vom überaktiven Schilddrüsengewebe zerstört werden. In der Schwangerschaft ist diese Therapie allerdings nicht geeignet.

Gut zu wissen: tritt eine Schilddrüsenerkrankung durch die Schwangerschaft auf, sind die Frauen von der gesetzlichen Zuzahlung für ihre Schilddrüsenmedikamente befreit.

Worauf sollten Sie im Alltag oder bei der Ernährung achten?

Neben der korrekten Einnahme Ihrer Schilddrüsenmedikamente ist es wichtig auf Veränderungen zu achten. Tritt zum Beispiel bei der Behandlung der Unterfunktion plötzlich Herzklopfen, Zittern oder Durchfall auf, muss der Arzt informiert werden, der eventuell dann die Dosierung verringert.

Unterstützend kann es hilfreich sein, die eigene Ernährung zu betrachten. Schilddrüsenerkrankungen lassen sich zwar nicht durch bestimmte Ernährungsweisen heilen, aber einige Lebensmittel können einen positiven oder negativen Einfluss auf die Krankheit haben. Hier sind insbesondere Nahrungsmittel mit hohem Jodgehalt zu nennen. Viel Jod enthalten unter anderem Meeresalgen, Meeresfrüchte (z. B. Muscheln, Garnelen), Seefische (z. B Lachs, Kabeljau, Thunfisch), jodiertes Salz, Roggenbrot, Vollmilch und Kiwis.

Patienten mit einer Unterfunktion profitieren eher von diesen Lebensmitteln, während Patienten mit einer Überfunktion beim Verzehr jodhaltiger Speisen zurückhaltend sein sollten. Ein Sushi-Abend mit Fisch und Algen ist also nicht für jeden gut geeignet. Auch anregende Getränke wie Kaffee, Cola oder Alkohol sind bei der Überfunktion eher zu meiden, weil sie den bereits zu aktiven Stoffwechsel noch weiter befeuern.

Wenn Sie schwanger sind oder werden möchten, wird in Deutschland in der Regel zusätzlich zur Ernährung eine tägliche Jodsupplementierung von 150–200 Mikrogramm Jodid empfohlen, da der erhöhte Bedarf meist nicht allein über die Ernährung gedeckt werden kann. Dies gilt grundsätzlich auch für Frauen mit einer Schilddrüsenunterfunktion oder einer Hashimoto-Thyreoiditis, sofern keine Schilddrüsenüberfunktion besteht. Ob Ausnahmen vorliegen, bespricht der behandelnde Arzt individuell mit Ihnen.

Meine Erfahrung als Apothekerin:

In meiner Apotheke habe ich bereits viele Frauen zum Thema Schilddrüsenerkrankungen beraten. Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass die Diagnose mit all ihren Auswirkungen und die Aussicht darauf, eventuell lebenslang auf Hormontabletten angewiesen zu sein, erst einmal Sorgen bereitet und zu vielen Fragen führt. Allerdings stehen Sie keineswegs allein da, denn Schilddrüsenerkrankungen, vor allem die Unterfunktion, ist sehr weit verbreitet. Das hat den Vorteil, dass ein großer Erfahrungsschatz bei der Erkennung und Behandlung zur Verfügung steht, und passgenau für jede Patientin die richtige Behandlungsstrategie entwickelt werden kann.

Ich habe schon Kundinnen in der Apotheke wiedergesehen, die nach der Diagnose und der richtigen Therapie mit Tabletten und kleiner Ernährungsumstellung nicht nur an Lebensqualität gewonnen haben, sondern auch endlich ihren Kinderwunsch erfüllen konnten.

Quellenangaben

  1. AWMF online. Das Portal der wissenschaftlichen Medizin. S2k Leitlinie 174-024: Diagnostik bei Neugeborenen von Müttern mit Schilddrüsenfunktionsstörungen. Stand 12/2018. Online verfügbar unter: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/174-024l_S2k_Diagnostik-bei-Neugeborenen-von-Muettern-mit-Schilddruesenfunktionsstoerungen_2019-02.pdf. Abgerufen am 02.11.2020.
  2. Schübel J, Voigt K, Bründel K-H, Bergmann A. DEGAM Patienteninformation: Erhöhter TSH-Wert – Verdacht auf Schilddrüsenunterfunktion. Stand Oktober 2016. Online verfügbar unter: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/053-046p_S2k_erhoehter_TSH_Wert_2017-04.pdf. Abgerufen am 02.11.2020.
  3. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose). Aktualisiert am 26. Juli 2017. Online verfügbar unter: https://www.gesundheitsinformation.de/schilddruesenunterfunktion.2713.de.html. Abgerufen am 02.11.2020.
  4. Befunddolmetscher Weisse Liste gemeinnützige GmbH. Aufbau der Schilddrüse. Stand September 2015. Online verfügbar unter: https://befunddolmetscher.de/koerperliche-untersuchung/schilddruese/anatomie. Abgerufen am 02.11.2020.
  5. Thieme Gynäkologie und Geburtshilfe. Schilddrüsenfunktionsstörungen in der Schwangerschaft. Online verfügbar unter: https://www.thieme.de/de/gynaekologie-und-geburtshilfe/schilddruesenfunktionsstoerungen-schwangerschaft-65908.htm. Abgerufen am 02.11.2020.
  6. med. Kai-Jürgen Lüthgens. Labor Prof. Dr. G. Enders MVZ GbR. Schilddrüse und Schwangerschaft. Stand Dezember 2019. Online verfügbar unter: https://www.labor-enders.de/2019/12/17/schilddruese-und-schwangerschaft/. Abgerufen am 02.11.2020.
  7. Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) (2021). S2e-Leitlinie Diabetes in der Schwangerschaft (3. Auflage; AWMF-Registernummer 057-023). Online verfügbar unter: S2e-Leitlinie Diabetes in der Schwangerschaft, 2. Auflage. Abgerufen am 11.08.2026.
  8. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) (2021). Jod, Folat/Folsäure und Schwangerschaft – Ratschläge für die ärztliche Praxis. Online verfügbar unter: Jod, Folat/Folsäure und Schwangerschaft – Ratschläge für die ärztliche Praxis. Abgerufen am 11.08.2026.

Inhalt

  • Schilddrüse, Kinderwunsch und Schwangerschaft
  • Optimale Schilddrüsenwerte
  • Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
  • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
  • Folgen für Kinderwunsch und Schwangerschaft
  • Schwanger werden trotz Schilddrüsenerkrankung
  • Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen

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