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Home Ursachen einer akuten Vag…
Autor: PTA Redaktion
Geprüft von: Stephanie Nitsch
Lesezeichen
Lesedauer ca. 5 min
07.01.2026

Ursachen einer akuten Vaginalmykose

Eine Vaginalmykose zählt zu den häufigsten Infektionen im weiblichen Genitalbereich. Auslöser ist in der Mehrzahl der Fälle der Hefepilz Candida albicans, seltener treten andere Arten wie Candida glabrata oder Candida krusei auf. Hefepilze sind keine klassischen Krankheitserreger, sondern gehören bei vielen Frauen ganz natürlich zur Scheidenflora sowie zum Mikrobiom des Darms, der Haut und des Mund- und Rachenraums. Sie leben dort meist unauffällig, ohne Beschwerden zu verursachen. Erst wenn das empfindliche Gleichgewicht der Vaginalflora gestört wird, kann sich Candida albicans übermäßig vermehren und eine Infektion auslösen.

In den meisten Fällen handelt es sich um eine endogene Infektion: Der Hefepilz ist bereits auf oder im Körper vorhanden und gelangt von dort in die Scheide. Eine direkte Ansteckung von außen spielt nur eine untergeordnete Rolle. Zwar kann Candida albicans beim Intimkontakt übertragen werden, doch allein die Übertragung führt in der Regel nicht zu einer Erkrankung. Damit sich tatsächlich eine Infektion entwickelt, müssen begünstigende Faktoren hinzukommen, etwa eine geschwächte Immunabwehr, hormonelle Veränderungen oder eine gestörte Scheidenflora.

Schützendes Gleichgewicht der Scheidenflora

Unter physiologischen Bedingungen halten Milchsäurebakterien (Laktobazillen, auch Döderlein-Stäbchen genannt) das Scheidenmilieu stabil und schützen vor pathogenen Keimen. Sie wandeln Glykogen, das unter dem Einfluss von Östrogen in der Vaginalschleimhaut gespeichert wird, in Milchsäure um. Dadurch bleibt der pH-Wert der Scheide mit 3,8 bis 4,4 im leicht sauren Bereich – eine Umgebung, in der sich krankmachende Mikroorganismen nur schwer vermehren können.

Allerdings tritt eine Vaginalmykose in vielen Fällen auch dann auf, wenn der pH-Wert im Normbereich liegt. Entscheidend ist weniger der pH-Wert selbst als die funktionelle Balance der vaginalen Mikroflora. Zwar kann in manchen Fällen die Zahl der Laktobazillen reduziert sein, doch häufig bleibt sie weitgehend erhalten. Die Infektion entsteht, wenn lokale Abwehrmechanismen geschwächt sind oder Hefepilze wie Candida albicans günstige Wachstumsbedingungen vorfinden, beispielsweise durch eine vorübergehende Immunminderung.

Begünstigende Faktoren

Verschiedene Einflüsse können das Gleichgewicht der Scheidenflora verändern und damit eine Pilzinfektion begünstigen. Zu den wichtigsten zählen:

  • Hormonelle Veränderungen: Der Hefepilz Candida albicans verfügt über Rezeptoren, die auf Östrogen reagieren. Ein erhöhter Östrogenspiegel, etwa in der ersten Zyklushälfte, in der Schwangerschaft oder unter hormoneller Kontrazeption, kann daher das Wachstum des Pilzes fördern. Auch während einer Hormonersatztherapie kann das Risiko steigen.
  • Grunderkrankungen: Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Schilddrüsenstörungen, Allergien oder Neurodermitis können die lokale Immunabwehr schwächen. Bei Diabetes begünstigt zudem der erhöhte Glukosegehalt im Vaginalmilieu das Pilzwachstum.
  • Medikamente: Nach einer Antibiotikatherapie entwickeln viele Frauen eine Scheidenpilzinfektion. Ursache ist vermutlich die Beeinträchtigung der natürlichen Scheidenflora: Antibiotika unterscheiden nicht zwischen krankmachenden und schützenden Bakterien und können daher auch die Milchsäurebakterien (Laktobazillen) verringern, die wesentlich zur Stabilität des vaginalen Milieus beitragen.
  • Immunschwäche und Stress: Ein geschwächtes Immunsystem oder anhaltende psychische Belastung können die Abwehrkräfte der Schleimhaut beeinträchtigen.
  • Übertriebene Intimhygiene: Häufige Scheidenspülungen, parfümierte Waschlotionen oder Intimdeos können das natürliche Milieu reizen und das Risiko für Infektionen erhöhen.
  • Lebensstil und äußere Einflüsse: Eine zuckerreiche Ernährung, feucht-warme Umgebungen sowie Reibung oder kleine Verletzungen im Intimbereich, etwa durch enge Kleidung, Sport oder Geschlechtsverkehr, können die Schleimhautbarriere schwächen und damit das Wachstum von Candida albicans begünstigen.
  • Risiken im Schwimmbad: Gechlorte öffentliche Schwimmbecken gelten als unkritisch und stellen wahrscheinlich kein relevantes Ansteckungsrisiko für Scheidenpilz dar. Beheizte Whirlpools dagegen können ein günstiges Umfeld für Pilzerreger bieten. Durch die Wärme und den längeren Aufenthalt quillt die Haut im Intimbereich leicht auf und wird dadurch anfälliger für Keime. Eine Ansteckung über Oberflächen wie Toilettensitze oder Türklinken ist hingegen sehr unwahrscheinlich, da Pilzerreger an der Luft schnell absterben.
  • Risiken durch eine zuckerreiche Ernährung: Einige Fachleute gehen davon aus, dass eine zucker- und kohlenhydratreiche Ernährung das Pilzwachstum begünstigen kann. Auch Lebensmittel mit hohem Hefegehalt oder bestimmte Milchprodukte werden in diesem Zusammenhang genannt. Eine sogenannte Anti-Pilz-Diät gilt jedoch als überholt: Candida albicans kann seinen Stoffwechsel anpassen und überlebt auch ohne Zuckerzufuhr – das „Aushungern“ des Pilzes funktioniert daher nicht. Dennoch kann eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung das Immunsystem und das Darmmikrobiom unterstützen und dadurch indirekt helfen, einer Scheidenpilzinfektion vorzubeugen.

Wiederkehrende Scheidenpilzinfektionen

Treten Scheidenpilzinfektionen mehr als viermal pro Jahr auf, spricht man von einer chronisch rezidivierenden Vaginalmykose . Etwa fünf Prozent der Frauen sind davon betroffen. In solchen Fällen bilden sich häufig widerstandsfähige Sporen, die lange im Körper verbleiben und Rückfälle begünstigen. Auch eine Partnerbesiedelung kann zum sogenannten Ping-Pong-Effekt führen. Eine ärztliche Abklärung inklusive Pilzkultur und ggf. Mitbehandlung des Partners sind in diesen Fällen angezeigt.

Lebensphasen und hormonelle Einflüsse

Da das Wachstum von Candida albicans eng an den Östrogenspiegel gekoppelt ist, tritt eine Vaginalmykose vor allem im gebärfähigen Alter auf. In der Pubertät und während der Schwangerschaft sind hormonelle Veränderungen besonders ausgeprägt, wodurch die Infektionsneigung steigt. Nach den Wechseljahren nimmt das Risiko dagegen deutlich ab, da der Östrogenspiegel sinkt und die Schleimhaut weniger Glykogen enthält. In dieser Lebensphase sind Pilzinfektionen eher im äußeren Intimbereich zu finden.

Übertragung und Ansteckungsrisiko

Eine Vaginalmykose entsteht meist nicht durch Ansteckung, sondern durch eine Störung des mikrobiellen Gleichgewichts. Dennoch ist eine Übertragung beim Geschlechtsverkehr möglich. Insbesondere bei wiederkehrenden Infektionen kann es sinnvoll sein, den Partner mitbehandeln zu lassen. Bei Männern zeigt sich eine Candida-Infektion selten, meist in Form einer Balanitis mit Juckreiz, Rötung und Belägen an der Eichel.

Fazit für die Beratung

Akute Vaginalmykosen sind häufig, aber meist harmlos und gut behandelbar. Für die betroffene Frau ist wichtig zu wissen, dass sie in den meisten Fällen endogen entstehen und nicht Ausdruck mangelnder Hygiene sind. Eine ausgewogene Intimhygiene, ein stabiles Immunsystem und die Vermeidung unnötiger Antibiotikatherapien tragen wesentlich dazu bei, das Gleichgewicht der Scheidenflora zu erhalten. Bei wiederkehrenden Infektionen sollte immer eine ärztliche Abklärung erfolgen.

Autor
PTA Redaktion

Unsere Redaktion besteht aus ausgewählten PR-Redakteuren und -Beratern aus dem Bereich der Gesundheitskommunikation.

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Geprüft von
Stephanie Nitsch

Stephanie Nitsch hat ihren Abschluss als examinierte Krankenschwester an der Universität zu Lübeck absolviert und arbeitete 10 Jahre im Operationsdienst verschiedener Fachgebiete. Als geprüfte Pharmareferentin besuchte sie anschließend neurologische und urologische Facharztpraxen, Kliniken und Apotheken. Im European Surgical Institute, dem europäischen Schulungszentrum der Firma Johnson&Johnson für minimal-invasive Chirurgie, betreute sie die CME-Kurse (Continuing Medical Education) für Chirurgen und war für die Schulung der neuen Außendienstmitarbeiter verantwortlich. Als spätere Gebietsmanagerin lagen ihr die Aus- und Weiterbildung sowie die klinische Anwendungsberatung des Ethicon-Produktportfolios im Operationssaal besonders am Herzen. Als medizinische Redakteurin unserer Healthcare-Abteilung verfasst sie Fachpublikationen und Patienteninformationen.

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Literatur

  1. Lloyd-Price J, Abu-Ali G, Huttenhower C. The healthy human microbiome. Genome Med. 2016 Apr 27;8(1):51. doi: 10.1186/s13073-016-0307-y
  2. AWMF S2k Leitlinie. Vulvovaginalcandidose. Stand: 09.2020. Online verfügbar unter: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/015-072l_S2k_Vulvovaginalkandidose_2020-10_01.pdf. Abgerufen am 30.04.2024.
  3. Laubscher, Silke. Deutsche Apotheker Zeitung. Lästiger Juckreiz. Empfehlungen zur Prophylaxe und Therapie von Vaginalmykosen. Stand 2015. Online verfügbar unter: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2015/daz-28-2015/laestiger-juckreiz. Abgerufen am 03.03.21.
  4. Mendling, Werner. Vaginalinfektionen – Wissenswertes zu Behandlung und Prophylaxe. Stand: 2013. Online verfügbar unter: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2013/daz-46-2013/vaginalinfektionen. Abgerufen am 30.04.2024.
  5. Eckes, Tanja (2023). Scheidenpilz: Ein Faktencheck. Online verfügbar unter: https://www.apotheken-umschau.de/krankheiten-symptome/erkrankungen-der-weiblichen-geschlechtsorgane/vaginalpilz-ein-faktencheck-980989.html. Abgerufen am 02.05.2024.
  6. Nagel, Geraldine (2022). Scheidenpilz (Vaginalpilz). Online verfügbar unter: https://www.onmeda.de/krankheiten/scheidenpilz-id200507/. Abgerufen am 02.05.2024.
  7. H.-J. Tietz, U. Gunkel. Teil 1: Mykosen in der gynäkologischen Praxis. gyne, 2020, Heft 01

Inhalt

  • Ursachen einer akuten Vaginalmykose
  • Schützendes Gleichgewicht der Scheidenflora
  • Begünstigende Faktoren
  • Wiederkehrende Scheidenpilzinfektionen
  • Lebensphasen und hormonelle Einflüsse
  • Übertragung und Ansteckungsrisiko

Chronischer Scheidenpilz

Bei einem Teil der Patientinnen gehen Vaginalmykosen in einen chronisch rezidivierenden Verlauf über, der die Lebensqualität deutlich einschränken kann und eine sorgfältige Aufmerksamkeit erfordert. Die Leitlinie empfiehlt eine systemische Langzeittherapie.

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