Zahnen beim Baby – Beratungswissen für PTA
Wenn die ersten Zähnchen durchbrechen, beginnt für Babys und ihre Eltern eine neue Entwicklungsphase, die mitunter auch herausfordernd sein kann. Gerötetes oder geschwollenes Zahnfleisch, vermehrter Speichelfluss und Unruhe können den Zahndurchbruch begleiten. Manche Babys haben dagegen kaum Beschwerden.
Gerade wenn das Baby unruhig ist, viel speichelt oder scheinbar Schmerzen hat, sind Eltern oft unsicher: Gehört das noch zum Zahnen – und was kann helfen? Für die Beratung kommt es darauf an, typische Begleiterscheinungen zu erkennen, sichere Möglichkeiten zur Linderung zu empfehlen und Beschwerden richtig einzuordnen, die nicht zum Zahnen passen.

Wann kommen die ersten Zähne?
Die Entwicklung der Milchzähne beginnt bereits lange vor der Geburt. Schon während der Schwangerschaft werden die Zahnanlagen angelegt und die Mineralisation der Zahnkronen beginnt.
Wann der erste Milchzahn durchbricht, ist von Kind zu Kind unterschiedlich. Meist zeigen sich die ersten Zähne etwa im zweiten Lebenshalbjahr. In der Regel brechen zunächst die mittleren Schneidezähne durch, wobei die unteren häufig etwas früher erscheinen als die oberen. Es folgen die seitlichen Schneidezähne, die ersten Milchbackenzähne, die Eckzähne und schließlich die zweiten Milchbackenzähne.
Die zeitliche Spannbreite ist groß und Abweichungen vom typischen Durchbruchsschema kommen auch bei gesunden Kindern vor. Die zweiten Milchbackenzähne brechen meist bis etwa zum Alter von zweieinhalb Jahren durch. Das vollständige Milchgebiss umfasst 20 Zähne.
Woran lässt sich das Zahnen erkennen?
Der Zahndurchbruch kann sich sehr unterschiedlich bemerkbar machen. Während einige Babys kaum beeinträchtigt sind, reagieren andere deutlich auf die Veränderungen im Mund.
Typische Begleiterscheinungen können sein:
- gerötetes oder geschwollenes Zahnfleisch,
- verstärkter Speichelfluss,
- häufiges Beißen und Kauen auf Fingern oder Gegenständen,
- Quengeln und Unruhe,
- unruhigerer Schlaf,
- gerötete oder warme Wangen,
- eine leicht erhöhte Körpertemperatur.
Durch den verstärkten Speichelfluss ist die Haut um Mund und Kinn häufig feucht und kann dadurch gereizt und wund werden. Eltern können die Haut vorsichtig trocken tupfen und bei Bedarf mit einer geeigneten Schutzcreme pflegen.
Wichtig für die Beratung
Zahnen ist ein natürlicher Entwicklungsprozess. Eine leicht erhöhte Körpertemperatur kann im zeitlichen Zusammenhang mit dem Zahndurchbruch auftreten, Fieber ist jedoch nicht als typisches Zahnungssymptom anzusehen. Auch Durchfall oder Erbrechen sollten nicht auf das Zahnen zurückgeführt werden.
Was hilft beim Zahnen?
Ist das Zahnfleisch empfindlich, gerötet oder geschwollen, können zunächst einfache Maßnahmen helfen.
Kühlen und kauen lassen
Ein im Kühlschrank gekühlter Beißring kann das empfindliche Zahnfleisch beruhigen. Beim Kauen wird die Zahnleiste gleichzeitig sanft massiert, was viele Babys als angenehm empfinden. Beißringe sollten nicht so stark gefroren sein, dass sie hart werden und das empfindliche Zahnfleisch verletzen können.
Eine einfache Alternative ist ein gekühlter feuchter Waschlappen, auf dem das Baby kauen kann. Dabei sollte das Baby beaufsichtigt werden. Beißringe und Waschlappen sollten regelmäßig gründlich gereinigt werden. Bei Beißringen sind dabei die Herstellerangaben zu beachten.
Trinken, trösten und Nähe geben
Ist das Baby während des Zahnens unruhig, können beruhigendes Sprechen, Streicheln, Hochnehmen und körperliche Nähe guttun. Auch Stillen oder das gewohnte Fläschchen können beruhigend wirken. Wichtig ist, dem Baby ausreichend Flüssigkeit anzubieten und auf seine Bedürfnisse einzugehen.
Was kann die Apotheke bei Zahnungsbeschwerden anbieten?
Reichen die einfachen Maßnahmen nicht aus, fragen Eltern häufig nach Präparaten zur Linderung der Beschwerden. In der Apotheke stehen verschiedene Zahnungsgele zur Verfügung, beispielsweise mit pflanzlichen Bestandteilen oder einem Lokalanästhetikum.
Insbesondere bei lokalanästhetikahaltigen Präparaten ist eine sorgfältige Beratung erforderlich. Die altersgerechte Anwendung und die vorgegebene Dosierung müssen beachtet und Überdosierungen vermieden werden.
Ist das Baby durch Schmerzen deutlich beeinträchtigt, können bei Bedarf Paracetamol oder Ibuprofen infrage kommen. Dabei sind die jeweiligen Alters- und Gewichtsgrenzen, Dosierungsangaben und Anwendungshinweise des Präparats zu beachten.
Analgetika sollten bei Zahnungsbeschwerden nicht routinemäßig oder über einen längeren Zeitraum gegeben werden. Halten stärkere Schmerzen an oder sind Eltern unsicher, sollte kinderärztlicher Rat eingeholt werden.
Welche Zahnungshilfen sind nicht geeignet?
Nicht alles, was traditionell als Zahnungshilfe angeboten oder empfohlen wird, ist für Babys geeignet. Harte Lebensmittel, von denen sich Stücke lösen oder abbeißen lassen, können zum Verschlucken führen und die Atemwege blockieren.
Auch Bernsteinketten sind als Zahnungshilfe nicht geeignet. Von ihnen geht nicht nur eine Strangulationsgefahr aus. Reißen sie, können sich zudem einzelne Perlen lösen und verschluckt oder eingeatmet werden.
Zahnen oder doch krank?
Gerade in dem Alter, in dem die ersten Zähne durchbrechen, können gleichzeitig Erkrankungen auftreten. Beschwerden sollten deshalb nicht automatisch auf das Zahnen zurückgeführt werden.
Eine leichte Erhöhung der Körpertemperatur kann im Zusammenhang mit dem Zahndurchbruch beobachtet werden. Fieber ist dagegen kein Zahnungssymptom. Auch Durchfall und Erbrechen sind nicht als typische Folgen des Zahndurchbruchs anzusehen.
Für die Beratung ist diese Unterscheidung wichtig: Treten solche Beschwerden zeitgleich mit dem Zahnen auf, sollte nach einer anderen Ursache gesucht werden.
Für Eltern gilt
Fieber und deutliche Krankheitszeichen sollten nicht mit dem Zahnen erklärt werden.
Wann zum Arzt?
Nicht jede Beschwerde, die zeitgleich mit dem Zahnen auftritt, ist harmlos. Hat ein Baby unter drei Monaten eine Körpertemperatur von 38,0 °C oder mehr, sollten Eltern direkt ärztlichen Rat einholen. Auch wenn ein Baby deutlich krank oder teilnahmslos wirkt, schlecht trinkt, deutlich weniger nasse Windeln hat, wiederholt erbricht oder Durchfall bekommt, sollte nicht abgewartet werden.
Auch unabhängig von einzelnen Warnzeichen gilt: Kommt Eltern das Verhalten ihres Babys ungewöhnlich vor oder machen sie sich Sorgen, sollten sie ärztlichen Rat einholen.
Was gilt, wenn das Baby schon mit einem Zahn zur Welt kommt?
In seltenen Fällen kann bei der Geburt bereits ein Zahn vorhanden sein. Meist handelt es sich dabei um einen vorzeitig durchgebrochenen Milchzahn, seltener um einen zusätzlichen Zahn.
Ein solcher Zahn kann beispielsweise beim Stillen Probleme verursachen. Ist er stark beweglich, besteht zudem das Risiko, dass er sich löst und aspiriert wird. Ein bereits bei der Geburt vorhandener Zahn sollte deshalb zahnärztlich beurteilt werden.
Ab wann müssen die ersten Zähne geputzt werden?
Mit dem Durchbruch des ersten Milchzahns beginnt das Zähneputzen. Fluorid wird zur Kariesprophylaxe jedoch bereits vorher empfohlen: Ab der zweiten Lebenswoche erhalten Säuglinge Fluoridtabletten zusammen mit Vitamin D. Die Tablette kann beispielsweise mit einigen Tropfen Wasser oder Muttermilch auf einem Teelöffel aufgelöst und dem Baby vor dem Füttern gegeben werden.
Nach dem Durchbruch des ersten Zahns kann im ersten Lebensjahr entweder die Fluoridtablette weitergegeben oder zweimal täglich mit einer reiskorngroßen Menge fluoridhaltiger Kinderzahnpasta (1.000 ppm Fluorid) geputzt werden. Werden weiterhin Fluoridtabletten gegeben, sollte zum Putzen fluoridfreie Zahnpasta verwendet werden.
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