Die Grillfeier im Garten, die ersten Besuche im Freibad – alles wunderbar, wäre da nicht die tückische Blasenentzündung, von der einige Frauen sogar mehrmals im Jahr betroffen sind. Blasenentzündungen zählen zu den häufigsten bakteriellen Entzündungen der Frau, häufigster Vertreter ist E. coli. Doch was hat sich in den letzten Jahren an Therapieempfehlungen geändert? Wann sollte eine sofortige Antibiotikaeinnahme erfolgen? Wieso leiden Frauen in und nach den Wechseljahren vermehrt an Harnwegsinfekten und wie wichtig ist eine fachkundige Beratung in der Apotheke? Die neuesten Erkenntnisse zum Thema Blasenentzündung haben wir für Euch zusammengefasst:

Medizinisch betrachtet unterscheiden wir zwischen unteren (Blasenentzündung) und oberen (Nierenbeckenentzündung) Harnwegsinfekten. Abhängig davon und von der bisherigen Patientenanamnese ist auch die gewählte Therapie. Während bei einer einfachen Entzündung, die sich auf die Blase beschränkt, die Behandlung abwartend mit erhöhter Flüssigkeitszufuhr und möglichen pflanzlichen Präparaten begonnen werden kann, so ist die Empfehlung bei einer Pyelonephritis, bei der sich die Entzündung auf Nierenbecken und Nieren ausgeweitet hat, die rasche Antibiotikagabe. Die Entscheidung sollte mit der Patientin und ihrem behandelnden Arzt gemeinsam getroffen werden.

Die untrüglichen Zeichen einer akuten Zystitis

Jede Frau, die schon einmal eine Blasenentzündung hatte, erkennt die ersten Symptome meist sofort: imperativer Harndrang, Pollakisurie, Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen, Schmerzen oberhalb der Symphyse, manchmal ist bereits blutiger Urin mit bloßem Auge sichtbar. Das Brennen nach oder am Ende der Miktion spricht für eine reine Blasenentzündung, während ein dauerhaftes Brennen beim Wasserlassen für eine Beteiligung der Harnröhre spricht. Bei der Nierenbeckenentzündung, meist in Verbindung mit Fieber, Schüttelfrost, Rückenschmerzen und erhöhtem Krankheitsgefühl, hat sich die Entzündung über die Harnleiter weiter nach oben ins Nierenbecken ausgeweitet. Ein Abstrich in der Arztpraxis bringt Gewissheit. In schwierigen Fällen, bei chronischen Verläufen, V.a. Pyelonephritis sowie in der Schwangerschaft wird eine Urinkultur angelegt. Bei Verdacht auf eine Pyelonephritis wird zusätzlich eine Sonographie der Nieren und Harnwege durchgeführt.

Die Ursachen eines unkomplizierten Harnwegsinfekts

Zu den Ursachen zählen immunologisch-biologische Defekte, Veränderungen des Hormonhaushaltes wie beispielsweise Estrogenmangel (in Folge Mangel an schützenden Laktobazillen) in der Postmenopause, nach der Menstruation, in der Schwangerschaft. Untersuchungen lassen einen Zusammenhang zwischen dem Nachweis von Gardnerella vaginalis und wiederkehrenden Harnwegsinfekten vermuten. Weiterhin werden Stoffwechselstörungen wie z.B. Diabetes, eine übertriebene Hygiene sowie zeitnaher Geschlechtsverkehr für eine Blasenentzündung verantwortlich gemacht. Unterkühlungen stehen im Verdacht, eine Blasenentzündung zu begünstigen.

Die Therapie der Blasenentzündung- Wann sollte eine Antibiotikagabe sofort erfolgen?

Je nach Schwere der Symptome kann hier eine Therapie mit erhöhter Flüssigkeitszufuhr, Wärme und Ruhe versucht werden. Auch mit pflanzlichen Präparaten konnten gute Ergebnisse erzielt werden. Besonders Frauen, die häufiger unter Blasenentzündungen leiden, fragen in der Apotheke nach geeigneten Präparaten und Maßnahmen. Zusätzlich hat sich die Einnahme von Ibuprofen zur Linderung der Beschwerden bewährt. Eine Zystitis heilt in der Regel so bei 30-50% der Betroffenen folgenlos ab. Dahingegen ist die Antibiose bei Schmerzen in der Flankengegend, Fieber, ein klopfschmerzhaftes Nierenlager und hohem Krankheitsgefühl unerlässlich.

Änderung der Wirkstoffgruppen über die letzten Jahre

Die Empfehlung der Antibiose bei unkomplizierter Zystitis (Frauen in der Prämenopause ohne sonstige Begleiterkrankungen) wird in der aktuellen S3 Leitlinie wie folgt beschrieben: Fosfomycin-Trometamol, Nitrofurantoin, Nitroxolin, Pivmecillinam. Folgende Antibiotika sollen bei der Therapie der unkomplizierten Zystitis nicht als Mittel der ersten Wahl eingesetzt werden: Cefpodoxim-Proxetil, Ciprofloxacin, Cotrimoxazol, Levofloxacin, Norfloxacin, Ofloxacin (in alphabetischer Reihenfolge).

Cephalospurine gelten in der Schwangerschaft laut Embryotox hingegen als Mittel der Wahl, da sie erfahrungsgemäß als am besten untersucht gelten. Eine körperliche Untersuchung sowie das Anlegen einer Urinkultur wird in der Schwangerschaft und bei Diabetes empfohlen, wenn keine sonstigen Begleiterkrankungen auftreten. Je nach Antibiose und Schwere der Erkrankung legt der behandelnde Arzt die Dauer der Einnahme fest. Zur Vermeidung von antibiosebedingten Durchfällen haben sich Probiotika bewährt, wobei zur Darmschleimhaut-Regeneration derzeit neue Erkenntnisse vorliegen.

Zur Regeneration der natürlichen Scheidenflora und zur Vermeidung einer Pilzinfektion nach Antibiose kann die Einnahme von Laktobazillus-Ovula hilfreich sein. Viele Frauen setzten auf Prävention und sind dankbar für wertvolle Tipps aus dem Erfahrungsschatz der Apotheke. Auch durch Estrogenmangel und die folgliche Abnahme an Laktobazillen leiden viele Frauen in den Wechseljahren vermehrt an Harnwegsinfekten. Eine einfühlsame Beratung kann daher für betroffene Frauen sehr hilfreich sein.

Zystitis beim Mann

Männer sollten mit einer Blasenentzündung zur weiteren Abklärung und Behandlung urologisch vorstellig werden, da die Zystitis in der Regel als Folge einer anderen Ursache (z.B. Prostatavergrößerung) entsteht.

Die Blasenentzündung bei Kindern

Bei dem Verdacht einer Blasenentzündung sollten Eltern mit ihren Kindern grundsätzlich einen Arzt aufsuchen. Bakterielle Harnwegsinfekte kommen im Kindesalter häufig vor. Je nach Alter des Kindes können eher unspezifische Symptome vorliegen. Insbesondere im Säuglingsalter (Verschleppung über die Windel) kann sich ein HWI durch Trinkschwäche, Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall sowie Unruhe und Gereiztheit bemerkbar machen. Auch weinen die Babys beim Wasserlassen. Das Aufsteigen der Infektion, die chronische Entzündung und die Schädigung der Nieren kann durch eine rasche, ärztliche Untersuchung vermieden werden. Erst wenn die Kinder ein paar Jahre älter sind, können sie die Beschwerden besser benennen: häufiges Wasserlassen, Schmerzen/ Brennen beim Wasserlassen, sowie trüber und stark riechender Urin. Auch erneutes Einnässen kann auf einen Harnwegsinfekt hindeuten. Kommt es häufiger zu Blasenentzündungen liegen möglicherweise Fehlbildungen oder ein Reflux vor, die ebenfalls eine ärztliche Abklärung erfordern. Ebenso kann die natürlich vorkommende Vorhautverengung bei Jungen im ersten Lebensjahr verantwortlich sein. Mädchen neigen aufgrund der Anatomie, aber auch durch Zurückhalten des Urins und unvollständiger Entleerung zu einer Blasenentzündung. Neben einer erhöhten Trinkmenge (Tee oder Frischpflanzensäfte wie z.B. Preiselbeersaft) hat sich auch die Gabe von Laktobazillen bewährt, sie können durch Regeneration der Darmschleimhaut das Immunsystem stärken. Stillen sowie häufiges Wechseln der Windeln und Trockenhalten sollen vor Harnwegsinfekten schützen.

PTA- Wissen kompakt:

  • Eine unkomplizierte Zystitis kann zunächst mit erhöhter Flüssigkeitszufuhr, pflanzlichen Präparaten und Ibuprofen behandelt werden.
  • Phytopharmaka sind aufgrund ihrer antibakteriellen, krampflösenden und entzündungshemmenden Eigenschaften sehr beliebt. Auch hier wird empfohlen, die Einnahme nicht vorzeitig abzubrechen. Langfristig sind sie vorbeugend anwendbar.
  • Eine erhöhte Trinkmenge mit harntreibenden Arzneitees, wie Blasen -und Nierentee oder Brennesseltee werden zum Durchspülen der ableitenden Harnwege empfohlen.
  • D-Mannose – ein Zucker, der die Bakterien in der Blase bindet, sie können sich in Folge nicht an die Schleimhaut anheften und werden mit dem Urin ausgeschieden, auch vorbeugend oder ergänzend zur Antibiotikatherapie anwendbar.
  • Bei wiederholt auftretenden Blasenentzündungen sind Präparate zur Stärkung des Immunsystems empfehlenswert. Probiotika regenerieren die Mikroflora und stärken so die immunologische Abwehrreaktion der Schleimhäute.
  • G.vaginalis konnte bei Untersuchungen für wiederkehrende Harnwegsinfekte unabhängig, als auch durch Aktivierung von E.coli verantwortlich gemacht werden. G.vaginalis gilt als vorherrschendes Bakterium der bakteriellen Vaginose.
  • Ibuprofen wirkt schmerz- und entzündungshemmend.
  • Neben einer erhöhten Trinkmenge ist die Ansäuerung des Harns (Normbereich 5,8-6,8) wichtig. Diese ist notwendig, um die Wachstumsrate pathogener Keime zu mindern und um Rezidiven vorzubeugen. Zudem soll die Ansäuerung des Harns die Wirkung von Harndesinfektionsmitteln und bestimmten Antibiotika positiv beeinflussen. Besonders gut geeignet ist Preiselbeersaft, da er zusätzlich desinfizierend wirken soll.
  • Bei postmenopausalen Frauen werden wiederkehrende Harnwegsinfekte durch Estrogensubstitution signifikant vermindert.
  • Eine sofortige Antibiotikagabe ist bei Fieber, Flankenschmerz sowie gesicherter Pyelonephritis angezeigt, die Einnahme sollte nach Rücksprache mit dem Arzt auch bei vorzeitiger Beschwerdefreiheit bis zum Ende eingenommen werden. Checkliste zur Einnahme von Fosfomycin, die maximale Serumkonzentration erreicht der Wirkstoff etwa zwei bis drei Stunden nach der Einnahme.
  • Zur Vermeidung von Komplikationen (Sepsisgefahr) sollten Eltern von Säuglingen und Kleinkindern schnellstmöglich einen Arzt aufsuchen.
  • Die regelmäßige und vollständige Entleerung der Blase, insbesondere nach dem Geschlechtsverkehr (Honeymoon-Zystitis) kann vor einer erneuten Blasenentzündung schützen.
  • Beachtung der Hygiene mit auf den pH-Wert der Intimregion abgepassten Waschlotionen, Vermeidung von Spülungen etc.
  • Ruhe, Wärme (warme Füße) und warme Getränke fördern die Genesung.

Quellen und weiterführende Informationen: