Bakterielle Vaginose – Symptome und Diagnostik
Die bakterielle Vaginose (BV) kann mit unterschiedlichen klinischen Ausprägungen einhergehen. Typisch ist ein vermehrter, dünnflüssiger, grau-weißlicher Fluor vaginalis, häufig begleitet von einem unangenehmen, fischartigen Geruch infolge der Bildung flüchtiger Amine. Der vaginale pH-Wert ist in der Regel ≥ 4,5.
Weitere Symptome wie Brennen, Rötung, Juckreiz, Dysurie oder Dyspareunie können auftreten, sind jedoch nicht charakteristisch. Etwa die Hälfte der betroffenen Frauen ist asymptomatisch, was das Risiko für unerkannte, aufsteigende Infektionen erhöht. Solche Infektionen können sich durch Unterbauchschmerzen, Blutungsstörungen oder Fieber bemerkbar machen und erfordern eine ärztliche Abklärung. Besonders in der Schwangerschaft kann eine unbehandelte BV mit Komplikationen wie vorzeitigem Blasensprung, Zervixverkürzung, Frühgeburt oder intrauterinen Infektionen assoziiert sein.
Da sich die Symptome einer BV teilweise mit denen anderer vaginaler Infektionen überschneiden (z. B. Candidose oder Trichomoniasis), ist eine differenzierte Diagnostik essenziell. Eine Selbstmessung des pH-Werts kann erste Hinweise auf eine Dysbiose liefern, ersetzt jedoch keine ärztliche Diagnose.

Diagnostisches Vorgehen
Die Diagnosestellung erfolgt nach klinischer Untersuchung und mikrobiologischer Analyse eines Vaginalabstrichs. Grundlage sind die Amsel-Kriterien und/oder der Nugent-Score.
Amsel-Kriterien (1983)
Eine BV gilt als gesichert, wenn mindestens drei der vier Kriterien erfüllt sind:
- Homogener, dünnflüssiger, grau-weißer Fluor
- Erhöhter pH-Wert > 4,5
- Positiver Amintest (fischiger Geruch nach Zugabe von 10 %iger Kalilauge)
- Nachweis von „Clue Cells“ – mit Bakterien übersäte Epithelzellen
Nugent-Score
Der Nugent-Score basiert auf einer mikroskopischen Beurteilung der Vaginalflora nach Gram-Färbung. Dabei werden Laktobazillen, Gardnerella spp. und Mobiluncus spp. quantitativ bewertet:
| Nugent-Score | Interpretation |
| 0–3 | Normale Flora (negativ) |
| 4–6 | Intermediär, unklar |
| 7–10 | Bakterielle Vaginose wahrscheinlich |
Die Kombination aus klinischem Bild, pH-Wert und mikrobiologischem Befund ermöglicht eine sichere Diagnose und dient als Grundlage für die Therapieentscheidung.
Differentialdiagnostik
Zur Abgrenzung kommen insbesondere folgende Erkrankungen in Betracht:
- Trichomoniasis: Schaumiger, gelblich-grünlicher Ausfluss; erhöhter pH-Wert; Nachweis von Trichomonas vaginalis im Nativpräparat.
- Vaginale Candidose: Weißlich-bröckeliger, aber geruchloser Fluor, häufig Juckreiz und Brennen; pH meist < 4,5; mikroskopisch Pseudomyzelien und Sporen.
- Andere Kolpitiden bakterieller oder unspezifischer Genese.
Die Differentialdiagnose ist entscheidend, da sich die Therapie der BV grundlegend von der Behandlung mykotischer oder parasitärer Infektionen unterscheidet.
Klinische Relevanz
Eine unbehandelte BV kann über aufsteigende Infektionen zu Zervizitis, Endometritis, Salpingitis oder Adnexitis führen und damit auch die Fertilität beeinträchtigen. Im Rahmen einer Schwangerschaft sind Komplikationen wie Frühgeburt oder vorzeitiger Blasensprung möglich. Daher sollten alle Patientinnen mit entsprechenden Symptomen, insbesondere Schwangere, frühzeitig gynäkologisch untersucht und behandelt werden.
Differentialdiagnose: Bakterielle Vaginose, Trichomoniasis und vaginale Candidose
| Kriterium | Bakterielle Vaginose (BV) | Trichomoniasis | Vaginale Candidose |
| Ätiologie / Entstehungsursache | Verdrängung der Laktobazillen durch Gardnerella spp. und andere Anaerobier; Bildung eines Biofilms an der Vaginalwand | Infektion mit dem Protozoon Trichomonas vaginalis, sexuell übertragbar | Übermäßige Vermehrung von Hefepilzen bei gestörter Scheidenflora oder Immunsuppression |
| Leitender Erreger | Gardnerella spp. (Anaerobierdominanz) | Trichomonas vaginalis (Parasit) | Candida albicans (Hefepilz, seltener C. glabrata) |
| Scheidenausfluss – Menge | Meist vermehrt | Meist vermehrt | Variabel |
| Scheidenausfluss – Farbe | Grau-weißlich | Gelblich-grünlich oder bräunlich | Weißlich |
| Scheidenausfluss – Konsistenz | Dünnflüssig, homogen | Schaumig, flüssig | Krümelig bis flockig („bröckelig“) |
| Geruch | Typisch fischartig (Amingeruch) | Scharf, unangenehm | In der Regel geruchlos |
| Vaginaler pH-Wert | ≥ 4,5 | ≥ 4,5 | Meist normal (< 4,5) |
| Scheidenschleimhaut | Keine entzündlichen Veränderungen | Erytheme, punktförmige Blutungen am Gebärmutterhals („Erdbeer-Zervix“) | Erytheme, Ödeme oder Rhagaden möglich |
| Mikroskopischer Befund (Vaginalabstrich) | „Clue Cells“ – mit Bakterien bedeckte Epithelzellen | Nachweis von Trichomonas vaginalis und Leukozyten | Nachweis von Pseudomyzelien und Sporen, ggf. Leukozyten |
| Reaktion auf Kalilauge (10 % KOH-Test) | Fischgeruch verstärkt sich (positiver Amintest) | Keine charakteristische Reaktion | Pilzstrukturen (Pseudomyzelien) werden deutlicher sichtbar |
(modifiziert nach Weisner und Gätje; Quelle: Dissertation A. L. Reißhauer)
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